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Triagen drohen Gesundheitssystem "jetzt vollkommen ausgelastet"

Pressekonferenz: Experten zur aktuellen Corona-Lage in Österreich. Experte: 700 Intensivpatienten Mitte nächster Woche

: Susanne Rabady (L), Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin, Klaus Markstaller (M), Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI), und Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich (GÖG)
: Susanne Rabady (L), Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin, Klaus Markstaller (M), Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI), und Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich (GÖG) © APA/HERBERT NEUBAUER
 

Vorab der Verkündung der Maßnahmen durch die Bundesregierung, gab es ein Pressegespräch mit Experten zur aktuellen Corona-Lage in Österreich. Teilnehmer waren Klaus Markstaller, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI), und Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich (GÖG).

Klaus Markstaller sprach dabei von einer ernsten Lage. Grundsätzlich seien Intensivbetten hoch belegt  -  auch ohne Corona. Wenn es zu einer außerordentlichen Situation kommt, wie nun, können um ein Drittel mehr Betten geschaffen werden, ohne Patienten zu gefährden.

Triage in den nächsten Tagen möglich

Rund 600 Betten von 2.000 Intensivbetten sind belegt. Wenn das ganze Geschehen sich in diesem Tempo weiterentwickeln wird, dann würde es in den nächsten Tagen zu einer Triage kommen, so Markstaller.

Er richtet einen dringlichen Appell an die Gesellschaft: "Bitte halten Sie sich an die kommenden Maßnahmen!"  "Wir haben ein veritables Problem", sagt der ÖGARI-Präsident. Hygienemaßnahmen und eine Reduktion von sozialen Kontakten seien jetzt notwendig.

Das Gesundheitssystem sei nun ausgelastet, verdeutlicht Susanne Rabady, Vize-Präsidentin der Österreichische Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM). "In aller Eindeutigkeit: Das geht auf Kosten des Personals", sagt Rabady dazu, dass die Ressourcen gerade gestreckt werden. Sie appelliert auch an die Bevölkerung, melden Sie sich, sollten Sie sich krank fühlen und nehmen Sie Ihre Vorsorgetermine wahr. "Die Pandemie wird vorübergehen", sagt die ÖGAM-Vize-Präsidentin. Bisher sei noch jede Pandemie vorbeigegangen.

Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich (GÖG), hatte prognostiziert, 586 Personen seien Mitte November auf Intensivstationen. 700 Intensivpatienten sollen es Mitte nächster Woche sein. Dies sei Anlass zu großer Sorge. Alle Bundesländer haben über den Sommer hinweg "Stufenpläne" entwickelt, wie Patienten mit Corona behandelt werden sollen.  "Wir sprechen von Notfalllösungen und keinesfalls von Normalbetrieb. Wir wissen, dass einige Bundesländer bereits auf ihr Reservepotenzial zurückgreifen", sagt der GÖG-Geschäftsführer. "Wir stehen vor einer kritischen Situation" so Ostermann abschließend.

Wann wird es die Triage in Österreich geben? Würde keine Trendumkehr gelingen, gäbe es "in den nächsten Tagen die Situation einer Triage", warnte Klaus Markstaller. "Wir werden beginnen müssen die nächsten Tage, wenn das so weitergeht, zu entscheiden, in welchem Umfang wir welche Patienten mit Intensivmedizin behandeln können", sagt Markstaller. Man sei noch nicht in der harten Triage. Wenn die Zahlen weiter steigen, wird das "System das aber nicht verkraften können". Man sei noch nicht in der harten Triage. Wenn die Zahlen weiter steigen, wird das "System das aber nicht verkraften können".

Stichwort: Triage

Die Coronavirus-Pandemie überfordert derzeit zahlreiche Krankenhäuser bis hin zu ganzen Gesundheitssystemen. Ressourcenknappheit kann zu Rationierungen führen. Tritt die Situation einer Triage ein, müssen Mediziner in der Covid-Krise darüber entscheiden, welche Patienten intensivmedizinisch betreut werden.

