14 Automarken unter einem DachWie Carlos Tavares den Megakonzern Stellantis aufstellen will

Der Stellantis-Konzern stellt 14 Automarken neu auf. Von den französischen Vertretern mit Peugeot und Citroën bis zu Opel, Fiat, Alfa Romeo und Maserati: die Hintergründe.

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© APA/AFP/ERIC FEFERBERG (ERIC FEFERBERG)
 

Es war eine Stunde der Wahrheit, die gemeinsame Bilanz eines neuen, im Vorjahr entstandenen Autogiganten. Analysten sollten die Bilanz später als „solide“ bezeichnen. Für einen Konzern aus der Retorte, der 14 Marken – Fiat, Abarth, Peugeot, Citroën, Jeep, Maserati, Alfa Romeo, Opel etc. – sowie unterschiedliche Denkweisen aus Frankreich, Italien, den USA vereint, kein schlechter Anfang. Vor allem in Coronazeiten.

Stellantis, so der Name der Fusion des italienisch-amerikanischen Herstellers Fiat Chrysler mit der französischen PSA-Gruppe, setzte im ersten Quartal 14 Prozent mehr um als vor Jahresfrist, die Erlöse lagen mit 37 Milliarden Euro höher als erwartet. Der Konzern verkaufte rund 1,48 Millionen Fahrzeuge. In Österreich meldete Stellantis im ersten Quartal 2021 ein Wachstum von 22,1 Prozent gegenüber 2021.

Dabei konnte Stellantis 190.000 Fahrzeuge – aufgrund des Chipmangels, der die Autobranche betrifft – gar nicht bauen. Im Zeitraum von April bis Ende Juni befürchtet man sogar weitere Konsequenzen, eine Verbesserung der Lage bei den Halbleitern wird erst im zweiten Halbjahr erwartet.

Der nunmehr viertgrößte Autohersteller der Welt wird sich ob solcher Probleme aber bei der Umsetzung der Megafusion nicht bremsen lassen. Man beschreitet einen Weg, der vorgezeichnet ist: teile und herrsche. Sprich, gemeinsame Plattformen, gemeinsame Technik, gemeinsamer Einkauf – und Kostenreduktion.

Modellvorstellung: Citroën C4

Der Citroën C4 ist kaum wiederzuerkennen: Der Franzose ist mit der Neuauflage nämlich vom klassischen Fünftürer zu einem feschen Crossover mutiert, dessen Karosserie höher gesetzt ist.

CITROEN

Mit einer Länge von 4,36 Metern überragt er den C4 Cactus um ganze 19 Zentimeter, in der Breite misst er 1,8 und in der Höhe 1,53 Meter. Der Radstand streckt sich auf 2,67 Meter, weshalb sich hinter den Passagieren auch ein Kofferraumvolumen von 380 Litern ausgeht.

CITROEN

Wie im PSA-Konzern gerade en vogue, wird der C4 analog zu Peugeots 208 und 2008 oder dem Opel Corsa und Mokka so ziemlich alles zur Fortbewegung nutzen, was derzeit möglich ist. Bedeutet: Es wird ihn als Benziner (100/130/155 PS), Diesel (110/130 PS), aber auch rein elektrisch geben.

CITROEN

Der Stromableger wird unter dem Namen ë-C4 firmieren und hat eine maximale Leistung von 100 kW (136 PS) und ein Drehmoment von bis zu 260 Newtonmetern.

CITROEN

Die 50-kWh-Batterie im Unterboden soll für einen Aktionsradius von bis zu 350 Kilometern gemessen nach dem WLTP-Zyklus gut sein. Damit ist der Citroën von 0 auf 100 km/h 9,7 Sekunden und insgesamt 150 km/h schnell.

CITROEN

Was fest steht ist, dass im Zeichen des Doppelwinkels der Komfort wieder großgeschrieben wird: So wird der C4 mit der „Advanced Comfort“-Federung, also einer Federung mit progressivem hydraulischem Anschlag zu haben sein. Eine Lösung, die schon im C4 Cactus und im C5 Aircross überzeugt hat. Vor allem in Relation zum Preis.

CITROEN

Im aufgeräumten Innenraum fällt der Blick zuerst auf das große, frei stehende Display auf dem Armaturenbrett. Wer es wohnlicher will, der kann die Komfortsitze oder das Panorama-Glasdach ankreuzen.

