Schwitzen ist gesund, aber schön ist es nicht. Ich weiß nicht, wie viele Menschen ich in diesen Wochen gesehen habe, die sich im unbeschatteten Fußgängerverkehr zwecks Belüftung ihrer Achselhöhlen das Bewegungsmuster „echauffierter Gorilla“ angewöhnt haben (scharfer Trab, abgespreizte Oberarme). Aber wer sich im Freien bewegt, braucht Strategien zur Bewältigung von Hitze und übermotivierten Schweißdrüsen, dafür habe ich alles Verständnis der Welt.

In Varenna am Comosee, einem mir bisher völlig unbekannten Ort, wohl, weil ich weit weniger elegante Urlaubsziele frequentiere, müssen ab sofort Touris, die ohne Hemd oder in Badekleidung durch die Gassen streifen, bis zu 200 Euro Strafe zahlen, weil es den Bewohnern der Stadt missfällt. Die Verordnung zeigt, finde ich, Bürgernähe: Ein Hoch dem Bürgermeister, der das verfügt hat; der Mann hat offenbar Kultur. Oder einfach keine Lust mehr, von seinem Rathausfenster aus Urlaubern auf ihre Rückenhaare bzw. shrimpfarbenen Sonnenbrände zu schauen. Oder die Hitze hat ihn unleidlich gemacht.

Das Hirn übersetzt die Zeichen falsch

In Varenna hatte es heuer bereits 37 Grad und mehr, und wie ich jüngst gelesen habe, ist übermäßige Hitze ja nicht nur gefährlich für Leib und Leben, sondern auch echter Stimmungszündstoff: An besonders heißen Tagen steigt tatsächlich die Aggression, weil der Körper per gesteigertem Herzschlag, Schwitzen und Kurzatmigkeit auf die Hitze reagiert und das Hirn sich diese Zeichen als seelische Belastung übersetzt. Man reagiert auf Störung und Verdruss daher schärfer als bei moderateren Temperaturen. Was z.B. die Bereitschaft steigert, den Typen, der sich im Supermarkt direkt vor der eigenen Nase die letzte, Lebensrettung versprechende Wassermelone ins Wagerl lädt, auf der Stelle zu Ringkampf bzw. Gottesentscheid herauszufordern. Oder dem ansonsten geliebten Menschen den Krach des Jahres um die Ohren zu hauen, weil er die Schlapfen schon wieder im Gang stehen hat lassen, obwohl man ihm schon! hundert!! Mal!!! gesagt hat, dass er sie ins Regal räumen soll (frei erfundene Dramenhandlung).

Hilfe gegen hitzebedingten Ingrimm schaffen dunkle, kühle Räume und viel kaltes Wasser auf den Puls. Sowie die Aussicht auf die komfortableren Temperaturen, die uns nächste Woche erreichen sollen. Wobei ich persönlich überhaupt dafür wäre, Temperaturen über 30 Grad in ganz Österreich zu verbieten, aber darum kümmert sich wieder keiner. Hier zeigt sich einmal mehr die mangelnde Bürgernähe unserer Politik.