Der Begriff "Triage" leitet sich von dem französischen Wort "trier" ab, das "sortieren" oder auch "aussortieren" bedeutet. Entwickelt wurde die Triage von dem russischen Arzt Nikolai Pirogow, um im Krimkrieg (1853 bis 1856) mit der hohen Zahl verletzter Soldaten umzugehen. Bis heute wird die Triage in außergewöhnlichen Situationen wie Naturkatastrophen, Unfällen mit zahlreichen Opfern und nach Anschlägen angewendet. Binnen kurzer Zeit werden Patienten nach der Dringlichkeit ihrer Behandlung eingeteilt.

Bei einem Mangel an Personal, aber auch Material wie Intensivbetten, Geräte, Medikamente, Masken, Handschuhe etc. sind Beschränkungen erforderlich. Ärztinnen und Ärzte haben dann unter Zeitdruck Entscheidungen zu treffen. "Ethisch/rechtliche Grundlagen müssen dabei, gleich wie unter 'normalen' Bedingungen, Basis ärztlicher Indikationsstellung bleiben", hält die ARGE Ethik der Österreichische Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) fest.

Im Rahmen einer Triage ist nur für diejenigen Patienten eine maximale Therapie indiziert, die im Rahmen einer Schaden/Nutzen-Abwägung durch eine technisch machbare medizinische Behandlung prognostisch eine hohe Überlebenswahrscheinlichkeit haben. "Gleichwertig zum Ziel der Lebenserhaltung muss die Frage nach der künftigen Lebensperspektive und der Vermeidung einer 'Chronisch Kritischen Erkrankung' die Indikationsstellung begründen", heißt es in den Empfehlungen der ARGE Ethik anlässlich der Covid-Pandemie.

Betont wird aber: Intensivtherapie darf in der Triage-Situation nur nach Ausschöpfung aller möglichen Alternativen vorenthalten oder beendet werden.


Corona: Wie verhalte ich mich richtig?

Wenn Sie bei sich Erkältungssymptome bemerken, dann gilt zunächst: zu Hause bleiben und Kontakte zu Mitmenschen meiden! Tritt zusätzlich Fieber auf oder verschlechtert sich der Zustand, dann sollte das Gesundheitstelefon 1450 angerufen werden. Bei allgemeinen Fragen wählen Sie bitte die Infoline Coronavirus der AGES: 0800 555 621 .
Die Nummer 1450 ist nur für Menschen mit Beschwerden! Es gilt: Zuerst immer telefonisch anfragen, niemals selbstständig mit einem Corona-Verdacht in Arztpraxis oder Krankenhaus gehen!

Coronavirus-Infopoint

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Sam125
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Es ist zu hoffen dass das ehemalige"Lungenkrankenhaus Hörgas"endlich wieder

seine Pforten öffnet und man es zu einem Covit 19 Krankenhaus neu adaptiert,denn das Virus bekommen wir bestimmt nicht mehr weg,so hätte man wenigstens ein Krankenhaus,das in bester Luft für die schweren Coronafälle stets bereit wäre!Das Krankenhaus liegt ganz allein mitten im Wald und es wäre auch für die Nachbehandlung schwerer Coronafälle geeignet! Wir müssen einfach lernen mit Corona zu leben und wir müssen daher auch,die schwer an Corona erkrankten Mitmenschen helfen wieder auf die Beine zu kommen!!! Ich konnte und kann überhaupt nicht verstehen, warum das Krankenhaus überhaupt geschlossen wurde!!

hermannsteinacher
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Dezember 2019 noch etwas über 2.500 Intensivbetten,

jetzt nur mehr 2.000, wer hat die fünfhundert vernichtet, die "Experten"???

47er
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Und behandeln wird dich dann ein Medizinstudent oder gar Roboter.

