Nur mehr 41.845 Menschen lebten heuer zu Jahresbeginn laut Statistik Austria im Bezirk Völkermarkt. Die Betonung liegt deshalb auf „nur mehr“, da im Vergleich zum Stichtag 1. Jänner im Vorjahr noch 41.981 Völkermarkter ihren Hauptwohnsitz in einer der 13 Gemeinden gemeldet hatten. Damit schrumpfte die Bevölkerung in der Region innerhalb dieses Zeitraumes um 136 Personen (minus 0,32 Prozent).
Die Abwärtsspirale dreht sich bei der Einwohnerzahl aber nicht erst seit gestern. Die Tragweite der Entwicklung zeigt sich beim Blick zurück ins Jahr 2002. Seit damals erfasst die Statistik Austria die Bevölkerungsentwicklung auf Basis des Zentralen Melderegisters (ZMR), in dem alle Meldedaten erfasst werden. Damals zählte der Bezirk 43.660 Einwohner, um knapp über vier Prozent (plus 1815 Personen) mehr als heute.
Konstanter Zuzug
Nur zwei Gemeinden verzeichnen gegenwärtig mehr Einwohner als als vor 24 Jahren – darunter St. Kanzian am Klopeiner See, wo heuer zu Jahresbeginn 4654 Menschen lebten, um 309 Personen mehr (plus 7,11 Prozent) als noch zum Stichtag 1. Jänner 2002. „Seit meinem Amtsantritt geht es bei der Bevölkerung bergauf“, freut sich Thomas Krainz (SPÖ), der 2003 erstmals zum Bürgermeister gewählt wurde. Zurückzuführen sei der Zuzug vor allem auf die „optimale Infrastruktur“ – angefangen von der medizinischen Versorgung über Lebensmittelgeschäfte bis hin zum breiten Freizeitangebot. „Und dankenswerterweise haben wir auch einen Bahnhof mit einer Anbindung an den Fernverkehr“, sagt er.
Der Bau des neuen Bildungszentrums um rund 6,5 Millionen Euro, das den Kindergarten und die Volksschule baulich miteinander verknüpft, sei auch der wachsenden Einwohnerzahl geschuldet – die vielleicht noch weiter steigen werde. „In der Gemeinde liegt eine unheimlich lange Liste mit 90 bis 110 Wohnungsansuchen auf“, sagt Krainz, der sich kürzlich über den Baustart von 16 geförderten Mietwohnungen der „Neuen Heimat“ freuen durfte.
Auch Feistritz ob Bleiburg/Bistrica pri Pliberku darf sich als Zuzugsgemeinde bezeichnen. Denn während 2002 dort nur 2127 Menschen lebten, waren es mit 1. Jänner 2026 um 117 Personen mehr (plus 5,50 Prozent), nämlich konkret 2244 Einwohner. „Die Menschen fühlen sich bei uns wohl, weil wir so eine liebenswerte Gemeinde sind“, ist Bürgermeister Hermann Srienz (SPÖ) überzeugt. Ein Pluspunkt sei der Ausbau des öffentlichen Verkehrs. „Von St. Michael ist man mit der S-Bahn in 25 Minuten in Klagenfurt“, sagt Srienz. Punkten könne man neben den Ärzten und einem Nahversorger auch mit den Bildungsangeboten. „Aufgrund der großen Nachfrage mussten wir sogar eine neue Kindertagesstätte errichten“, berichtet er.
Ein „Teil des Erfolgs“ – Feistritz ob Bleiburg verzeichnete 2025 auch eine positive Geburtenbilanz – seien auch die mittlerweile erschöpften Baulandmodelle. Nichtsdestotrotz hofft Srienz, dass man für weiteren Zuzug attraktiv sei: „Die Erhaltung der Infrastruktur kostet viel Geld, daher muss diese mit Leben erfüllt sein.“
Stetige Abwanderung
Nicht so erfreulich sieht es in den restlichen elf Gemeinden aus, wo heute überall weniger Menschen als noch 2002 leben. Eisenkappel-Vellach/Železna Kapla-Bela, wo zum 1. Jänner 2026 2211 Menschen mit Hauptwohnsitz gemeldet waren, verlor in diesem Zeitraum 483 Einwohner (minus 17,93 Prozent). „Das hatte gravierende Auswirkungen“, sagt Bürgermeisterin Elisabeth Lobnik (SPÖ), die die Zusammenlegung der Volks- und Mittelschule 2014 als Beispiel nennt. Ein Grund für die Entwicklung sei laut Lobnik die „extrem negative Geburtenbilanz“. „Dass wir unsere Einwohnerzahl seit fünf Jahren stabil halten können, liegt nur am Zuzug“, sagt sie.
Um jemanden das Leben in einer entlegenen Gemeinde mit weiteren Arbeitswegen schmackhaft zu machen, müsse man Lebensqualität bieten. „Dazu zählt leistbarer Wohnraum, gute Kinderbetreuung Freizeitangebote wie Freibad und Tennishalle sowie ein funktionierendes Vereinsleben“, betont sie.
Auch Neuhaus, wo zum 1. Jänner 2026 1008 Menschen wohnten, büßte im Vergleich zum Stichtag vor 24 Jahren 218 Einwohner ein (minus 17,78 Prozent). „Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung war es seit meinem Amtsantritt 2021 das Ziel, die Nachmittagsbetreuung im Kindergarten und der Ganztagsschule in der Volksschule auszubauen“, sagt Bürgermeister Patrick Skubel (SPÖ). Dies hätte auch bereits dazu beigetragen, dass sich junge Familien neu angesiedelt hätten. „Im Herbst schulen neun Kinder in der Volksschule ein“, verdeutlicht er dies mit Zahlen. Während Arbeitsplätze Mangelware wären, könnte die Gemeinde aber mit einem Nahversorger und Gasthäusern sowie ihrem Kultur- und Vereinsleben Punkte sammeln.
„Außerdem ist die Koralmbahn eine wichtige Ressource, die wir vor der Haustür haben“, sagt er und fügt an: „Sicher müssen wir mit dem Auto nach Wiederndorf oder St. Paul fahren. Aber dadurch ergibt sich die Chance, dass unsere Kinder, wenn sie zum Beispiel künftig in Graz studieren, eine gute Anbindung haben, wodurch sie nicht wegziehen müssten wie es früher war.“