Das Unternehmen ist gegründet, die neuartige Geschäftsidee hat den Praxistest bestanden, das kommerzielle Potenzial ist offensichtlich. Geht es aber um die Expansion, die internationale Ausrollung, die „Skalierung“, wie es heute gerne heißt, fehlt dafür notwendiges Kapital.

Derlei Lücken will in der Steiermark eine neu geschmiedete Allianz „schließen“, wie es zur Kleinen Zeitung heißt. Per „gemeinsamer Start-up-Offensive“ adressieren die steirische Wirtschaftsförderungsgesellschaft SFG und die Raiffeisen-Landesbank Steiermark besonders vife und wachstumsstarke Jungunternehmen im Land. Dafür vorgesehen ist erst einmal ein kollektiver Investitionsrahmen von bis zu zehn Millionen Euro.

Als „sichtbarer Startpunkt der Offensive“, wie es heißt, dient ein gemeinsamer Call, der ab sofort und bis 31. August unter dem Schlagwort „Kapital!Offensive“ geöffnet ist. Online bewerben können sich Unternehmen, die jünger als zehn Jahre sind, besonders innovative Produkte oder Dienstleistungen entwickelten und „bereits erste Markterfolge vorweisen oder auf Wachstumskurs sind“. Besonders ansprechen will die Initiative Unternehmen, die sich in den Spezialgebieten „Deep Tech, Green Tech, Mobility, Health oder Advanced Materials“ tummeln.

Am Ende des Calls werden mögliche Beteiligungs- und Finanzierungsformen geprüft. Start-ups wiederum sollen nicht nur Kapital, sondern durch die Bündelung auch konzentrierten Zugang zu Kundinnen und Kunden, Märkten und strategischen Partnern bekommen.

Gemeinsam Tickets bis zu 2,5 Millionen Euro

Man sei überzeugt, dadurch „das Potenzial in der Steiermark stärker auf die Straße bringen zu können“, sagt RLB-Generaldirektor Martin Schaller. „Wir müssen mehr Sichtbarkeit generieren“, beschreibt Landesrat Wilibald Ehrenhöfer den Antrieb der Initiative – und SFG-Chef Christoph Ludwig verweist auf das notwendige Einsammeln von Kapital für das Erschließen von größeren, internationalen Märkten. Zurzeit gehe vielen vielversprechenden Jungunternehmen „nach einer guten Anfangsphase zu oft die Luft aus“.

Gemeinsam könnten SFG und RLB, so die Ausführungen gegenüber der Kleinen Zeitung, mit bis zu 2,5 Millionen Euro pro Investment zudem einen stärkeren Finanzierungsturbo zünden und dadurch mehr Anreiz, „einen größeren Hebel“, für zusätzliche private Geldgeberinnen und Geldgeber bieten. Normalerweise bewegen sich die Investitions-„Tickets“ der SFG bei aufstrebenden Start-ups in einer Höhe zwischen 250.000 und 1,5 Millionen Euro – je nach Art der Finanzierung und Beteiligung. Bei der Raiffeisen-Landesbank wiederum pendelt die Investitionshöhe für gewöhnlich von bis zu 500.000 Euro – bei einem Start-up – bis zu einer Million Euro bei einem wachstumsstarken Unternehmen, das sich bereits etabliert hat (Scale-up).

Dachfonds, quo vadis?

Auch österreichweit wird ein wesentliches Finanzierungsinstrument für Start-ups dieser Tage übrigens wieder heiß debattiert. Einerseits schaffte es der von der Szene ersehnte Fonds als „Start-up & Scale-up Dachfonds“ tatsächlich in das neue Doppelbudget, sprich in die entsprechenden Bundesfinanzgesetze. Zugleich betonte die für Start-ups zuständige Staatssekretärin Elisabeth Zehetner abermals, dass der Bund als „Ankerinvestor bis zu 100 Millionen Euro“ in den Fonds pumpen werde. Weil diese Summe aber andererseits als Budgetposten nirgends zu finden ist, wurden bei vielen Start-ups Zweifel laut.

Zehetners Team will auf Nachfrage der Kleinen Zeitung erst einmal beruhigen. Das Geld sei vorgesehen, gespeist werde der Topf aus „Rückflüssen und Eigenkapitalinitiativen der AWS“, also der Förderbank des Bundes. Die Summe der tatsächlichen Mittel orientiere sich an den vom Fonds lukrierten privaten Geldern, vorgesehen ist eine öffentliche Quote von 20 Prozent. Ausgeschrieben ist jedenfalls das Fondsmanagement. Ende 2027, so zumindest die Pläne der Regierung, soll der Fonds tatsächlich in erste Start-ups investieren.