Dass die Briten zu liebenswerten Schrullen neigen, dürfte jedem, der das Land regelmäßig besucht, aufgefallen sein: Das gilt nicht zuletzt auch für das tierische Personal im Umkreis von Regierungsämtern. Kater Larry ist seit bald 14 Jahren oberster Mäusefänger im Amtssitz des britischen Ministerpräsidenten – und teilt sich Downing Street 10 mit einer sibirischen Katze der Familie von Premierminister Keir Starmer.
Von 2016 bis 2020 in London im Dienst
Doch es gibt auch den 2014 geborenen Palmerston, benannt offenbar nach Lord Palmerston, einem britischen Premierminister und Staatsmann im 19. Jahrhundert. Die schwarz-weiße Katze, die als „Chief Mouser“ des „Foreign, Commonwealth and Development Office (FCDO)“ bekannt wurde. Von 2016 bis 2020 war die Tierheimkatze, die aus dem renommierten Battersea Dogs & Cats Home in London geholt worden war, im offiziellen Einsatz. Er erlebte einst Boris Johnson als Außenminister – nun wurde aus der schon angetretenen Pension geholt und ist 5600 Kilometer von London entfernt auf den Bermudas offiziell als „feline relations consultant“ („Berater für Beziehungen zu Katzen“) im Einsatz (siehe Bild).
Die ehemalige Hauskatze des Außenministeriums wurde dafür neu „angelobt“ und ist natürlich auf Social Media präsent – auf X (twitter.com/DiploMog) kommt er auf fast 102.000 Follower. Über das offizielle Flickr-Konto des FCDO ließ man wissen, Palmerston sei durch „Diplomatie und eine perfekte (purr-fect) Aufgabe“ beim neuen Gouverneur von Bermuda, Andrew Murdoch, „aus dem Ruhestand gelockt“ worden. Sein „erster Katzendiplomat“ sei zur Hälfte aktiv und im Ruhestand – werde demgemäß „nur an jenen Treffen teilnehmen, die er selbst für wichtig hält, bei Bedarf Ratschläge geben und sich außerdem wohlverdiente Nickerchen gönnen“. Fair!
Bedarf für Abstimmung mit London gibt es: Bermuda ist ein britisches Überseegebiet im Atlantik. Als Überbleibsel des Kolonialismus stellte es sich anno 1995 einem Referendum über seine Unabhängigkeit, damals stimmten beinahe 74 Prozent dagegen. Der Wunsch, die imperiale Vergangenheit zurückzulassen, wog offenbar nicht so stark wie Vorteile, die man über das Vereinigte Königreich hat. Seinen Ruf als Steueroase und Refugium für Geldwäscher haftet der aus 360 Eilanden bestehenden Inselgruppe seit jeher an. Ein US-Wirtschaftsforscher spottete einst über „irgendeinen Zipfel Land, der bei Ebbe hervorragt und keine Steuern benötigt“ – allerdings, so viel Ordnung muss sein, erhebt sich die 53,6 Quadratkilometer kleine Kronkolonie bis zu 79 Meter über den Meeresspiegel.
Das Gebiet ist weitgehend autonom, einige Bereiche – insbesondere die Außen- und Verteidigungspolitik – werden aber direkt von der Regierung in London entschieden. Es gibt also relativ wenige Anzeichen dafür, dass Bermuda nicht auch weiter in den Händen des Vereinigten Königreichs verbleiben wird – und das trotz allerspätestens nach dem Tod von Königin Elizabeth II. spürbar dahinbröckelnden Commonwealth.
Schaukämpfe mit „Chief Mouser“ Larry
Palmerston kann auf den Bermudas jedenfalls ein Leben ohne Larry genießen, mit dem es Berichten zufolge in London immer wieder zu Reibereien (siehe Bild oben) kam: Vor seinem Rücktritt trug er Kämpfe mit dem Chief Mouser in Downing Street 10 aus, die britischen Tabloids wussten von einem Revierkampf zwischen Larry und Palmerston zu berichten, aus dem Larry am Ende zwar siegreich, aber humpelnd, am Ohr verletzt und ohne Halsband hervorging.
Die britische Öffentlichkeit schenkt der Katze seit vielen Jahren einige Aufmerksamkeit – auf Fotos macht Palmerston seit jeher einen entschlossenen Eindruck. Und Pension ist ohnehin nichts für alle. Bereits im Pandemiejahr 2020, als er sich aufs Land zurückzog, legte er großen Wert darauf, dort bloß „im Home Office“ zu sein.