Sie beginnt früher, ist intensiver und dauert länger – die Rede ist von der Zeckensaison. Neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge ist die heimische Zecke bis in hohe Lagen aktiv und eine neue gefährliche Art ist in Kärnten angekommen.
Insekten- und Spinnentierforscher diskutieren derzeit Forschungsergebnisse zum Klimawandel und das vermehrte Aufkommen von Zecken, Gelsen und Stechmücken. „Kärnten und die Südsteiermark sind inzwischen europäische Hotspots für Zecken, quasi Hochrisikogebiete. Nur die hohe Durchimpfungsrate bewahrt uns vor vielen Toten. Durch die milden Winter überwintern Zecken gut und sind schon im Frühjahr aktiv. Es gibt kaum noch Erholung“, sagt der Kärntner Insektenforscher Christian Komposch, gleichzeitig Präsident der Österreichischen Entomologischen Gesellschaft (ÖEG).
Zecken gibt es inzwischen nicht nur im Flachland. Komposch: „In den 70er-Jahren war die Zeckengrenze bei 700 Metern Seehöhe, dann lange bei 1000 Metern und jetzt haben sie schon die 2000-Meter-Grenze erreicht.“ In Osttirol wurden bereits Skitourengeher von Zecken gebissen.
In Kärnten leben rund 20 Zeckenarten, darunter eine invasive. „Die Riesenzecke ist hier angekommen“, so Komposch. Laut der Agentur für Lebensmittelsicherheit (Ages) gibt es einen konkreten Nachweis vom 25. Juli 2025 in Velden. Die Riesenzecke ist einen Zentimeter groß, im vollgesogenen Zustand sogar 1,5 Zentimeter. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Zecken würde die Riesenzecke aktiv auf Beutesuche gehen, weiß Komposch. Als Beute dienen Pferde, Rinder, Schafe, aber auch Menschen. Riesenzecken übertragen das Krim-Kongo-Fieber, das unbehandelt tödlich enden kann.
Um die Verbreitung besser zu verfolgen, wurde eine Zeckendatenbank ins Leben gerufen. Tiere können auf ein Blatt Papier geklebt, mit den Daten vom Fundort versehen, in Klagenfurt beim Sammlungs- und Wissenschaftszentrum in der Liberogasse 6 abgegeben werden.
Monitoringprogramm
Längst in Kärnten heimisch geworden ist indes die Tigermücke. „Sie übersteht aber den Winter in Kärnten noch nicht, sie wird Jahr für Jahr neu eingeschleppt“, sagt Laura Waldner, Leiterin der Zoologie im kärnten.museum. Nachweise gibt es in Arnoldstein, Villach und Klagenfurt. Über Eigelegefallen wird die invasive Art dokumentiert - das sind Kübel mit wasser und Holzstreifen, in denen die Mücke ihre Eier ablegt.
Nicht klar beantwortet werden kann die Frage, ob heuer mit einem starken oder schwachen Gelsenjahr zu rechnen ist. Waldner: „Das feucht-warme Wetter jetzt spielt ihnen in die Karten, da fühlen sie sich wohl. Langsam tauchen sie auf und wenn es Feuchtstellen gibt, ist es ein starkes Gelsen- und auch Wespenjahr.“
Momentan sei es für eine intensive Gelsensaison zu trocken, sagt indes Manuel Vilgut, Vorstand der Fachgruppe Entomologie des Naturwissenschaftlichen Vereins Kärnten. Es habe im Frühjahr zu viele Warm- und dann wieder Kaltphasen gegeben, das würden Hausgelsen nicht so gut vertragen.
„Malaria vor der Haustüre“
Für Komposch ist jedenfalls klar, dass der Klimawandel und die Hitze fremde Arten fördern: „Die Malaria ist mit eingeschleppten Arten quasi vor der Haustüre und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie ausbricht. Gemeinsam mit Gelsen und Sandmücken kommen neue Krankheitserreger zu uns, die für Tiere und Menschen bedrohlich werden können. Aufgrund unserer guten medizinischen Versorgung ist das aber nicht das große Problem.“