Einbrecher suchen den Weg des geringsten Widerstands. Mit einfachen Maßnahmen lässt sich das Risiko deutlich senken, betont der Wolfsberger Präventionsbeamte Andreas Tatschl. Im Bezirk Wolfsberg beträgt die Steigerung der Gesamtkriminalität im ersten halben Jahr 2026 bereits 11,2 Prozent. Besonders auffallend sind eine massive Steigerung von Kellereinbrüchen und Cyber-Crime wie Erspressung im Internet.
Deshalb setzt das Bundeskriminalamt gemeinsam mit der Kriminalprävention verstärkt auf Aufklärung – und auf einfache Maßnahmen, die Einbrechern die Tat schwer machen. Das sei vor allem jetzt wichtig, da „wir uns aktuell in der Urlaubszeit befinden“. Einbruchsdiebstähle finden im Sommer – im Gegensatz zur Winterzeit – gehäuft am Vormittag oder zu Mittag statt. „Das Haus oder die Wohnung muss immer bewohnt aussehen“, betont Tatschl. Schon kleine Maßnahmen könnten abschreckend wirken. „Ein Radio oder Licht, die über Zeitschaltuhren oder Bewegungsmelder aktiviert werden, vermittelt den Eindruck, dass jemand zu Hause ist.“
Nachbarschaft als wichtigster Schutz
Als besonders wirksam bezeichnet Tatschl die gegenseitige Hilfe unter Nachbarn. „Das Beste ist der Kontakt mit den Nachbarn. Sie können den Postkasten leeren, nach dem Rechten schauen und auffällige Veränderungen bemerken.“ Genau dieser soziale Zusammenhalt schrecke viele Täter ab. Auch Angehörige könnten dabei unterstützen, das Haus während einer längeren Abwesenheit regelmäßig zu kontrollieren.
Die meisten Einbrecher handeln laut Polizei spontan und wählen Objekte, die leicht zugänglich erscheinen. Besonders häufig erfolgt der Einstieg über Terrassen- oder Balkontüren. „Die Terrasse ist nach wie vor die Nummer eins. Der wichtigste Schutz ist ein Rollladen beziehungsweise ein gut gesichertes Fenster“, so Tatschl. Standardfenster und gewöhnliche Türen bieten oft nur geringen Widerstand. Deshalb empfiehlt die Polizei einbruchshemmende Fenster der Widerstandsklasse RC 2 sowie Haustüren der Klasse RC 3, ergänzt durch hochwertige Schlösser, Zusatzsicherungen und stabile Schließbleche. Als elektronische Absicherung helfen auch Alarmanlagen, die gut geplant und fachgerecht eingebaut werden sollen.
Neuer „Trend“
Ein Irrtum hält sich laut Tatschl hartnäckig: Viele Bewohner glauben, höher gelegene Wohnungen seien sicherer. „In Mehrparteienhäusern sind oft gerade die Wohnungen im obersten Stock interessant. Dort kommt kaum jemand vorbei. Wer hinaufgeht, kann oft in Ruhe arbeiten, während im Erdgeschoss ständig Menschen unterwegs sind.“ Eine klassische „Hauptzeit” für Einbrüche gebe es heute zwar nicht mehr, dennoch seien bestimmte Zeiträume auffällig.
Wer wissen möchte, wie sicher das eigene Zuhause tatsächlich ist, kann eine kostenlose Eigentumsberatung der Kriminalprävention in Anspruch nehmen. „Wir kommen direkt zum Haus und zeigen auf, wo mögliche Schwachstellen liegen. Dieses Angebot wird nach wie vor sehr gut angenommen – sowohl von Einfamilienhausbesitzern als auch von Bewohnern größerer Wohnanlagen“, erklärt Tatschl, der solche Gespräche zusammen mit seinem Kollegen Johann Berger anbietet. Dabei werden individuelle Schwachstellen analysiert und konkrete Empfehlungen für mechanische und elektronische Sicherungsmaßnahmen gegeben.
Kommt es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einem Einbruch, gilt vor allem eines: Ruhe bewahren. „Bitte das Haus oder die Wohnung nicht betreten und warten, bis die Polizei eintrifft. Die Spuren sind für die Ermittlungen enorm wichtig. Außerdem kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich der Täter noch im Gebäude befindet.“ Auch flüchtende Täter sollten keinesfalls verfolgt werden. Stattdessen empfiehlt die Polizei, sich Aussehen, Kleidung und Fluchtrichtung möglichst genau einzuprägen und sofort den Notruf 133 zu wählen. Für Tatschl steht fest: „Wir hoffen natürlich, dass es gar nicht erst dazu kommt. Deshalb ist es so wichtig, die Menschen schon im Vorfeld zu informieren. Prävention ist immer besser als Reaktion.“