CITROEN

In der Mitte des Cockpits prangt der 10-Zoll-Touchscreen, über den sämtliche Fahrzeugparameter, Media-Funktionen, das Telefon, die Klimaanlage und die Navigation gesteuert werden.  

CITROEN

Insgesamt finden sich im Auto 16 Staufächer mit einem Gesamtvolumen von 39 Litern, darunter eine Schublade am Armaturenbrett, eine Konsole mit beweglicher Ablage oder eine versenkbare Halterung für Tablets.

CITROEN
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Bei Peugeot, Citroën und DS ist man auf Schiene, deren Plattformen und Technikvorgaben werden daher die anderen Marken fluten. Der frühere PSA-Chef und jetzige Stellantis-Lenker Carlos Tavares – gemeinsam mit Agnelli-Enkel John Elkann Mastermind hinter der Fusion – legt sein Restrukturierungsmuster über den Konzern. Das bedeutet: Konzentration auf Kernsegmente, jedes Modell steht auf dem Prüfstand, verbunden mit einer wirtschaftlichen Rosskur, um in die Gewinnzone zu kommen.

Wie das ablaufen wird, dafür liefert Opel seit der Eingliederung in den alten PSA-Konzern eine Blaupause. Die einstige deutsche Kultmarke wurde zuerst ausgedünnt, Modelle wurden gestrichen, aber jetzt sieht man klarer.

Modellvorstellung: Opel Mokka

Einreihen wird sich der neue Opel Mokka größentechnisch unterhalb seiner SUV-Brüder Crossland X (4212 mm Länge) und Grandland X (4477 mm), aber er ist mit seinen 4,15 Metern sogar kleiner als der Vorgänger – und zwar um ganze 12,5 Zentimeter. Weil die Überhänge wegrationalisiert wurden, liegen sie beim Radstand dennoch bis auf zwei Millimeter gleich auf.

OPEL

Das Ladevolumen liegt bei 350 Litern. Im Vergleich zum ausgelaufenen Modell bringt er bis zu 120 Kilogramm weniger auf die Waage. Wenn man nicht gerade die Elektroversion wählt.

OPEL

Wie im PSA-Konzern derzeit üblich, wird es den Mokka wie auch den Opel Corsa, Peugeot 208 und dessen SUV-Bruder 2008 oder den DS3 Crossback sowohl rein elektrisch als auch mit Benziner und Diesel geben.

OPEL

Als Mokka-e spult der Elektromotor maximal 100 kW (136 PS) und 260 Newtonmeter Drehmoment ab, während die 50-kWh-Batterie laut WLTP-Zyklus für eine Reichweite von bis zu 322 Kilometern gut ist. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 150 km/h begrenzt.

OPEL

Was das Laden angeht, verdaut der Mokka alles von der Haushaltssteckdose bis zur 100-kW-Gleichstrom-Säule, vom einphasigen bis zum dreiphasigen Laden mit 11 kW. Beim Mokka hat Elektro Vorrang, die Daten zu den Verbrennungsmotoren werden nachgereicht.

OPEL

In Sachen Design wird der Mokka als erstes Modell das neue Opel-Gesicht ausführen, das die Rüsselsheimer „Vizor“ nennen. Und das wird dem einen oder anderen bekannt vorkommen, denn dafür stand unverkennbar der Manta A Pate.

OPEL

Innerhalb einer schlanken Chromspange sind vor schwarzem Hintergrund die serienmäßigen LED-Schweinwerfer (übrigens auch am Heck) und das Logo mit dem Blitz positioniert. Ankreuzen kann man auch das adaptive Matrix-Licht, das bei Fernlicht den Gegenverkehr automatisch ausblendet.

OPEL

Im Cockpit prangt das sogenannte „Pure Panel“ – also großflächige Breitband-Displays, die nahtlos in das Armaturenbrett integriert sind und für ein Minimum an Knöpfen sorgen. Der Bildschirm vor dem Fahrer misst bis zu 12, der mittige bis zu zehn Zoll. Aber: Die wichtigsten Funktionen lassen sich nach wie vor über Bedientasten steuern. Die Apple CarPlay als auch Android Auto kompatiblen Multimedia-Systeme verfügen über eine integrierte Sprachsteuerung.

