Im Rückblick betrachtet war es wohl ein Bruch mit Ansage bei den Neos. Wenn sich eine Partei, die 2012 gegründet wurde, das System Österreich in seinen Grundfesten zu erneuern, ausgerechnet in einer Koalition mit den beiden Systemparteien ÖVP und SPÖ wiederfindet, dann muss Regieren fast zwangsläufig zu einem ernüchternden Rendezvous mit der Realität werden. Und zwar vorrangig für die kleinste Koalitionskraft, die Neos. Zu weit klaffen dabei Anspruch und Ankündigungen mit der Wirklichkeit kleiner und kleinster Reformen auseinander.

So gesehen war die wachsende Entfremdung zwischen der Parteiführung rund um Außenministerin Beate Meinl-Reisinger und dem meinungsstarken Co-Gründer der Neos, dem Steirer Veit Dengler, vorhersehbar. Überraschend war die Wucht, mit der das Zerwürfnis zum Parteiausschluss eskalierte. Denglers zentrale Kritik, wonach die Chefin autoritär führe und die Gründungsidee der Partei beiseite schiebe, wird nachhallen. Nicht nur bei der politischen Konkurrenz, sondern auch an den Rändern von Neos, wo sich die Unzufriedenen und Enttäuschten sammeln. Das kann der Beginn einer gefährlichen Entwicklung sein. Schlag nach bei den Grünen, die sich 2017 selbst aus dem Parlament katapultierten.