Der Radsport hat zahlreiche Ausprägungen, die teilweise unterschiedlicher nicht sein könnten. Doch eines eint die Bewerbe: Um ganz vorne zu sein, braucht es eine enorme Leidensfähigkeit. Franz-Josef Lässer bereitet sich aktuell auf eine Stunde voller Leiden vor. Denn er will auf der Bahn zwei Rekorde brechen: Der Grazer greift am 6. August in Grenchen (SUI) den österreichischen Rekord von Matthias Brändle (51,852 Kilometer) sowie jenen in der Paraklasse C5 von William Bjergfelt (51,471 Kilometer) an. Konstante 52 Stundenkilometer will der Para-Athlet, dem von Geburt an vier Finger der linken Hand fehlen, dabei auf die Planken zaubern und damit brillieren. Dabei muss er ab dem ersten Moment an sein Limit gehen und konstant 330 Watt abliefern. „Du haust dir eine Stunde lang voll Gas in die Goschn – wie man bei uns in Graz sagen würde“, beschreibt er es ungeschönt und mit einem Lachen. Und in „seinem“ Graz wird er zuvor auch noch ein Rennen bestreiten, und das könnte nicht konträrer zu seinem Rekordversuch sein. Denn es kommt zum brachialen Duell im Peloton um jeden Millimeter. Rad an Rad und Lenker an Lenker geht es am kommenden Dienstag (28. Juli) um den Sieg.

Franz-Josef Lässer fährt für WSA Graz
Franz-Josef Lässer fährt für WSA Graz © GEPA

Zum zweiten Mal steigt das Grazer Altstadt-Kriterium als Bundesligarennen. Trotz seines Vorhabens auf der Bahn ist das Rennen auf dem Pflaster ein Pflichttermin für ihn. „Ich werde eine Woche vor dem wichtigsten Rennen in meinem sportlichen Dasein bestimmt nicht Kopf und Kragen oder das letzte Hemd riskieren, aber ich werde auf jeden Fall dabei sein“, sagt er. Er wird in der Mannschaft von „WSA Graz“ an den Start rollen. „Wenn es so eine Chance gibt, in seiner Heimatstadt zu fahren und den Sport zu präsentieren, dann sehe ich es als meine Verpflichtung an, dabei zu sein. Wenn man ein Profi ist, dann sollte man da dabei sein.“

Das Altstadt-Kriterium findet am 28. Juli statt
Das Altstadt-Kriterium findet am 28. Juli statt © GEPA

Freilich, sagt er, birgt ein Radrennen immer ein gewisses Risiko, doch nimmt er das bewusst in Kauf. „Die Gefahr, dass mich im Training einer auf der Straße mitnimmt, ist wesentlich höher. Da wollen manche ihre Aggressionen, die sie aufgestaut haben, an einem Radfahrer auslassen. Da habe ich in einem Rennen wesentlich weniger Angst.“ Das Kriterium wird mit Start und Ziel in der Erzherzog-Johann-Allee (Café Promenade) zum klassischen Termin des legendären Altstadt-Kriteriums ausgetragen: am Dienstag nach der Tour de France. Die Frauen bestreiten ab 16.30 Uhr 35 Runden (34,3 Kilometer), die Männer gehen um 18 Uhr auf ihre erste von 50 Runden (49 Kilometer). Gefahren wird vom Start über den Burg- und Opernring, über die Burggasse, Salzamtsgasse, Bürgergasse und Hofgasse durch das Burgtor.