OPEL

Das kompakte SUV kann mit dem elektronischen Helfern für das automatische Geschwindigkeitshalten inklusive Stop-und-Go-Funktion, dem Spurhalten oder einer 180-Grad-Panorama- Rückfahrkamera ausgestattet werden.

OPEL
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Bei der Entwicklung ist man auf Konzernebene auf Vierzylinder und Brennstoffzelle fokussiert, freilich unter französischer Obhut. Aber: Ab Herbst wird man die ersten mit Wasserstoff betriebenen Nutzfahrzeuge ausliefern. In Kaiserslautern will Opel mit Partnern außerdem ein Batteriewerk aufbauen.

Was auch in Österreich interessieren dürfte. Das Getriebewerk für Verbrennermotoren in Aspern wird angesichts der fortschreitenden Elektrifizierung (Stellantis plant neue Elektroplattformen mit Reichweiten bis zu 800 Kilometern) wohl nicht auf Dauer zu halten sein. Ein Batteriewerk wäre eine Alternative.

Modellvorstellung: Fiat 500

Wenn ein Auto die Elektromobilität zur Herzensangelegenheit machen kann, dann der der neue Fiat 500. Man schaue sich nur den Augenaufschlag der traditionell runden Glubsch-Scheinwerfer an.

FIAT

Ja, richtig gelesen, nach 13 Jahren stellen die Italiener als Ablöse die dritte Generation in die Auslage – und zwar ausschließlich mit Batterieantrieb. Mit Verbrennungsmotor und der neuen Hybridversion bleibt die alte Version weiter im Programm.

FIAT

Die von der EU vorgeschriebene akustische Warnung im niedrigen Geschwindigkeitsbereich ist nicht einfach ein Geräusch, sondern die Titelmelodie aus Federico Fellinis Film „Amarcord“.

FIAT

Für seine Metamorphose zum Stromer steht der 500er auf einer ganz neuen Plattform und ist leicht gewachsen, bleibt aber unter der 4-Meter-Marke: Die Karosserie ist jeweils sechs Zentimeter breiter und länger geworden, der Radstand streckt sich um zwei Zentimeter.

FIAT

Denn irgendwo muss er ja Platz finden, der Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von 42 kWh, der für eine Reichweite von bis zu 320 Kilometern (gemessen nach dem strengeren WLTP-Zyklus) gut sein soll. Der Elektromotor leistet bis zu 87 kW (118 PS), was das Zwergerl in 3,1 Sekunden von 0 auf 50 km/h schnepft. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 150 km/h begrenzt.

FIAT

Für das Stromern kennt der 500er drei Fahrmodi: „Normal“ ist wenig überraschend normal, bei „Range“ wird stark rekuperiert, weshalb man Beschleunigen und Bremsen alleine mit dem Gaspedal steuern kann.

FIAT

Und dann gibt es da noch die Einstellung namens „Sherpa“: Da tut der Zweitürer alles in seiner Macht stehende, um die Reichweite zu strecken und das im Navi hinterlegte Ziel zu erreichen. Das Tempo auf maximal 80 km/h begrenzen und alle Verbraucher abdrehen, zum Beispiel.

FIAT

Beim Thema Laden ist der Kleine äußerst kompetent: Das DC-Schnellladesystem saugt mit bis zu 85 kW am Stromnetz und kann in fünf Minuten rund 50 Kilometer Reichweite tanken. Der CCS2-Anschluss verarbeitet Gleich- und Wechselstrom, mit dem Mode-3-Kabel wird letzterer dreiphasig mit bis zu 11 kW gezutzelt. Die Wallbox für Zuhause wird auf Wunsch mitgeliefert.

FIAT

Der Innenraum ist jetzt wesentlich luftiger und nutzt den durch den Wegfall der Schalthebelkonsole frei gewordenen Platz zwischen den vorderen Sitzen für zusätzliche Ablageflächen.

FIAT

Freistehend prangt auf dem Armaturenbrett der 10,25 Zoll messende Touchscreen des nagelneuen Infotainmentsystems „Uconnect 5“, das so ziemlich alle Stückerln spielt. Die Sitze sind entweder mit Kunstleder bezogen oder mit Stoffen aus recyceltem Kunststoff, der bis vor kurzem noch im Meer geschwommen ist.

FIAT
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Die größte Herausforderung wird es aber sein, die Marken, die auf gleichen Plattformen unterwegs sind, zu differenzieren. Das funktioniert bei Citroën, Peugeot und DS einfacher als in einem 14-Marken-Reich.

