Sebastian Kurz übernahm den Begriff von seiner dänischen Amtskollegin Mette Frederiksen – das Wort ist wahrscheinlich nicht nur jenen, die Senf bevorzugen, nicht sofort präsent: Der "Ketchup-Effekt", den der Bundeskanzler als Sinnbild für die – vorsichtig formuliert – maue Menge an verabreichten Dosen von Corona-Impfstoffen im Land bemühte: "Wir kennen Ketchup-Flaschen, da braucht man oft lange, bis irgendetwas rauskommt, und dann kommt auf einmal ein ganzer Schwall", sinnierte er.

Ja, ein Alltagsproblem: Zuerst dringt nichts bis wenig aus einer Flasche, irgendwann womöglich viel. Dahinter steckt zumindest beim Ketchup die von den Inhaltsstoffen abhängige Fließgrenze der mit reichlich Zucker, Salz und Gewürzen versetzten Würzsauce. Die Lebensmittelhersteller produzieren den Pommes-Frites-Begleiter bewusst so, dass er erst aus der Flasche kommt, wenn man diese ausreichend senkrecht hält – und Geduld hat.

Beschleunigen kann man das natürlich durch mechanische Kraftausübung – etwa, indem man möglichst dosiert mit der Handfläche auf den Boden gekippter Flaschen klopft. Auch Schütteln des Behältnisses bringt Ketchup zum Fließen. Nachdem die Flasche abgestellt worden ist, baut sich seine Struktur wieder auf – die Sauce setzt sich wie geplant.



Im internationalen Einheitensystem (SI) ist ein "Newton" die für die physikalische Größe Kraft verwendete Maßeinheit. Übertragen auf das derzeitige Dilemma rund um die für Österreich verfügbaren und eingesetzten Vakzine, dürfte jedenfalls noch sehr viel mehr Anstrengung vonnöten sein: Laut nationalem Impf-Dashboard sind in Österreich bis heute erst 434.711 Menschen zumindest einmal geimpft worden – das sind 4,9 Prozent der Gesamtbevölkerung. 2,65 Prozent haben beide erforderlichen Dosen erhalten und sind somit voll geschützt.