„Ich hatte Todesangst. Ich dachte an eine Amokfahrt, als ich das Auto sah“, schilderte eine Zeugin der Polizei. „Er fuhr ohne Rücksicht auf Verluste, steuerte auf mich zu, raste nur einen Meter neben mir vorbei“, erklärte ein Bauarbeiter.
Man muss von einer Wahnsinnsfahrt auf der Pyhrnautobahn sprechen, allein wenn man die gewählte Route des Lenkers betrachtet. Der Schwede war teilweise als Geisterfahrer unterwegs und raste in Baustellenareale, gefährdete Arbeiter und zig Verkehrsteilnehmer, ehe er nach einem provozierten Unfall zum Stillstand kam. Nun musste sich der 42-Jährige am Grazer Straflandesgericht verantworten.
„Halsbrecherische Fahrt“ über Baustelle
„Das war eine halsbrecherische, gefährliche Fahrt“, fasst der Staatsanwalt den Vorfall von Ende April zusammen und benennt die Eckpunkte: Der erste Gefahrenpunkt war die Baustelle auf der A 9 zwischen Seiersberg und dem Knoten Graz-Webling. Dort soll der 42-Jährige in das abgesperrte Areal reingerast und auf zwei Arbeiter zugesteuert sein. Erst wenige Meter vor ihnen lenkte er wieder auf den regulären Fahrstreifen zurück. Kurz darauf wurde er zum Geisterfahrer, fuhr wieder Richtung Süden und erneut auf einen Bauarbeiter zu.
Dann machte er wieder kehrt. Den Plabutschtunnel durchquerte der im Irak geborene Schwede in Schlangenlinien. Im Gratkorntunnel zwang der 42-Jährige einen Motorradfahrer zu einer Notbremsung. Dann soll er auf der A 9 schließlich mit Absicht einen Unfall provoziert haben. „Ich bin in voller Absicht in den Pkw gefahren, damit ich festgenommen werde“, erklärte der Mann der Polizei.
Wahnsinnsfahrt: „Hohes Fremdgefährdungspotenzial“
Da sich der Lenker auch nach dem Unfall auffällig verhielt, wurde ein Psychiater bestellt. Gutachter Manfred Walzl diagnostizierte eine akute Störung (Schizophrenie), der Schwede habe ein „hohes Fremdgefährdungspotenzial“. Aufgrund seines psychischen Zustands beantragt die Staatsanwaltschaft eine Einweisung. Der 42-Jährige sitzt deshalb auch als Betroffener, nicht als Angeklagter im Gerichtssaal. „Er dachte damals, dass sein Navi gehackt worden ist und dass er verfolgt werde“, erläutert dazu der Staatsanwalt.
Jetzt befragt, meint der Schwede: „Ich bin unsicher, was an diesem Tag Fantasie und was Wahrheit ist – es ist alles vermischt gewesen. Ich möchte mich entschuldigen. Ich war in einem sehr dunklen Geisteszustand.“ Ja, er „wollte Aufmerksamkeit erregen, aber keineswegs mit einem Unfall“. Das Auto habe er nicht mit Absicht gerammt, verfolgt habe er sich aber gefühlt. „Warum fahren Sie denn nicht zur Polizei, wenn Sie verfolgt werden?“, fragt Richterin Patricia Flucher-Zrelec. – „Ich habe damals nicht klar denken können ...“
„Er war im Burn-out-Zustand“
Der Verteidiger des Schweden bringt vier Punkte als Erklärungsversuch vor: Sein Mandant sei Energy-Drink-Hersteller im „Burn-out-Zustand mit sehr vielen Kunden“. Ein Monat vor der Fahrt sei er zu Hause im Irak gewesen, „wo links und rechts die Bomben flogen“. Familiäre Probleme mit der pubertierenden Tochter tun ihr Übriges. Dazu komme „Stress, weil mein Mandant auch Erfinder ist“.
Das Gericht folgt schlussendlich dem Antrag der Staatsanwaltschaft, von einer Einweisung könne vorläufig nicht abgesehen werden. Die Unterbringung ist noch nicht rechtskräftig.