Geschichten von dir und mir und allen. Damit haben sich Seiler und Speer in die oberste Liga des neuen österreichischen Austropops gespielt: „Tuat ma lad, Herr Inspektor, oba davo waß I nix.“ Mit des Österreichers Liebe zum Inspektor eröffneten sie ihren Hit-Reigen, setzten sich gemeinsam mit 8000 Fans ans imaginäre Lagerfeuer und ließen es zwei Stunden lang brennen. Das Publikum war vom ersten Einsatz bis zum Schlussakkord Feuer und Flamme für ihre „Hödn“.
Auftakt eines viertägigen Konzertreigens
Immer wieder stachelte Christopher Seiler den „Seiler und Speer-Gefangenenchor“ an, um mitzusingen: „Manchmal versteckt ma si im Lebn. Kaschiert a jeds Problem.“ Der Mond schien helle, das Wetter war so gut wie nur möglich und die Menschen füllten die Wiese vor Schloss Moosburg bis auf den letzten Platz. Das Konzert bildete den Auftakt zu einem viertägigen Reigen, der von Thomas Semmler mit Semtainment sowie Barracuda Music veranstaltet wird. Am Freitag folgen Electric Callboy, am Samstag kommen Seiler und Sperli – wie Christopher Seiler ihn nennt – noch einmal nach Moosburg, bevor am Sonntag der italienische DJ Gigi D‘Agostino „L‘Amour toujours“ anstimmen wird.
Pastose Malerei
Aber zurück zu den beiden Austro-Größen: In pastoser Malerei legen sie Pathos über ihre Akkorde und machen sich damit beliebt, dass sie wie der Kumpel vom Nachbarhaus daherkommen oder ihre „Mama Leone“ in einem Lied verewigen. Seiler erzählte in dem Song von seiner Großmutter, die er kaum gekannt hat und viel zu früh gestorben war – aber vielleicht hörte sie ja das Lied: „Maunches Büd dazöht a Gschicht von Dir.“ In diesen dick aufgetragenen Herzensliedern sind die beiden kaum zu schlagen, dann schwenkten 16.000 Hände ihre Handys nach links und wieder nach rechts und die geballte Wucht einer famosen Band rollte über die Schlosswiese.
Der „Wir sind unter Euch“-Moment
Und dann folgte der „Wir sind unter Euch“-Moment, der auch hier in Moosburg für einen ganz besonderes Gänsehautgefühl sorgte: Christopher Seiler und Bernhard Speer marschierten von der Bühne und postierten sich auf eine kleine Plattform inmitten des Publikums und stimmten ihr „Nur tot sei war ma liaba“ an. In Zeiten der Entgrenzung, in einer von Algorithmen gesteuerten Welt, sind Konzerte nicht nur eine Möglichkeit, Masse am eigenen Körper zu spüren – Konzerte machen auch begreiflich, was Künstliche Intelligenz nie können wird. Das wissen auch die beiden. „Der Moment mit euch kann euch keine KI geben“, rief Seiler ins Publikum und setzte bereits nach einer Stunde zum vielleicht besten ihrer Songs an: „Hödn“: „Irgendwann is unsa Zeit dann goa. Doch sie werden sogn, dass ma moi Hodn woan.“ Ein Lied, in dem sich irgendwie jeder findet. Denn „a jeder hot sei Packl trogn. A jeda hot kämpft.“ Seiler und Speer, zwa Hödn unter 8000 in Moosburg. Aber dann war noch gar nicht Schluss – die beiden kämpften noch eine gute Stunde weiter. Bis sie mit „Ham kummst“ ihr Lied anstimmten, das vor über zehn Jahren ihren Durchbruch bedeutete: „Letzte Nocht woa a schware Partie fia mi.“ Für 8000 Fans woan die zwa a guate Partie.