Da nützt dir wahrscheinlich die frische Luft auch nicht. Ärzte und Pflegekräfte sind Mangelware, manche glauben, mit Intensivbetten ist es getan, oder soll dich dort die Frau oder Mutter pflegen. Betten wären m.E. kein Problem, aber leerstehende Krankenhäuser MIT Personal, die immer für ALLE Fälle gerüstet sind, sind auch für Österreich nicht leistbar.

Sam125
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rehlein,danke für die Info!

Sam125

rehlein
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Sehr gerne, lieber Sam;)

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rehlein
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@Sam

Gestern gab es ein Interview mit Primar Iberer, der aus der Pension zurückgekehrt ist, und die Leitung des KH Hörgas übernommen hat.
Gestern wurden bereits die ersten 6 Covid-Patienten überstellt, heute die restlichen von dzt. 22.
Und es sollen bis zu 46 Betten bis nächste Woche vorbereitet werden.
Das KH Hörgas soll für Covid-Pat. sein, die lange Intensiv-Pat. waren, und die sozusagen remobilisiert werden sollen.
Lange Komapatienten haben extremen Muskelabbau (unter anderem), und in Hörgas wird es wie eine Art Reha für sie.

Es ist also seit gestern schon wieder in Betrieb.

Das Team von Prim. Iberer besteht aus einem Ärztepool von 40 Ärzten, die freiwillig zusätzliche Dienste dort leisten, das Pflegepersonal kommt zum größtenteil aus dem LKH II Graz West - soweit das Interview von gestern.
Die Pat. werden dorthin verlegt, um die Covid-Stationen zu entlasten, und um Platz für neue Pat. zu schaffen.

Solche Einrichtungen sollte es jetzt in allen Bundesländern geben....

samro
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rehlein

wie geht es ihnen?
wie immer alles gute ihrer schwester.
bleiben sie gesund!

rehlein
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samro,

Ich bin müde.... sehr müde....
...und wenn ich dann hier bestimmte posts von gewissen usern lese, würde ich mir am liebsten das Essen rückwärts nochmal durch den Kopf gehen lassen:(

Meiner Schwester geht es sehr schlecht, aber sie ist gefaßt, und möchte auch keine Therapie mehr, alles mit Patientenverfügung festgelegt - keine lebensverlängernden Maßnahmen.
Sie wird nur mehr palliativ behandelt.
Manchmal ist es Gnade, wenn man gehen darf.

Danke, dass Sie immer so lieb nachfragen!

GLG!

samro
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rehlein

ich verstehe sie sehr gut.
ich kann mir denken und dennoch nur ansatzweise vorstellen wie kraftraubend ihre situation gerade ist.
es tut mir so so leid wegen ihrer schwester. und ich wuenschte ich koennte etwas sagen dass ihr oder ihnen ein wenig hilft doch weiss ich dass das nicht moeglich ist.
ich kann ihnen eiden nur kraft und ein wenig freude im leben wuenschen die man trotzdem braucht um weiterzumachen.
alles liebe ihnen und ihrer schwester. es soll in dieser schweren zeit trotzdem noch einen funken glueck geben den man braucht um weiterzumachen.
bleiben sie gesund. passen sie auf sich auf und auch ihrer schwester das gleiche.
seien sie in den arm genommen wie man es trotzdem braucht!

rehlein
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Danke samro!

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Mein Graz
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@rehlein

Obwohl wir uns nicht persönlich kennen berührt auch mich das Schicksal deiner Schwester.
Ich kann nicht sagen, was ich deiner Schwester sagen soll, jedes Wort kling banal für Menschen, die wissen, dass sie bald gehen müssen.
Dir wünsche ich viel Kraft - du brauchst es doppelt.
Liebe Grüße!

rehlein
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Danke Mein Graz!

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Wirklich von Herzen Danke!

rolevil
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2 Welle

Es war davon auszugehen das bei dieser Pandemie eine zweite Welle kommt. Die Regierung hat aber in der Zwischenzeit nichts bezüglich der Intensivbetten gemacht. Jetzt die Überraschten spielen nehm ich denen nicht ab! Reine Unfähigkeit ist das! Man hätte gleich im KH-Wesen ansetzen müssen

Mein Graz
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@rolevil

Wie hätte ein Ansatz im KH-Wesen aussehen sollen?
Bitte um Vorschläge.

rolevil
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Na ja

Man hätte bundesweit die Anzahl der Intensivbetten fix erhöhen können, in dem Wissen das eine zweite Welle wahrscheinlich ist! Die erste Welle war keine Lehre!

Mein Graz
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@rolevil

So oft wurde hier erklärt, und nicht nur von mir, sondern auch von vielen anderen Usern, dass ein Intensivbett viel mehr ist als ein Krankenbett mit Sauerstoff-Versorgung. Die benötigten Apparaturen kann man kaufen, da geht es "nur" um Finanzielles.
Die Ärzte, das Pflegepersonal für Intensivbetten gibt schlichtweg nicht.
Und auch wenn man im Frühjahr mit der Ausbildung begonnen hätte, DGKP brauchen 5 Jahre, um in einer Intensivstation arbeiten zu können.

checker43
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rolevil

Man hat weitere Betten organisiert und Ärzte umgeschichtet. Der Zahnarzt arbeitet jetzt als Covid-Intensivmediziner. Würde aber auch nicht reichen, wenn man keinen Lockdown macht. Sie können auch keine Pfleger und Ärzte aus dem Hut zaubern über den Sommer.

Irgendeiner
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Ach,mausbärli,nicht

Strichi, schwätzi, oder einfach probieren Buh.

Irgendeiner
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Mitarbeiten

solltest schon ein bißchen Mausbärli,man lacht.

SoundofThunder
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Das muss für die Ärzte die Härte pur sein.

Entscheiden zu müssen wer ein Intensivbett bekommt und wer nicht. Ich könnte das nicht.

hel80ingrid
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Warum?

wurden die Massnahmen so spaet getroffen, obwohl die Kapazitaetsgrenzen der ICU laengst bekannt waren?
Jeder Manager in privaten Unternehmen wuerde fuer so ein Versagen fristlos gekuendigt werden!

checker43
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Ungehörte Experten

sagten, dass es niemals zu einer Überlastung kommen wird. Vielleicht wurde denen doch zu viel Gehör geschenkt.

Mein Graz
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@hel80ingrid

Stell dir einfach einmal vor wie die Menschen reagiert hätten, wären die Maßnahmen vor 4 Wochen verhängt worden.
Es hätte - gerade von den Maßnahmen-Verweigerern und Corona-Leugnern - einen Aufstand gegeben, dass die Regierung weit übers Ziel hinaus schießt.
Und es hätten diesen Gruppierungen massenweise Zulauf beschert.

samro
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mein graz

ja sie haben recht und ich sehe das 1 zu 1 so.
man durfte sich nicht leisten noch einmal n die gleiche falle zu tappen.
die verharmloser und leugner habennur darauf gewartet noch einmal zu sagen: seht ihr da war nichts und die boese regierung hat uns nur einsperren wollen.
wobei ich mich immer frage wo das hirn ist. die regierung hat nichts davon einzusperren.

tannenbaum
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Man

hätte schon ab März die E Card taten von allen Coronaleugnern aufnehmen sollen um dann, wenn Spitalsbetten oder Intensivbetten knapp werden, diese Egoisten nachrangig zu behandeln!

Irgendeiner
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Nein,tannenbaum,Idiotie ist kein hinreichender Grund

für ein Todesurteil,das müßma nach den Regeln spielen,auch wenn es ein bißchen verbittert.Sonst zerstören wir sie selbst.

 
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