Christoph Strasser fand nur wenig Schlaf, bevor er sich auf nach Posen machte, um von dort aus mit dem Zug weiter in Richtung Graz zu kommen. Zu sehr hat ihn der quälende Husten in dem Hotelzimmer, das er sich rasch gebucht hatte, wachgehalten. „Ich bin aus dem Alter heraus, in dem du dich selbst als Helden siehst, wenn du in so einem Zustand weiterfährst“, sagt er. Die Stimme des Extremsportlers klingt gezeichnet. Fieber, Husten und Magenprobleme zwangen ihn zur Aufgabe beim „Transcontinental Race“. In Polen war nach gut 1900 Kilometern Schluss.

Das Rennen führt die Teilnehmenden von Trondheim (NOR) über 4800 Kilometer und 50.000 Höhenmeter quer durch Europa bis nach Kalamata (GRE). Eineinhalb Tage hat er sich trotz wachsender Symptome wie Husten, Atemnot und auch Schüttelfrost noch geschunden. „Nach drei, vier Tagen täuscht dich dein Körper oft. Bei so einem Rennen fühlt man sich nie gut, und ich kenne viele Schwächephasen und weiß, wie sich verschiedene Phasen anfühlen. Aber es war keine Schwächephase“, sagt er. Ein Fieberthermometer, das er sich in einer Apotheke gekauft hatte, bestätigte seine Sorgen: „Ich wäre so bestimmt nicht ins Ziel gekommen.“

„Die Enttäuschung ist groß“

Die Aufgabe schmerzte ihn dennoch bitterlich. Wollte er doch zum dritten Mal den Sieg holen. „Es tut weh, und die Enttäuschung ist groß, dass es so gekommen ist. Aber ich mache mir selbst keinen Vorwurf.“ Obwohl er nicht mehr annähernd seine gewohnten Leistungswerte liefern konnte, ohne in Atemnot zu geraten, überlegte er weiterzumachen.

Die Atemwege haben Strasser auch schon beim „Race Across America“ zur Aufgabe gezwungen. „Im Radsport ist die Lunge immer einer supergroßen Belastung ausgesetzt. Bei Ultrarennen kommt noch hinzu, dass du bei unterschiedlichsten Temperaturen eine hohe Belastung hast.“ Zweimal kam es beim Rennen quer durch die USA zu einem Lungenödem. „Dort hast du aber einen Arzt an deiner Seite, der dir helfen kann oder dir auch die Entscheidung abnimmt, wenn es zu gefährlich ist.“ Bei dem „Unsupported-Rennen“ quer durch Europa dürfen die Fahrer hingegen keinerlei Hilfe annehmen – so musste Strasser die Entscheidung mit sich selbst ausmachen. „Es kennt bestimmt jeder das Gefühl, dass man zu früh das Handtuch wirft. Aber ich habe keinen Zweifel daran, dass es die richtige Entscheidung war.“