Gleich vorweg die schlechte Nachricht: Der Pleitegeier kreist weiter über der Landeshauptstadt. Jetzt die gute Nachricht: Trotz wirtschaftlich unsicherer Lage und entgegen dem kärntenweiten Trend ist im Raum Klagenfurt und Klagenfurt-Land bei der Anzahl der Firmeninsolvenzen ein Rückgang feststellbar. In absoluten Zahlen ausgedrückt: In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 gab es insgesamt 78 Firmeninsolvenzen – im Vorjahr, von Jänner bis Juni 2025, waren es um acht mehr. Davon wurden 36 Verfahren am Landesgericht Klagenfurt eröffnet, während 42 Verfahren mangels Masse abgewiesen wurden.

Letztere bereiten den Kreditschützern Sorgen. Jene Insolvenzverfahren sind nämlich zum Vergleichszeitraum 2025 um fast 50 Prozent, von 28 auf 42 Verfahren, angestiegen. „Bei diesen Insolvenzen gibt es somit keine finanziellen Mittel mehr, um in einem ordentlichen Insolvenzverfahren eine Weiterführung der unternehmerischen Tätigkeit und die Finanzierung des Sanierungsplanes zu ermöglichen,“ erklärt Beatrix Jernej, Geschäftsstellenleiterin des AKV in Kärnten.

Mehr kleine Unternehmen betroffen

Die Höhe der Passiva ist von 59,28 auf rund 22,01 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2026 gesunken. Für Jernej ein Zeichen, dass im Raum Klagenfurt vermehrt wirtschaftlich kleine Unternehmen in die Insolvenz schlittern. Die größte Pleite legten die SK Austria Klagenfurt GmbH und der SK Austria Klagenfurt mit Passiva von rund 5,7 Millionen Euro hin, gefolgt von der Transportfirma „FOCUS-TRANS LJ e.U.“ mit Verbindlichkeiten in Höhe von 3,76 Millionen Euro und schließlich die Insolvenz einer Reinigungsfirma aus Grafenstein, die Passiva in der Höhe von 2,5 Millionen Euro aufweist.

Beatrix Jernej vom AKV rechnet für das Gesamtjahr 2026 mit einer Zunahme an Firmen- und Privatinsolvenzen
Beatrix Jernej vom AKV rechnet für das Gesamtjahr 2026 mit einer Zunahme an Firmen- und Privatinsolvenzen © Weichselbraun Helmuth

Durch die Insolvenz der SK Austria Klagenfurt GmbH und der SK Austria Klagenfurt wurden mit 42 betroffenen Dienstnehmern die meisten Arbeitsplätze gefährdet. „Bedauerlicherweise hat sich im Raum Klagenfurt die Anzahl der betroffenen Dienstnehmer zum Vergleichszeitraum 2025 von 120 Dienstnehmer erhöht“, sagt Jernej. Die Pleite der Transportfirma „FOCUS-TRANS LJ e.U.“ betraf immerhin noch 22 Arbeitsplätze, jene der „Asia Fresh Gastronomie“ weitere 18.

Gastronomie am stärksten betroffen

Nach Branchen gereiht, entfallen die meisten Firmenpleiten auf die Gastronomie. Die hohen Preise an den Zapfsäulen haben auch die Anzahl der Insolvenzen der Transportbranche stark steigen lassen. Danach registriert die Baubranche eine hohe Anzahl an Insolvenzen in der Region.

Leicht gestiegen ist im Raum Klagenfurt die Zahl der eröffneten Privatinsolvenzen. Der Anstieg beläuft sich auf 8,48 Prozent, stieg von 118 auf 128 Schuldenregulierungsverfahren. Das Niveau gehalten hat die Höhe der Passiva bei den Privatkonkursen, diese beläuft sich auf 10,55 Millionen Euro. Die durchschnittliche Verschuldung der Klagenfurter pendelt sich damit bei 85.600 Euro ein.