Es ist ein bemerkenswerter Schulterschluss und wohl auch ein Signal an Regionen der Republik, in denen sich Universitäten immer noch eher als Gegenspieler denn als Partner sehen: Drei steirische Universitäten – die Technische Uni, die Karl-Franzens-Uni und die Med Uni – tun sich zusammen, um eine gemeinsame „Transfergesellschaft“ zu gründen.
Dieser „Innovation Hub Graz“ hört künftig auf das prägnante Kürzel iHub und wird von den Universitäten zu je einem Drittel erst einmal mit sechs Millionen Euro für die nächsten sieben Jahre ausgestattet. Die Geschäftsführung ist international ausgeschrieben, schon im Herbst soll die Gesellschaft operativ zu arbeiten beginnen.
Welche Ziele man mit dem iHub verfolgt? „Wir wollen die erfolgreichen Start-ups investorfähig machen. Die Firmen müssen andockfähig werden“, sagt TU-Rektor Horst Bischof. Idee sei es, „universitäre Gründungen in Graz zusammenzuführen und zur Investitionsreife zu bringen“. Denn aktuell gelte mit Blick auf die Steiermark: „Wir sind gut im Gründen, aber schlecht im Skalieren.“ Probleme würden vor allem dann auftreten, wenn es darum gehe, Geld von Risikokapitalgebern anzuziehen.
Von einer „klaren Schnittstelle und einem einheitlichen Rahmen nach außen“ ist jetzt die Rede, dem iHub als „One-Stop-Shop“, der sich auch selbst an Start-ups beteiligt. Investorinnen und Investoren würden wiederum künftig „nicht mehr mit einzelnen Universitäten verhandeln, sondern mit einer zentralen Einrichtung und nach klar definierten Regeln“.
Etablierte Formate wie die Gründungsgarage, den Science Park oder das Start-up-Zentrum Unicorn soll der iHub ergänzen, ihnen chronologisch folgen. Als „Speerspitze im bestehenden Innovations- und Transfersystem“, lassen die Partner mit akademischer Note wissen. Man erreiche durch den iHub jedenfalls eine „größere internationale Sichtbarkeit des Standorts“, betont Alexander Rosenkranz, Vizerektor der Med Uni. Innovationen würden „gemeinsam gedacht, Kompetenzen gebündelt“.
Zehn Projekte im iHub
Nach der Aufbauphase sollen laut den Initiatoren stets „rund zehn Projekte“ im iHub angesiedelt sein. Aufstellen will man die Gesellschaft „bewusst schlank“, wie KF-Uni-Rektor Peter Riedler schildert. Die Gesellschaft selbst ist „nicht gewinnorientiert“, zugleich werden gezielt Möglichkeiten geschaffen, die finanzielle Rückflüsse an den iHub und die Universitäten sicherstellen. Etwa, wenn es zu einem Exit, einer großen Übernahme, bei einem der iHub-Start-ups kommt. In „einigen Jahren“, heißt es bei der Präsentation, erwarten sich die Unis „einen angemessenen Return on Investment“, also Kapitalrendite, einen Gewinn, der das eingesetzte Kapital deutlich übersteigt.
Wie das Prozedere konkret ablaufen wird? An den Unis selbst sollen „Scouts“ Projekte und Ausgründungen mit großem Potenzial ausfindig machen. Kurz vor oder nach der Gründung organisiert der iHub Kapital aus „Förder- und Partnerquellen“. Nach weiteren zwölf bis 18 Monaten steigen idealerweise Risikokapitalgeber ein, der iHub zieht sich operativ zurück, bleibt nur als „passiver Anteilseigner“ an Bord.
ESA BIC: TU Graz führt Konsortium an
Bewegung ist dieser Tage übrigens auch in einer anderen für den Start-up-Standort relevanten Causa zu vernehmen. Wie berichtet, tun sich um das am Science Park Graz angedockte Inkubationszentrum der Weltraumagentur ESA gröbere Finanzierungsfragen auf. Während etwa das Land Steiermark Geld für die neue Periode des seit zehn Jahren in Graz beheimateten Gründungszentrums „ESA BIC“ stets zusagte, taten sich rund um den Anteil der Stadt Graz – in Summe 560.000 Euro für vier Jahre – zunehmend Zweifel auf.
„Ja, wir bewerben uns“, heißt es jetzt aber von TU-Rektor Horst Bischof zur Kleinen Zeitung. Und zwar in Form einer Konsortialbewerbung, die mehrere Bundesländer als Standbeine des Inkubators einschließt. Die Führungsrolle soll aber – so man den Zuschlag seitens der ESA bekommt – auch künftig bei der TU Graz liegen. In Sachen Mittelaufstellung verweist der Rektor einerseits auf noch zur Verfügung stehende Zeit und andererseits auf eine „Finanzierungszusage“, die man vonseiten der Grazer Bürgermeisterin, Elke Kahr, erhalten hätte.