Als die 27-jährige Faziirah Kabahinda von ihrer Jugend erzählt, bricht sie in Tränen aus. Sie wuchs in einer ländlichen Region in Uganda auf, bis sie 14 Jahre alt war, ging sie zur Schule. „Dann sagte mir meine Mutter, dass ich selbst für mich sorgen muss“, berichtet sie. Sie ging in dem jungen Alter in die Hauptstadt Kampala. „Ich habe alles versucht und für ein besseres Leben gekämpft“, sagt sie und kämpft dabei mit ihrer Stimme. „Und jetzt bin ich hier gelandet.“

Hier gelandet bedeutet: Faziirah Kabahinda lebt in einem Armenviertel in Kampala. Die Straßen bestehen aus rotem Erdreich, sind voller Gräben und Löcher, in denen Pfützen stehen. Ziegen laufen herum, knabbern an den Grasbüscheln. Wellblechhütten säumen die Straße, in Holzhütten werden Eier, Mangos und Getränke verkauft, dazwischen stehen ein paar gemauerte Häuschen.

In so einem Häuschen lebt Kabahinda mit ihrem Mann, einem Essenausträger, und zwei Kindern - in einem einzigen Zimmer. Am Schoß von Kabanhinda sitzt ihre jüngere Tochter Elysh und blickt sich mit großen Augen um. Die ersten Monate nach der Geburt hielt die Einjährige die Augen noch geschlossen, wenn sie mit Licht in Kontakt kam. „Außerdem waren die Augen so blau verfärbt“, erzählt die Mutter.

Die Mutter wusste nicht, was los war mit ihrem Kind. Sie ging in das nächste Krankenhaus, ein privates. Dort hätte allein schon die Diagnose 40 Dollar gekostet. Kabahinda kehrte wieder um. „Ich konnte mir die Behandlung ja ohnehin nicht leisten.“

Was sie lange Zeit nicht wusste: Dass sie im Mulago-Spital, dem öffentlichen Krankenhaus von Kampala, eine kostenlose Behandlung erhalten konnte. Als sie schließlich doch dort landete, wurde bei Elysh Glaukom diagnostiziert, auch bekannt als Grüner Star. Am Tag nach der Diagnose wurde Elysh an dem einen, zwei Wochen später an dem anderen Auge operiert.

Ermöglicht hat dies auch „Licht für die Welt“. Die NGO unterstützt das Krankenhaus mit Operationsgeräten und kommt für die Spezialisierung von Gesundheitspersonal auf. So finanzierte „Licht für die Welt“ der Ärztin Rebecca Lusobya eine Spezialisierung auf Kinderaugenheilkunde. Lusobya ist damit eine von lediglich 7 Kinderaugenärztinnen in dem ostafrikanischen Land, das zu einem der ärmsten der Welt zählt.  

Die 40-jährige Ärztin hat auch Elysh operiert, sitzt nun neben Kind und Mutter. „Glaukom kann man nicht durch Medikamente heilen“, erklärt die Medizinerin. „Es muss operiert werden. Kinder benötigen oft nach ein paar Jahren auch noch eine zweite Operation und müssen Brillen tragen. Es ist eine sehr komplizierte Behandlung.“

Frühe Entdeckung besonders wichtig

Beim Grauen Star, bei dem ebenfalls die Sicht vor den Augen verschwimmt, ist die Behandlung zwar einfacher, aber auch er muss operiert werden. Er tritt zwar zumeist erst im Alter auf, betrifft aber auch Jugendliche und Kinder. „Und gerade bei ihnen ist entscheidend, dass Starerkrankungen früh entdeckt werden“, betont Lusobya. Nicht nur erhöht sich durch eine schnelle Behandlung die Chance auf eine erfolgreiche Heilung. Kinder und Jugendliche schleudert es zudem nicht so sehr aus dem Leben. Wenn sie nämlich ihre Umwelt nicht wahrnehmen können, dann lernen Kleinkinder nur sehr schwer grundlegende Fähigkeiten wie stehen oder gehen. Ältere Kinder brechen die Schule ab, weil sie im Unterricht nicht mitkommen und verlieren so ihre Lebenschancen.

Bei dem 17-jährigen Chrizestum Sseruma hat es sehr lange gebraucht, bis der Graue Star erkannt wurde. Es dauerte bis zur Nacht, in der seine Mutter Teopista Nakinumbi fürchtete, dass er sterben würde. Sie lebt mit ihren drei Kindern in einem dunklen kleinen Haus in Kampala mit gerade einmal einem kleinen Fenster. Ein klappriges Bett, eine Plastikschüssel, in der Wäsche liegt: Das ist die gesamte Einrichtung. Ihr Mann hat sie verlassen.

Nakinumbi blickt immer wieder zu dem Boden, unterbricht die Erzählung über die Krankengeschichte ihres Sohnes, der neben ihr steht. „Eines Nachts war ihm schwindelig, dann war er plötzlich ohnmächtig. Ich hatte große Angst.“

Schnell brachte sie ihn ins nächste Spital. Dort wurde Diabetes diagnostiziert. Das  war auch der Grund, warum Chrizestum die Bilder vor den Augen verschwommen waren: Die Zuckerkrankheit hat den Grauen Star ausgelöst.

Der Starpatient Chrizestum Sseruma mit seiner Mutter

Nun ist er an einem Auge operiert. Auf die Operation des zweiten Auges muss er warten, weil im Mulago-Spital das Operationsgerät nicht funktioniert. Die Wartung ist Angelegenheit der Krankenhausverwaltung, doch dieser fehlen die Mittel.

Hochfliegende Träume

Die Ärztin Lusobya, die für ihre Patienten kämpft, überlegt daher, den Burschen in ein Provinzspital zu transferieren, wo Operationen noch möglich sind. Licht für die Welt würde für die Fahrtkosten aufkommen, die sich die Familie sonst unmöglich leisten könnte.

Chrizestum möchte wieder zur Schule gehen. „Mein Traum ist es, Pilot zu werden“, sagt er schüchtern. Das liegt für ihn so fern wie die Flugzeuge, die am Himmel vorbeifliegen. Doch vielleicht kann er bald operiert werden, vielleicht kann er wenigstens wieder zur Schule gehen, um eine Chance auf eine Zukunft zu haben, die ihn aus der Armut herausführt.