Der Begriff Ruhestand ist für Walter Gradischnig ein Fremdwort – Unruhestand gefällt ihm das wohl besser. Denn trotz seines stolzen Alters von 84 Jahren ist der Klagenfurter nach wie vor – wenngleich auch nur geringfügig – beschäftigt und bringt es demnach auf beachtliche 70 Versicherungsjahre.

Täglich (außer an Sonn- und Feiertagen) fährt der 84-Jährige – sofern es die Witterung zulässt – mit dem Rad in die Innenstadt. Es ist gegen 8 Uhr, wenn Gradischnig im Geschäft „Optik Buffa“, das mittlerweile von seiner ältesten Tochter Ines Hrassnig in bereits sechster Generation geführt wird, nach dem Rechten sieht. „Ich bin meistens der Erste im Geschäft“, erzählt der dreifache Vater und fünffache Großvater voller Stolz. Die Ruhe im wohl ältesten Fachgeschäft der Branche in ganz Österreich nutzt er, um die sogenannte Glaspost zu erledigen. „Dabei weise ich jedes Glas dem jeweiligen Kunden zu“, klärt der 84-Jährige auf. Die Arbeit erfordert höchste Konzentration, es darf kein Fehler passieren.

„Facility Manager“ steht bis 11 Uhr im Geschäft

Danach kümmert sich Gradischnig um Glühbirnen, die ausgetauscht werden müssen, oder andere kleine Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten. Bei diesen Tätigkeiten kommt ihm seine erste Lehrausbildung zum Tischler zugute. Tochter Ines und damit die Chefin ihres Vaters nennt ihn liebevoll „meinen Facility-Manager.“ Er selbst bezeichnet sich als „Mädchen für alles“. „Dienstschluss“ für Gradischnig ist – je nach Arbeit – gegen 11 Uhr. Danach trifft er sich zumeist mit Freunden auf einen Kaffee.

Walter Gradischnig mit seiner Schwiegermutter Herta Heuberger, die frühere Chefin bei „Optik Buffa“
Walter Gradischnig mit seiner Schwiegermutter Herta Heuberger, die frühere Chefin bei „Optik Buffa“ © Privat/kk

Im Alter von 14 Jahren ist der Klagenfurter in das Berufsleben eingestiegen, im elterlichen Tischlereibetrieb hat er mit der Lehre begonnen und es in dieser Branche bis zur Meisterprüfung geschafft. 1965 lernte er seine spätere Frau Waltraud kennen und lieben und wechselte damit die Branche.

Gradischnig heuerte bei Schwiegermutter Herta Heuberger als Lehrling an und absolvierte auch im Bereich der Optometrie die Meisterprüfung. In Berlin bildete er sich im Bereich der Kontaktlinsen weiter. „Wir waren damals einer der ersten Betriebe in Österreich, die sich mit diesem Thema befasst haben“, blickt der doppelte Meister stolz zurück. Bis vor 24 Jahren war Walter Gradischnig der Ansprechpartner für Kontaktlinsen bei „Optik Buffa“. Die Jahre bis zu seiner Pensionierung hat er nie gezählt.

Kopf und soziale Kontakte

Damals wie heute kann er sich ein Leben ohne Arbeit nicht vorstellen. „Ich verstehe Menschen nicht, die bis Mittag im Pyjama herumlaufen", macht der Klagenfurter, der von einigen Freunden und Bekannten für sein Engagement sogar beneidet wird, aus seiner Meinung keinen Hehl. Für ihn sei die tägliche Arbeit wichtig – für den Kopf und für die sozialen Kontakte. „Wichtig ist es, eine Aufgabe zu haben“, erklärt Gradischnig, der für seine Urlaube und seine Freizeitaktivitäten – am liebsten schwingt er den Golfschläger oder schnallt die Ski an – sogar Rücksicht auf den Dienstplan nimmt.