Zur Sache geht es bei den italienischen Marken wie Fiat, die lange wenig in die Weiterentwicklung investierten (Fiat 500/alt und Panda). Auch die Jeep-Modelle werden französische Technik erhalten. Beispiele? Der Jeep Renegade könnte in Zukunft auf Basis des Peugeot 2008 stehen, der sich die Plattform mit dem Opel Mokka teilt. Diese Pläne kann man durch die gesamte Stellantis-Modellpalette durchkonjugieren.

Showcar in Genf: Alfa Romeo Tonale

Der Tonale-Pass liegt gleich ums Eck vom Stilfser Joch, dem Passo di Stelvio. Und das ist es auch bei Alfas erstem SUV – dem Stelvio – und der neuen Studie namens Tonale.

ALFA ROMEO

Das Showcar Tonale ist gleich in doppelter Hinsicht eine Premiere: Nimmt es doch gleichzeitig den ersten Plug-in-Hybrid als auch das erste mittelgroße SUV von Alfa Romeo vorweg. Obwohl das auch schon alles ist, was die Italiener zum Thema Technik verraten. Stattdessen reden sie lieber über das Design. Und man muss ganz ehrlich sagen: was für eine Schönheit!

ALFA ROMEO

Die Front weist das für die Marke typische „Trilobo“ auf, den Dreiklang aus herzförmigem zentralem Kühlergrill „Scudetto“ und waagrechten Lufteinlässen. Der Kühlergrill wird flankiert von in Dreiergruppen angeordneten Scheinwerfern.

ALFA ROMEO

Der gesamte obere Bereich des Fahrzeughecks wird von der elegant geschwungenen Scheibe gebildet. Ein kleiner Spoiler an der Dachkante stellt die Verbindung zwischen dem transparenten Dach und der Heckscheibe dar. Die Rückleuchten gleichen eher der Unterschrift eines Künstlers als einem rein funktionellen Element.

ALFA ROMEO

Die Instrumente sind auf den Fahrer ausgerichtet, der Innenraum bietet bis zu vier Personen komfortabel Platz. Während der Fahrer sich auf die Straße konzentriert, kann er aus dem Augenwinkel einen zentralen Bildschirm mit 12,3 Zoll sowie einen daneben platzierten Touchscreen mit 10,25 Zoll überwachen. Für Akzente sorgen halbdurchsichtige, hinterleuchtete Paneele, beispielsweise auf der Mittelkonsole.

ALFA ROMEO

Mit dem zusätzlichen Elektromotor an der Hinterachse will Alfa das Fahrvergnügen anheizen. Beim Tonale steht der Modus D der Fahrdynamikregelung nicht mehr für „Dynamic“, sondern für „Dual Power“ und beschreibt die optimale Nutzung der Leistung beider Motoren.

ALFA ROMEO

Über den Touchscreen des Infotainmentsystems lässt sich über einen Button „E-mozione“ zusätzlich das Ansprechverhalten von Gaspedal, Bremse und Servounterstützung der Lenkung nachschärfen.

ALFA ROMEO

Im Modus „Natural“ steuert die Elektronik automatisch die optimale Koordination von Elektromotoren und Verbrenner-Triebwerk. Der bisherige Modus „Advanced Efficiency“ wird zu „Advance E“ und steht für reinen Elektrobetrieb.

ALFA ROMEO
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Die Kultmarke Alfa Romeo, deren Hoffnungsträger Tonale (ein Kompakt-SUV) sich verspäten wird, hat eine Bestandsgarantie, zukünftige Profitabilität vorausgesetzt. Der ehemalige Peugeot-Chef Jean-Philippe Imparato sitzt auf dem Alfa-Chefposten und hat schon bei der Löwenmarke bewiesen, dass er Marken retten kann. Er soll es auch gewesen sein, der beim Tonale ein besseres Hybrid-System eingefordert und den Marktstart verschoben hatte.

Imparatos Durchsetzungsvermögen könnte auch Maserati brauchen, dort wälzt man große Pläne in Bezug auf E-Mobilität und Modelle. Aber auch hier gilt: Jedes Modell muss sich rechnen. Den endgültigen Plan will Stellantis im Herbst vorstellen, Überraschungen nicht ausgeschlossen.

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