Hat das Auto ein paar Jahre oder gar Jahrzehnte auf dem Buckel, fürchtet mancher Autobesitzer Jahr um Jahr wieder, ob es fürs Pickerl noch reicht. In Deutschland ist das nicht anders. Dort müssen alle Kraftfahrzeuge zum TÜV, um die erforderliche Zulassung zu bekommen. Umgangssprachlich fragt man sich im Nachbarland, ob das Gefährt „durch den TÜV kommt“. Ein 131 Jahre alter „Benz Victoria“ hat jüngst erneut sein Pickerl bekommen und ist damit Deutschlands ältestes, regulär für den Straßenverkehr zugelassenes Auto. Obwohl das Fahrzeug weder über Sicherheitsgurte noch Blinker oder Bremslichter verfügt.

Der „Benz Victoria“ trägt die Herstellernummer 99 und wurde 1894 von Carl Benz persönlich, so schreibt es „Bild“, an einen Geschäftsmann in Süddeutschland ausgeliefert. Der Wagen hat 6 PS, die Spitzengeschwindigkeit beträgt 30 km/h und zurechtkommen muss man mit nur zwei Gängen. Erworben hat den Oldtimer 2009 der Unternehmer Karl-Heinz Rehkopf und ergänzte mit dem Benz die 2500 Exponate umfassende Sammlung des von ihm gegründeten Oldtimer-Museums „PS.Speicher“.

Stand der aktuellen Technik nicht entscheidend

Doch wie kann ein so altes Auto, das über keinerlei heute erforderlicher Sicherheitsstandards verfügt, überhaupt noch „durch den TÜV kommen“? Entscheidend ist für das Pickerl, wann das Auto zum ersten Mal zugelassen wurde. Moderne Autos werden nach einem strengen technischen Prüfkatalog und dem aktuellen Stand der Technik getestet. Bei Oldtimern gelten eigene Regelungen. Wichtig ist vor allem der Erhaltungszustand des Fahrzeugs sowie der Stand der Sicherheitstechnik im Jahr der Zulassung.

Als der „Benz Victoria“ 1894 erstmals zugelassen wurde, gab es weder Sicherheitsgurte - in Deutschland und Österreich gilt die Gurtpflicht seit 1976 - noch Blinklichter oder Windschutzscheibe. Auch ein Abblend- oder Fernlicht sucht man vergeblich. Stattdessen hat das betagte Gefährt Kerzen in Messinglampen.

Ausfahrt nur unter bestimmten Bedingungen

Auch wenn das Gefährt auch dieses Jahr wieder erfolgreich sein Pickerl bekommen hat: Einfach so eine Ausfahrt kann Karl-Heinz Rehkopf (88) mit seinem Benz daher nicht machen. Regenwetter untersagt eine Spazierfahrt ebenso wie Dunkelheit. Und der Blinker wird mit einer Kelle zum Winken ersetzt. Wenn der TÜV alle zwei Jahre ansteht, übernimmt es der 88-Jährige höchst selbst, den Benz in die Werkstatt zu fahren. Natürlich im passenden, historischen Gewand.