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Isolierte Familie Drei weitere Kinder? U-Haft über Österreicher verhängt

Wegen des Verdachts des Freiheitsentzugs sitzt 58-jähriger Österreicher für die Dauer von 14 Tagen in U-Haft. Ermittlungen weiten sich aus, laut Medienberichten könnte bettlägeriger Vater drei weitere Kinder haben.

Was genau auf dem Anwesen in Ruinerwold passiert ist, muss nun geklärt werden © APA/AFP/ANP/WILBERT BIJZITTER
 

Das Gericht der Provinz Noord-Holland in den Niederlanden hat die Untersuchungshaft über einen 58-jährigen Österreicher wegen des Verdachts des Freiheitsentzugs für die Dauer von 14 Tagen verhängt.

Gibt es drei weitere Kinder?

Das teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstagnachmittag per Twitter mit. Der Verdächtige wurde am Dienstag in Zusammenhang mit einer isoliert lebenden, sechsköpfigen Familie im Ort Ruinerwold festgenommen. Dem Österreicher wird Freiheitsberaubung und Benachteiligung der Gesundheit anderer vorgeworfen. Der abgelegene Hof wurde inzwischen von einer Spezialeinheit der Polizei durchsucht. Medien berichten von drei weiteren Kindern.

Im Zuge der Ermittlungen haben die Behörden in der rund 15 Kilometer entfernten Ortschaft Zwartsluis zwei Hausdurchsuchungen durchgeführt. Zudem werden die Räume auf dem Bauernhof in Ruinerwold digital erfasst, "um sich einen vollständigen Überblick zu verschaffen", schrieb die Polizei in einer Stellungnahme. Auch das Landeskriminalamt (LKA) Oberösterreich ermittelt auf Ersuchen des Außenministeriums inzwischen weitere Informationen zum Verdächtigen.

Was mögliche religiöse Hintergründe zu dem Fall betrifft, so gebe es vorerst keine Hinweise auf die Mitgliedschaft in einer Sekte während der Zeit, die der Verdächtige in Oberösterreich verbracht hat. Die Ermittlungen des LKA sind aber noch nicht abgeschlossen. Der Mann wurde in Waldhausen im Bezirk Perg geboren und hat ein kleines Bauernhaus - ein sogenanntes Sacherl - in Pabneukirchen geerbt. Dieses soll er 1983 verkauft haben, dann dürfte er laut LKA nach Wien übersiedelt sein. Bisher hieß es, dass der 58-Jährige ein gebürtiger Wiener sei. Wie die Recherchen der APA ergaben, ist der Mann dann wieder nach Oberösterreich zurückgezogen und lebte bis 2010 rund zehn Jahre wieder in einer Marktgemeinde im Bezirk Perg, ehe er dann in die Niederlande ausgewandert ist.

Hinweise auf Moon-Mitgliedschaft

In niederländischen Medien gibt es erneut Hinweise auf eine Mitgliedschaft bei der Vereinigungskirche, die auch unter dem Namen "Moon-Sekte" bekannt ist. Wie der Fernsehsender "RTV Drehnte" und die Zeitung "De Telegraaf" übereinstimmend berichteten, soll die Familie Verbindungen zur Moon-Bewegung haben.

"De Telegraaf" berief sich auf Angaben eines  Verwandten des 67-jährigen Vaters der Familie, der selbst ein Mitglied ist. Laut "RTV Drehnte" haben sich der Vater der Familie und der festgenommene Österreicher über diese Gemeinschaft  kennengelernt haben. Er war demnach ebenfalls Mitglied, schrieb "RTV Drehnte". Die Vereinigungskirche, wie sich die Bekenntnisgemeinschaft nennt, wies bereits am Mittwoch Berichte zurück: Der 58-jährige Österreicher sei weder bei der Vereinigungskirche in Österreich noch in den Niederlanden Mitglied gewesen.

In unbestätigten Medienberichten hieß es, die Familie habe auf "das Ende der Zeiten" gewartet. Eine Expertin der Bundesstelle für Sektenfragen betonte jedoch im Gespräch mit der APA, dass eine
solche Haltung nicht mit den Werten der  Vereinigungskirche zusammenpassen würde.

Niederländischen Medien schrieben, dass der Österreicher und die Familie einander bereits vor dem Aufenthalt in Ruinerwold gekannt hätten. Sie sollen laut "de Volkskrant" zuvor in der Ortschaft Hasselt bei Zwolle Nachbarn gewesen seien. Der 25-jährige Hofbewohner, der am Montag in einem Wirtshaus um Hilfe gebeten und den Fall so ins Rollen gebracht hat, habe Hasselt zudem als seinen Geburtsort genannt. Später habe er in Zwartsluis gelebt, jener Ortschaft, wo der Vater bis 2008 einen Spielwaren- und Holzhandel betrieben hat. Das Geschäft und ein weiterer Betrieb wurden am Mittwoch von den niederländischen Behörden durchsucht, etwaige Ergebnisse wurden jedoch noch nicht bekannt gegeben.

Über den Holzhandel könnte auch der Kontakt zum verdächtigen Österreicher geknüpft worden sein, denn dieser dürfte in der wenige Kilometer entfernten Stadt Meppel ein Firma registriert haben, die auf Holz spezialisiert ist, wie das niederländische Firmenregister nahelegt. Laut "de Volkskrant" verkaufte er in den Niederlanden unter anderem auch Holzspielzeug, Holzspäne und Kleinmöbel auf diversen Märkten. Auch während seiner Zeit in Österreich war der 58-jährige als Tischler tätig.

Nach Angaben der Polizei scheint keines der Familienmitglieder in Ruinerwold in Drenthe bei der Grundverwaltung registriert zu sein. Das könnte erklären, warum die Behörden bisher untätig waren. Auf dem abgelegenen, von Bäumen und Hecken umgebenen Bauernhof könnte sich die Familie von auf dem Gelände angebauten Gemüse ernährt haben - auch Tiere, unter anderem eine Ziege, sind dort gehalten worden.

Ein Vater und sechs seiner Kinder

Die zuständige Polizeibehörde bestätigte am Donnerstag auf Anfrage der APA, dass die Exekutive auf dem Bauerhof selbst sechs Personen angetroffen hatte. Sie selbst gaben an, dass sie eine Familie seien: ein Vater und sechs seiner Kinder. Der 25-Jährige war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr auf dem Gelände anwesend. Alter und die Identitäten der sieben Personen sind weiterhin Gegenstand der Ermittlungen.

Laut Medienberichten soll die isoliert lebende noch drei weitere Mitglieder haben. Bisher ging man von sechs Kindern im Alter von 18 bis 25 Jahren und dem bettlägerigen Vater aus, der Lokalsender "RTV Drenthe" berichtete nun, dass es noch drei ältere Töchter geben soll. Sie sollen älter als 25 Jahre sein, ihr Aufenthaltsort sei unbekannt.

Auch die Frage, ob sich alle Personen unfreiwillig auf dem Hof aufgehalten haben, war bisher noch ungeklärt, bisher gebe es aber keine derartigen Indizien. Die Mutter der Familie soll bereits 2004 gestorben ein.

Kommentare (1)

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hermannsteinacher
6
8
Lesenswert?

Das Ganze ist ein völliges Versagen niederländischer Behörden

seit einem Vierteljahrhundert.
Der Österreicher kam erst vor rund 9 Jahren in die Niederlande.

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