Elektromobilität hat mittlerweile viele Facetten. Neben E-Bikes, Elektroautos oder E-Scootern erleben E-Mopeds gerade im urbanen Bereich einen regelrechten Höhenflug. "Das Interesse an den Stadt-Flitzern unterschiedlichster Ausführung und Leistungsstärke ist groß", weiß ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl. Aus diesem Grund hat der Mobilitätsclub sechs in Österreich erhältliche E-Roller genau unter die Lupe genommen.

Gemeinsam mit seinen Partnerclubs hat er sie auf Alltagstauglichkeit, Ergonomie, Antrieb und Fahreigenschaften getestet. "Dabei haben sich neben dem Preis – die getesteten Roller kosten zwischen 4599 und 6990 Euro – unter anderem auch wesentliche Unterschiede in Bezug auf Licht, Ladezeit, Akku sowie Reichweite gezeigt", fasst Kerbl zusammen.

Das Testergebnis hat in erster Linie eines gezeigt: Qualität hat ihren Preis. "Die drei teuersten Roller landen auf den ersten drei Plätzen", berichtet Kerbl. "Auch wenn es in der Bewertung nicht für ein 'Sehr gut' gereicht hat, so kommen sie diesem mitunter schon recht nahe."

Erst jetzt getestet haben die Experten den in China produzierten Futura Robo-S, bei dem es Lieferschwierigkeiten gab. ÖAMTC-Techniker Markus Kaiser fasst zusammen: "Der Futura Robo-S reiht sich mit einer Gesamtnote von 2,7 im Mittelfeld ein. Er punktet mit Details wie einem Fingerscanner, einer Rücklehne für Mitfahrende und der Option, Wartung und Reparatur zu Hause durchführen zu lassen." Ergänzt wird der gute Eindruck durch die ordentliche Verarbeitung, das geringe Gewicht und praktische Staufächer. Gut funktionieren auch die Bremsen, denen aber leider ein Antiblockiersystem fehlt.

Nicht ausschließlich positiv schneidet der Futura Robo-S in Sachen Antrieb ab: Geringem Stromverbrauch, kurzen Ladezeiten und der Möglichkeit, die Akkus zum Laden zu entnehmen, stehen eine fehlende Reichweitenanzeige und die schlechte Dosierbarkeit des Motors gegenüber. "Letzteres ist dem Hersteller bekannt, der seit November 2020 einen neuen 'Gasgriff' mit besserer Handhabung verbaut", erklärt Kaiser.

Der Futura Robo-S Robo-S wurde nachgetestet
© Uwe Rattay

Ein weiterer Kritikpunkt: Die Höchstgeschwindigkeit, vom Hersteller mit 80 km/h angegeben, fällt mit sinkendem Akkustand kontinuierlich ab. Wer öfter zu zweit unterwegs ist, sollte im Übrigen die Zuladung im Auge behalten: 147 Kilogramm ist das Maximum, das relativ schnell überschritten wird.

Alles in allem ist der Futura Robo-S aus Sicht des ÖAMTC-Experten "empfehlenswert" – vor allem für diejenigen, die nicht ganz so viel Geld ausgeben können oder wollen: "Der Anschaffungspreis ist mit rund 3.700 Euro vergleichsweise günstig. Dass der Roller in Sachen Qualität und Ausstattung dennoch mit etablierten Modellen mithalten kann, ist eine positive Überraschung." Achtung: Um mit diesem E-Roller (und den anderen Modellen aus dem 2020er-Test des ÖAMTC) zu fahren, benötigt man entweder einen Führerschein der Klasse A oder der Klasse B mit dem Code 111.

Dennoch: Das beste Gesamtpaket im Test bietet der "Silence S01". "Der Newcomer aus Spanien hat die etablierte Konkurrenz in vielen Bereichen alt aussehen lassen", so der ÖAMTC-Tester. "Sein größter Trumpf ist mit Sicherheit der Akku, der sich trotz großer Speicherkapazität und hohem Gewicht bequem transportieren lässt." Aber auch sonst besticht er durch durchdachte Details, wie einem großen Staufach, in dem sogar zwei Helme Platz finden.

 

Auf den Plätzen zwei und drei rangieren "Govecs Schwalbe 90" und die neue "Vespa Elettrica 70". "Die Schwalbe überzeugt mit dem kraftvollsten Motor, kurzen Ladezeiten, guter Verarbeitung und den ausgewogenen Fahreigenschaften", fasst Kerbl zusammen. "Bei Reichweite und Staumöglichkeiten hat sie allerdings noch viel Luft nach oben. Darüber hinaus macht das hohe Gewicht Rangieren zur Schwerstarbeit."

Die Vespa wiederum bietet handliche Fahreigenschaften und tollen Komfort. "Die jahrzehntelange Erfahrung der italienischen Rollerschmiede merkt man vor allem beim Fahrwerk, das den besten Kompromiss aus Agilität und Komfort bietet", erläutert der ÖAMTC-Experte. "Allerdings bleibt der Fahrspaß durch die mit Abstand schlechtesten Fahrleistungen im Test leider auf der Strecke."

Platz vier geht an den "Niu NQi GT". Der Roller aus China punktet mit der besten Fahrzeug-App, guter Reichweite sowie einem attraktiven Preis. "Dass der Niu am Ende nicht besser abschneidet, liegt neben der langen Ladedauer auch an der für große Personen unbequemen Sitzposition", erklärt Kerbl die Gründe für den vierten Platz.

Die rote Laterne im aktuellen Test hat der "Trinity Uranus R". Auch wenn der Roller mit einem geringen Fahrzeuggewicht, hoher Zuladung sowie dem geringsten Stromverbrauch im Test glänzt, kosten ihn vor allem die langen Ladezeiten und die schwache Scheinwerferausleuchtung eine bessere Platzierung.

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