Das City Adventure Center (CAC) in der Grazer Idlhofgasse bietet derzeit ein ungewohntes Bild. Wo sonst Klettersportler in schwindelerregender Höhe die Schwerkraft bezwingen, gehen aktuell Bauarbeiter aus und ein. Der sogenannte Skywalk direkt unter dem Hallendach wurde schon herausgerissen, die Klettergriffe auf den Wänden sind bereits demontiert. „Es kommt alles raus, sowohl im Boulder- als auch im Leadbereich“, erklärt Geschäftsführer Philipp Muntean. Bis zum Herbst wird die Halle, die im Komplex vom Jufa Hotel Graz City im Bezirk Gries zu finden ist, modernisiert und komplett umgebaut.
Die einzige große Seilkletterhalle in Graz wurde 2006 von Wiki in Betrieb genommen. „Die Halle ist deutlich in die Jahre gekommen. Der Sport hat sich stark weiterentwickelt, Wände werden heute ganz anders gebaut als vor zwanzig Jahren“, unterstreicht Muntean. Bei Wiki sah man zwar auf langfristige Sicht den Modernisierungsbedarf, wollte sich allerdings wieder auf die eigentliche Kernaufgabe Kinderbildung und -betreuung konzentrieren. Ein neuer Betreiber für die Sportanlage wurde deshalb seit Jahren gesucht – und mit dem Österreichischen Kletterverband vor Kurzem tatsächlich gefunden.
Neues Bundesnachwuchszentrum
Der Kletterverband stemmt den Umbau, der laut Geschäftsführer Heiko Wilhelm „eine mittlere sechsstellige Summe“ kosten wird. Fördermittel von Bund, Land und Stadt sowie Eigenmittel des Verbands fließen in das Projekt. Aus dem CAC wird die „Kletterhalle Graz“, wo der Kletterverband ein neues Bundesnachwuchszentrum einrichten wird. Das war in den letzten Wochen bereits durchgesickert, nach der Vertragsunterzeichnung und dem Start der Bauarbeiten liegen die Pläne nun auf dem Tisch.
Bedenken, der Breitensport könnte damit an den Rand gedrängt werden, wie sie der Alpenverein im Vorfeld thematisiert hatte, weist man zurück. Hobbysportlern, Schulgruppen oder Kursen wird die Kletterhalle weiterhin offenstehen. „Es wird ein Miteinander, kein Gegeneinander werden. Auch der Breitensport wird von der neuen, modernen Infrastruktur stark profitieren“, unterstreicht Muntean. Spitzen- und Freizeitsportler trainieren ab Herbst in einer topmodernen Umgebung. Muntean zieht Vergleiche zum Schwimmsport: „Auch da ist es oft so, dass auf einigen Bahnen die Spitzensportler trainieren und daneben findet der ganz normale Badebetrieb statt. Ohne Breitensport kein Leistungssport, schon allein deshalb macht es Sinn, dass beide Bereiche in der Halle eine Heimat finden“, so Wilhelm.
Aktive Kletterszene im Breiten- und Spitzensport
Was den Leistungssport betrifft, soll die Kletterhalle Graz ein Problem zumindest entschärfen: In Österreich gibt es aktuell nur ein einziges Bundesleistungszentrum für die Klettersportler. Es ist in Innsbruck zu finden. In Zukunft soll sich der Nachwuchs in den Disziplinen Bouldern, Lead und Speed auch in Graz optimal auf Wettkämpfe vorbereiten können. Die Stadt hat sich aus der Sicht des Kletterverbands als Standort für ein zweites österreichisches Leistungszentrum unter anderem aufgedrängt, weil es hier schon lange eine aktive Kletterszene gibt. „In Graz wurde tolle Nachwuchsarbeit gemacht, es gibt super Trainer, Athleten und Routenbauer“, unterstreicht Wilhelm. Internationale Kletter-Großevents hat die Stadt ebenfalls bereits gesehen. Im Bloc House, wo übrigens ab 27. Juli ebenfalls generalsaniert wird, fand etwa 2024 der Jugend-Europacup statt. Bouldern boomt auch als Breitensport in der Studentenstadt Graz, neben dem Bloc House gibt es noch zwei weitere große Boulderhallen.
Wie eine Kletterwand aussieht, die wettkampftauglich ist, aber auch Hobbyathleten glücklich macht, davon wird man sich erst nach Ende der Bauarbeiten im Herbst in der Idlhofgasse überzeugen können. Den ganzen Sommer hindurch kann hingegen der große Außenkletterbereich benutzt werden, der vor zehn Jahren errichtet wurde. Er bleibt von den Umbauarbeiten vorerst unberührt und bleibt auch in den Baustellenmonaten zu vergünstigten Preisen geöffnet. Über die Sommeröffnungszeiten informiert man sich vor einem Besuch am besten über www.c-a-c.at.