Hunderte Meter lang ist die Schlange der geparkten Autos, wenn man sich dem Sonnegger See in Sittersdorf/Žitara vas nähert, in dem bei großer Hitze zahlreiche Festivalgäste Abkühlung suchen, während bereits Bands abwechselnd die zwei Bühnen des mit 2500 zahlenden Gästen ausverkauften Acoustic Lakeside bespielen. Vom befürchteten Unwetter verschont, begeht man also planmäßig das 20. Jubiläum des Festivals. Fast.

Blick über den Sonnegger See zum Festival
Blick über den Sonnegger See zum Festival © Gerfried Ambrosch

Die kurzfristige Absage der Berliner Combo Strongboi bringt den Ablauf dann doch ein wenig durcheinander, und der Headliner Cari Cari hat mit kleineren technischen Schwierigkeiten zu kämpfen. All das tut der guten Stimmung an diesem schwülheißen Südkärntner Freitag, der schon um 9 Uhr mit einem „Festivalbrunch“ – Eierspeis’ von der Landjugend Sittersdorf – beginnt, aber keinen Abbruch. Neben stimmungsvollen Indie-Klängen – hervorzuheben sind die fulminanten Auftritte der irischen Singer-Songwriterin Wallis Bird sowie der österreichischen Formation Cari Cari, unterstützt von lokalen Musikern und Sängern – gibt es bunte Kulinarik und sogar ein Kinderprogramm. Ganz zu schweigen vom Badespaß im direkt angrenzenden Sonnegger See. Auch der Campingplatz ist gerammelt voll.

Video: Cari Cari mit Südkärntner Orchester und Chor

„Fixtermin“

Während es für manche Besucher das erste Acoustic Lakeside ist, kommen viele schon seit Jahren. Seit Bestehen kaum einen Termin ausgelassen haben zum Beispiel Sandra und Wolfgang aus Klagenfurt, wie mir das Paar an einem Getränkestand erzählt. „Ich war bestimmt schon 17 mal hier“, schätzt er. In Völkermarkt aufgewachsen, war das Festival für Sandra von jeher ein „Fixtermin“. Ringsum stehen Menschen, sitzen an Biertischen oder liegen auf Picknickdecken und unterhalten sich – oder lassen sich vom Dargebotenen unterhalten. Auch der Grazer Musiker Chris Magerl (The Burning Flags) schätzt als Gast die entspannte Atmosphäre: „Seit 2013 komme ich praktisch jedes Jahr.“

Feuerwehr, Rotes Kreuz, Wasserrettung und Security leisten ihren Beitrag zur Sicherheit bei der Veranstaltung. Es ist kurz vor 20 Uhr. Von den Wasserrettern und den Rettungssanitätern erfahre ich, dass dann ihre zwölfstündige Schicht endet und sie von ihren Kollegen abgelöst werden. Ob sie danach privat noch am Festivalgelände bleiben? Diese Frage wird durch die Bank verneint: „Zwölf Stunden sind genug.“ Vor allem, wenn man am nächsten Morgen wieder fit sein muss.

Beherrschendes Thema war im Vorfeld der Veranstaltung die jüngste Verwaltungsgerichtshofentscheidung, dass – entgegen den Anstrengungen der Finanzpolizei – ehrenamtliche Festivalhelfer keine sozialversicherungspflichtigen Dienstnehmer sind. Dies thematisiert auch eine kurze, vom Publikum bejubelte Bühnenansprache der Veranstalter vor dem Haupt-Act des Abends: Cari Cari.

Um 22.40 geht es los: Die Steirerin Stephanie Widmer und der Burgenländer Alexander Köck – gemeinsam als Cari Cari bekannt – legen los. Am Vortag hatten sie mit einem kleinen Orchester und Männerchor aus der Region im Kulturzentrum KPD Šmihel in St. Michael ob Bleiburg/Šmihel pri Pliberku für ihren speziellen Auftritt geprobt. Diese holen sie nach und nach auf die Bühne, was den cineastischen Sound des Duos gewaltig auffettet. Kleinere technische Schwierigkeiten werden mit humorvollen Ansagen überspielt und vom Publikum sofort verziehen. Wie beim Festival insgesamt „menschelte“ es auf der Bühne, was wohl auch den besonderen Reiz des Acoustic Lakeside ausmacht.

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