Gute FrageKann man heutzutage den Kilometerstand noch manipulieren?

Eigentlich gilt seit Jahren eine EU-Verordnung, wonach der Kilometerstand des Autos vor Manipulation geschützt werden muss. Dabei ist es heute leichter als je zuvor.

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© imago images/wacharaklin (wacharaklin via www.imago-images)
 

Nein, es wird heute nicht mehr mit der Bohrmaschine gemacht. Statt schwieriger ist es heute sogar noch einfacher, den Kilometerstand bei einem Auto nach unten zu schrauben. Der ADAC hat die Probe aufs Exempel gemacht und stichprobenartig drei Autos mit einem frei erhältlichen Gerät manipuliert: ein Ford Kuga von 2019, ein Opel Grandland X von 2020 und ein Peugeot 208 von 2019.

Das Ergebnis: Der Kilometerstand konnte meist nach wenigen Minuten beliebig verfälscht werden. Bei zwei der drei untersuchten Autos reichte es, das Manipulations-Gerät an die Onboard-Diagnosebuchse anzustecken. Beim Opel musste das Gerät zusätzlich auch am Tacho fixiert werden.

Für mehr als 170 weitere Modelle ab 2019 gibt es ebenfalls passende Menüpunkte in den Manipulationsgeräten, wie der ADAC auf den frei zugänglichen Seiten der Gerätehersteller recherchiert hat. Und das, obwohl seit 2017 für neue Fahrzeugmodelle und seit 2018 auch für alle Neuwagen eine EU-Verordnung gilt, wonach der Kilometerstand im Auto systematisch geschützt werden muss.

Für die Manipulation von Tachos werden handliche, leicht bedienbare Geräte verwendet, die im Handel legal erhältlich sind. Mit deren Software kann bei der Mehrzahl der Fahrzeuge der Kilometerstand ohne Ausbau des Tachos oder anderer Teile beliebig verstellen.

Woran man Tachomanipulation erkennen kann

Die meisten Werkstätten und Kfz-Sachverständigen können eine professionell durchgeführte Tachomanipulation nicht aufdecken.

Gebrauchtwagenkäufer sollten daher vor dem Kauf Unstimmigkeiten ausschließen: Reparaturrechnungen, §57a-Überprüfungen, aber auch Ölwechsel-Aufkleber bzw. -Anhänger können Hinweise darauf geben, ob ein Kilometerstand plausibel ist.

Hinweise auf einen Manipulierten Tachostand kann auch das Auslesen des Fehler- und Wartungsintervall-Speichers im Auto geben.

Eine weitere Möglichkeit ist, den Vorbesitzer zu kontaktieren, der im Zulassungsschein angegeben ist und sich nach dem damaligen Kilometerstand zu erkundigen.

Auch ein Indiz für eine deutlich höhere Laufleistung als angegeben können ein stark abgenutzter Innenraum oder verschlissene Pedale sein.

 

Die meisten Opfer von Tachomanipulation sind private Gebrauchtwagenkäufer. Ihr Schaden geht oft über den überhöhten Kaufpreis hinaus, etwa wenn ein falscher Tachostand dem Besitzer vorgaukelt, dass ein vom Hersteller empfohlener Austausch eines Fahrzeugteils noch Zeit hat. Beispiel: Wenn ein Zahnriemen wegen des nicht erkannten Überschreitens des Wechselintervalls reißt, kann dies zu einem mehrere tausend Euro teuren Motorschaden führen.

Die Änderung des Kilometerstandes wird übrigens nicht nur kurz vor dem Verkauf eines Gebrauchtwagens vorgenommen, sondern häufig auch während der Nutzung des Autos, zum Beispiel bei Leasingfahrzeugen. So können die falschen Daten in der Fahrzeughistorie der Hersteller-Werkstatt eingetragen werden und weniger Laufleistung vortäuschen.

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