Ein Hauch Wehmut liegt in der Luft, wenn Robert Wrezounik (65) über seine Karriere in der Justiz spricht. Ende Juli geht der Präsident des Landesgerichts Leoben, der in Knittelfeld wohnt, in Pension. Kein leichter Schritt nach 20 Jahren in Führungspositionen, den Arbeitsplatz im Justizzentrum Leoben zu räumen.

Wrezounik ist aber auch ein Stück erleichtert. Denn seine Nachfolge ist rechtzeitig vor seinem Rückzug geklärt: Christian Haider, der die vergangenen vier Jahre Wrezouniks Vize war, wird ihm als Präsident folgen. Die endgültige Entscheidung ist erst wenige Tage alt.

Die Stabübergabe erfolgt in personell extrem angespannten Zeiten: Das Landesgericht Leoben sei in den vergangenen Jahren – auch im Vergleich zu anderen Standorten – mit Planstellen gut dotiert gewesen. Mit den jüngsten Sparplänen der Bundesregierung sei es damit allerdings vorbei.

Seit 2022 ist Christian Haider Vizepräsident des Landesgerichts Leoben
Seit 2022 ist Christian Haider Vizepräsident des Landesgerichts Leoben © KLZ / Andreas Schöberl-Negishi

„Ich befürchte, dass es zu Verzögerungen bei den Verfahren kommen wird. Wir haben das Personal nicht, das wir bräuchten“, so Wrezounik. Durch das Sparpaket habe man eine Planstelle verloren: „Wir dürfen jetzt nur mehr 22 Richterinnen und Richter haben. Nötig wären aber 23,5 Planstellen.“

Auch wenn das Landesgericht Leoben im Vergleich zum Landesgericht Graz und dem in Klagenfurt noch besser dastehe, sei die Richterschaft in Sachen Arbeitslast am Limit: „Es ist enttäuschend, dass wir auch mit dem neuen Doppelbudget nicht die Planstellen bekommen, die wir dringend brauchen.“

Loch zumindest verkleinern

Vielmehr sei es so, dass Planstellen verschoben würden, um das Loch bei den anderen Landesgerichten zumindest zu verkleinern. Zugespitzt formuliert Wrezounik das personelle Dilemma folgendermaßen: „Derzeit müssen wir drauf schauen, dass es uns allen gleich schlecht geht. Es gibt in der Justiz eine totale Mängelverwaltung.“

In Zeiten anhaltender personeller Engpässe müsse man irgendwann sagen: „Was nicht geht, geht nicht.“ Aber: „Das schaffen unsere Richterinnen und Richter nicht, auch wenn sie keine Ressourcen mehr haben, weil sie mit so hohem Verantwortungsgefühl zu Werke gehen, und nichts liegen lassen, sondern immer alles konsequent und qualitätsvoll aufarbeiten wollen.“

Landesgerichtspräsident Robert Wrezounik findet klare Worte für die schwierige personelle Situation in der Justiz
Landesgerichtspräsident Robert Wrezounik findet klare Worte für die schwierige personelle Situation in der Justiz © KLZ / Andreas Schöberl-Negishi

Er hoffe aber, dass sich die Jugend auch in Zukunft nicht davon abhalten lasse, einen Beruf im Justizbereich anzustreben: „Ich würde den Beruf heute wieder ergreifen. Es gibt keinen schöneren Beruf als den des Richters“, betont Wrezounik. Die Debatte um eine etwaige Schließung mehrerer Standorte von Bezirksgerichten habe er mit zumindest gemischten Gefühlen verfolgt.

Man habe es geschafft, dass die sieben Bezirksgerichte im Gerichtssprengel Obersteiermark in Bruck, Mürzzuschlag, Leoben, Murau, Judenburg, Liezen und Schladming gleichmäßig ausgelastet seien: „Die Ministerin hat suggeriert, dass die Qualität der Arbeit in größeren Einheiten besser sei. Das kann man so aber nicht sagen. Kleinere Standorte haben ihren Stellenwert“, so Wrezounik.

Schladming ist ein „Sorgenkind“

Die Standorte Mürzzuschlag und Murau stehen für ihn „außer Diskussion“, das Bezirksgericht Schladming sei indes ein „Sorgenkind“: Es sei schwer, für dort Personal zu bekommen, nun sei aber eine Richterin für Schladming und Liezen neu ernannt worden: „Das ist ein großes Glück“, sagt Wrezounik. Die Diskussion um eine mögliche Schließung sei momentan vom Tisch, aber nicht deshalb, weil es dort nun eine neue Richterin geben wird: „Der Ministerin fehlt für ihre Pläne der politische Konsens.“

Das Landesgericht Leoben ist für die gesamte Obersteiermark als Gerichtssprengel zuständig
Das Landesgericht Leoben ist für die gesamte Obersteiermark als Gerichtssprengel zuständig © KLZ / Andreas Schöberl-Negishi

Vom 12. bis 16. Oktober werde es eine österreichweite Protestwoche der Justiz geben. In Analogie zum Equal Pay Day wolle man signalisieren, dass man mit den personellen Ressourcen ab dem Zeitpunkt bis Ende des Jahres keine Arbeitszeit mehr zur Verfügung habe. In dieser Woche soll die Arbeit niedergelegt werden.

„Einfach raus in die Natur“

In seiner Pension werde ihm sicher nicht langweilig: „Ich werde alles das tun, wozu in den vergangenen Jahren zu wenig Zeit war. Dazu gehört Bewegung mit unserem Hund, einfach raus in die Natur. Außerdem möchte ich mich mehr der Kulinarik und Kultur widmen und Österreich und Italien im wahrsten Sinn des Wortes mehr erfahren.“