Die katholische Welt bangt nach wie vor um Papst Franziskus. Mit umso mehr Spannung wird das abendliche „Bollettino“ zu seinem Gesundheitszustand erwartet. Einer der beiden Verfasser ist Professor Sergio Alfieri (58). Er ist die Koryphäe, die im römischen Gemelli-Klinikum die medizinisch-chirurgische Abteilung leitet und das Ärzteteam koordiniert, das den Papst versorgt. Der nicht uneitle Chirurg trat bei der Pressekonferenz in der Gemelli-Klinik eine Woche nach Einlieferung des Papstes im weißen Kittel vor die Weltpresse. Von ihm stammen die Sätze: „Ist der Papst außer Gefahr? Nein, er ist nicht außer Gefahr. Die Tür ist in beide Richtungen offen.“ Wert legte Alfieri auch auf die Wahrhaftigkeit seiner Mitteilungen an die Öffentlichkeit. „Der Heilige Vater wollte von Beginn an, dass wir die Wahrheit sagen“. 

Misstrauen gegen seine Ärzte

Doch der Papst hegt ein gewisses Misstrauen gegen seine Ärzte. Im Falle von Alfieri scheint dieser Instinkt nicht ganz unbegründet: Die Staatsanwaltschaft Rom hat Alfieri angeklagt, zwischen Mai 2022 und April 2023 Falschangaben zu von ihm durchgeführten Operationen gemacht und dafür abkassiert zu haben. Ein Patient zeigte den Professor an. Laut Ermittlern fand sich in 29 Fällen Alfieris Unterschrift im OP-Register des Krankenhauses, der Chirurg selbst war aber gar nicht vor Ort. Das ergaben Abgleiche mit Alfieris Smartphone. Auch die Daten seines Zugangs-Badges als Arzt deuteten auf Betrug hin. In einem Fall, einer von ihm nicht durchgeführten Operation, soll Alfieri 4000 Euro vom öffentlichen Gesundheitssystem kassiert haben. Darauf hätte er als federführender Operateur Anrecht gehabt – wenn er denn tatsächlich operiert hätte. Alfieri weist die Vorwürfe kategorisch zurück. Der Chirurg hatte auch Franziskus bereits zweimal unter dem Messer, bei den Divertikulitis-Operationen in den Jahren 2021 und 2023. 

Gesundheitszustand des Papstes stabil

Nachdem der an einer Lungenentzündung leidende Papst Franziskus am Montag erneut zwei Atemkrisen durchmachen musste, ist der Gesundheitszustand des Kirchenoberhaupts seither „stabil“. Am Mittwoch erlitt der 88-Jährige keine weiteren Atemkrisen, hieß es in einem Bulletin des Vatikans am Mittwochabend. Der Papst wurde einer Sauerstofftherapie unterzogen. In der Nacht auf Donnerstag soll die nicht-invasive mechanische Beatmung wieder aufgenommen werden.

Der Heilige Vater habe sich einer Atem-Physiotherapie unterzogen. Was die Prognose betrifft, sei weiterhin Zurückhaltung geboten. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche sei immer noch nicht außer Gefahr.

Papst hatte am Montag zwei Anfälle

Am Montag hatte der 88-Jährige zwei Fälle akuter Ateminsuffizienz erlitten, verursacht durch erhebliche Schleimansammlungen in der Lunge und Muskelkrämpfen im Bereich der Bronchien. Daraufhin wurden zwei Bronchoskopien durchgeführt, bei denen Sekret abgesaugt wurde.

Die Sorge um den Papst, der bereits am Freitag eine Atemkrise erlitten hatte, bleibt somit groß. Inzwischen liegt Franziskus seit 20 Tagen in der Gemelli-Klinik in Rom - so lange wie noch nie während seiner fast zwölfjährigen Amtszeit. Er wird in dem Krankenhaus wegen einer beidseitigen Lungenentzündung behandelt. In der Öffentlichkeit war er seit seiner Einlieferung nicht mehr zu sehen.

Kardinal vertritt Franziskus am Aschermittwoch

Bei der Eröffnungsmesse der Fastenzeit am Nachmittag des heutigen Aschermittwoch auf dem Hügel Aventin in Rom wurde der Papst von Kardinal Angelo De Donatis vertreten. Der Heilige Vater wird außerdem nicht an den jährlichen Besinnungstagen zur Fastenzeit im Vatikan teilnehmen. Die sogenannten Fastenexerzitien der römischen Kurie vom 9. bis 14. März finden jedoch „in spiritueller Gemeinschaft“ mit dem erkrankten Papst statt, wie der Vatikan am Dienstag mitteilte. Geleitet werden die Meditationen von dem italienischen Kapuzinerpater Roberto Pasolini, seit November „Prediger des Päpstlichen Hauses“. Der Titel der Exerzitien in der vatikanischen Audienzhalle lautet „Die Hoffnung des Ewigen Lebens“.

Inzwischen beten die Gläubigen weiter für den kranken Papst. Zum zehnten Abend in Folge versammelten sich Menschen am Mittwochabend auf dem Petersplatz, um für Franziskus den Rosenkranz zu beten. Der Andacht steht jeden Abend ein anderer hochrangiger Kirchenmann vor.