Gute FrageKann man bei einem Hybridauto selbst Starthilfe geben?

Umso jünger ein Auto ist, desto mehr Elektronik hat es an Bord. Kann man sich da noch trauen, selbst Starthilfe zu geben?

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© Kostia/stock.adobe.com
 

Wir kennen es alle. Und es kann uns bald wieder alle erwischen: Man kratzt morgens im Dunkeln das Eis von der Windschutzscheibe, steigt fröstelnd in sein Auto ein, freut sich auf den ersten warmen Luftstrom der Heizung, drückt auf den Startknopf – und es passiert nichts. Die Batterie ist leer.

Die meisten greifen in diesem Fall zum Handy und wählen die Nummer des Pannendiensts ihres Vertrauens, aber andere schreiten mit Starterkabeln zur Selbsthilfe. „Wer das tut, sollte sich bewusst sein, dass Fehler zu schweren Schäden an der Elektronik führen können“, weiß ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl. Seit den 1990ern hat zunehmend Elektronik in Autos Einzug gehalten, heute sind sie quasi rollende Computer.

So werden die Kabel korrekt angebracht Foto © ADAC

Doch ganz egal ob normaler Verbrennungsmotor, Hybrid oder Plug-in-Hybrid – sie alle haben eine Starterbatterie und ein 12-Volt-Bordnetz. „Wer korrekt vorgeht, der kann nach dem bekannten Schema (siehe Infokasten) bis heute jedem Auto Starthilfe geben“, sagt Kerbl. Legt aber, um sich über etwaige Spezifika des eigenen Pkw zu informieren, einen Blick in die Betriebsanleitung ans Herz.

Starthilfe geben in acht Schritten

  1. Spannung prüfen: Es ist wichtig, dass die Nennspannung der Batterien (in der Regel 12 Volt) in Spender- und Empfängerfahrzeug gleich sind.
  2. Abstand halten: Die Autos dürfen einander nicht berühren.
  3. Ausschalten: Der Motor und alle Verbraucher im Spenderfahrzeug (z.B. Licht) müssen ausgeschaltet sein.
  4. Sicher: Die Starthilfekabel sollten einen Überspannungsschutz haben und der DIN-Norm 72553 entsprechen.
  5. Verbinden: Das rote Starthilfekabel an den Pluspol der entladenen Batterie, das andere Ende an den Pluspol der Spenderbatterie klemmen. Danach das schwarze Kabel mit dem Minuspol der Spenderbatterie, dann mit einem unlackierten Metallteil oder dem Motorblock im Pannen-Auto verbinden. Wichtig: Den Minuspol der leeren Batterie nie mit dem Kabel berühren! Wenn das passiert, könnte sich durch Funkenflug Knallgas entzünden.
  6. Starten: Zuerst den Motor des Spenderfahrzeugs starten, dann den des Fahrzeuges mit der leeren Batterie. Dazu im Empfänger-Pkw einen starken Verbraucher (z. B. Heckscheibenheizung oder die Hauptscheinwerfer) einschalten. Die Verbindung zwischen den Autos eine halbe Minute lang aufrecht lassen.
  7. Trennen: Dann kann man den Motor den Spender-Kfz abdrehen. Läuft der Motor des anderen Autos problemlos weiter, kann man die Kabel in umgekehrter Reihenfolge wieder entfernen.
  8. Absterben: Stirbt der Motor des Autos mit der vermeintlich leeren Batterie ab, sobald man ihn von der externen Stromversorgung trennt, sollte man keinen zweiten Versuch unternehmen. Dann sind höchstwahrscheinlich der Akku oder die Lichtmaschine defekt.

Wer auf Nummer sicher gehen und keine Elektronikschäden riskieren möchte, der setzt auf Starthilfegeräte. Diese mobilen und leistungsfähigen Akkupacks aus dem Fachhandel haben eine ganze Reihe von Vorteilen: Man braucht kein Spenderfahrzeug und kann auch an schlecht zugänglichen Stellen Starthilfe geben. „Aber vor allem können diese Geräte keine so große Spannung erzeugen, als dass bei sachgemäßer Anwendung die Elektronik Schaden nehmen könnte“, sagt Kerbl.

Aber egal ob der Pannenfahrer, die Starthilfekabel oder ein Starthilfegerät der Batterie den zündenden Lebensfunken einhaucht: Wenn der Motor läuft, heißt es fahren – und zwar gar nicht wenig. „Damit man das Auto wieder zuverlässig starten kann, muss man mindestens eine halbe Stunde überland unterwegs sein. Besser 45 Minuten bis eine Stunde“, sagt Kerbl. Als Faustregel gilt: Damit ein Akku zu 80 Prozent geladen ist, müsste man von Graz nach Wien fahren.

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Danke für Ihr Verständnis.

fwf
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Halbe Wahrheit

Die Empfehlung, mindestens 45 Minuten zu fahren stimmt bei tiefentladener Batterie und vielen Fahrzeugen nicht, denn die Bordspannung reicht hier nur bei mindesten ca. 30% Restladung der Batterie aus, um diese auch zu laden. Betriebsanleitung lesen bewahrt vor unangenehmen Überraschungen !

kropfrob
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Und wo ist die Antwort ...

... auf die im Titel gestellte Frage: "Kann man bei einem Hybridauto selbst Starthilfe geben?"?

feringo
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Frage zu Punkt


6. Starten: ... Dazu im Empfänger-Pkw einen starken Verbraucher (z. B. Heckscheibenheizung oder die Hauptscheinwerfer) einschalten.

Welchen Vorteil hat das Einschalten eines starken Verbrauchers?

Carlo62
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Es verhindert die (recht unwahrscheinliche) Möglichkeit,

dass durch die Parallelschaltung von dann zwei laufenden Lichtmaschinen Spannungsspitzen auftreten können, durch welche die Bordelektronik Schaden nehmen könnte.

feringo
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@Carlo62 : 2 Generatoren parallel

O.K. Herzlichen Dank! Das ist verständlich. Ich werde mir das sicher merken.