Unsere Nieren sind viel mehr als „nur“ Harnproduzenten: Beide Nieren zusammen bestehen aus circa zwei Millionen Filtereinheiten, auch Glomerula genannt. Sie filtern das vom Herzen kommende Blut und nehmen wichtige Stoffe wie Elektrolyte oder Wasser nach Bedarf wieder in den Blutkreislauf auf, während Giftstoffe und Stoffwechsel-Endprodukte über den Harn ausgeschieden werden. Auf diese Weise ist die Niere nicht nur für die Entgiftung des Körpers wichtig, sondern trägt auch maßgeblich dazu bei, dass der Wasser- und Elektrolythaushalt des Körpers im Gleichgewicht bleibt.

Eine oft übersehene Funktion der Niere ist die Hormonproduktion: So produziert die Niere Renin, das den Blutdruck erhöhen kann, oder Erythropoetin, das eine Rolle bei der Bildung von roten Blutkörperchen spielt.

„Kranke“ Nieren sind eine Volkskrankheit

Die chronische Nierenerkrankung, auch CKD (chronic kidney disease) genannt, ist häufig. Jeder zehnte Mensch leidet an einer eingeschränkten Nierenfunktion; weltweit sind dies mehr als 840 Millionen Menschen. Die Ursachen einer eingeschränkten Nierenfunktion sind vielfältig. Häufige Ursachen sind langjähriger Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder auch eine Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Es gibt allerdings noch weitere Faktoren, die eine CKD begünstigen: Dazu gehören immunologisch bedingte Nierenerkrankungen. Kathrin Eller und Katharina Artinger von der Med Uni Graz forschen seit Jahren an immunvermittelten Nierenerkrankungen. Dies sind Erkrankungen, bei denen das körpereigene Immunsystem Gewebe der Niere angreift, schädigt oder gar zerstört. Im Fokus einer Studie der Med Uni Graz stand das Gen ACKR1: Im Rahmen der Forschung wurde festgestellt, dass das Fehlen von ACKR1 dazu führt, dass die Entzündungen der Niere drastischer verlaufen. Außerdem kann es eine verschlechterte Nierenfunktion bewirken.

Hoher Blutdruck schädigt die Nieren

Einer der wichtigsten Faktoren für die Nierengesundheit ist der Blutdruck: Ein dauerhaft hoher Blutdruck kann das Organ schädigen und zu einer chronischen Nierenerkrankung führen. Besonders wenn noch weitere Risikofaktoren wie hohe Cholesterinwerte, Diabetes oder zusätzliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen bestehen, können die Nieren in Mitleidenschaft gezogen werden. Sport und körperliche Aktivität können dabei helfen, den Blutdruck und das Diabetesrisiko zu senken, und tun den Nieren auf Dauer etwas Gutes.

Auch eine ausgewogene Ernährung und möglichst wenig Salz schützen die Nieren: Maximal fünf bis sechs Gramm (etwa ein Teelöffel) Salz sollten es pro Tag sein. Außerdem brauchen die Nieren ausreichend Flüssigkeit: 1,5 bis 2 Liter sind ausreichend, eine übermäßige Flüssigkeitszufuhr kann die Nieren auch schädigen und den Elektrolythaushalt entgleiten lassen. Die unkontrollierte und dauerhafte Einnahme von Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Diclofenac kann sich ebenso schädlich auf die Nieren auswirken wie Rauchen.

Wichtig ist: Die Niere leidet „leise“. Meist entwickeln Patienten erst Symptome wie Wasser in den Beinen oder Übelkeit, wenn die Nierenfunktion bereits stark eingeschränkt ist. Empfohlen wird daher eine regelmäßige Kontrolle der Nierenwerte und der Eiweißausscheidung über den Harn (Albumin-Kreatinin-Ratio im Harn), gerade bei Menschen, die Risikofaktoren wie Hypertonie, Diabetes mellitus oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben.