„Die Zeit, die wir in der Gastronomie erlebt haben, war die wirklich sehr angenehme, in der man alles Positive miterfahren konnte. Nicht so wie heute mit den Auflagen und dem Gästeverhalten“, ist sich Gottfried Engleitner sicher. Gemeinsam mit seiner Frau Sylvia hat er die Gastronomie im Mariazellerland jahrzehntelang mitgestaltet, nun verabschiedete sich das Gastronomenpaar im Frühjahr mit der Pachtübergabe des Herrenhauses am Erlaufsee endgültig in den Ruhestand.
Ihr Stammhaus, das Wirtshaus „Zum Bäreneck“ auf der Gemeindealpe Mitterbach, haben sie bereits im Juli 2025 an Marion Plott und Harald Schweighofer übergeben. In beiden Fällen sei der Wechsel gut verlaufen, zum Herrenhaus hält Engleitner fest: „Es war uns ein Anliegen, dass es gewerblich bleibt und nicht eine weitere große Wohnung entsteht.“ Diesbezügliche Anfragen habe man genügend gehabt, ehe sich die Familie Decleva vom gleichnamigen Mariazeller Bio-Fischgeschäft als Pächter fand.
Große Namen am See
Für die Engleitners geht damit eine Ära zu Ende: Als eines von drei Kindern einer Gastwirtfamilie in Mariazell wurde Gottfried Engleitner die Gastronomie sozusagen in die Wiege gelegt, nach dem erfolgreichen Abschluss der Tourismusschule „Modul“ in Wien machte er sich mit seiner Gattin selbstständig. Zusätzlich zum Wirtshaus auf der Gemeindealpe nahm man dann das Herrenhaus als zweites Standbein dazu und funktionierte es vom Hotel zum Restaurant mit Ferienwohnungen um.
„In den Anfängen waren wir umfassend für den See tätig und haben auch das alte Strandbuffet und den Bootsbetrieb viele Jahre geführt“, erinnert sich Engleitner. Besonders gern blickt er zudem auf die Konzerte zurück, die man im Sommer am Erlaufsee veranstaltete: Gruppen wie Opus, die Edlseer oder die Stoakogler beehrten damals das Gewässer an der steirischen Grenze, „wegen unserer Freundschaft hat auch die Jazz-Gitti zigfach da gespielt“, erzählt Engleitner.
Generationen liebten Apfelstrudel und Cremeschnitten
Vieles hat sich seitdem in der Gastronomie und im Mariazellerland verändert, was blieb, waren die Stammgäste, die das Ehepaar Engleitner regelmäßig besuchten. „Man kennt praktisch drei Generationen", freut sich der Gastronom. Neben dem Ambiente ist dafür sicherlich auch die Küche mitverantwortlich. „Wir haben immer alles selber gemacht und nichts zugekauft. Meine Gattin war zum Beispiel mit ihrem Apfelstrudel total publik, bei meinem Schwiegersohn Andreas waren es die Cremeschnitten, nach denen wird heute noch gefragt“, lacht Engleitner.
Die Nachfrage bestätigen auch die neuen Pächter von der Familie Decleva, deren Sohn Fabian künftig das Herrenhaus mit einem jungen, vierköpfigen Team bespielen wird. „Für uns ist es eine Riesen-Challenge und viel ‚Learning-by-doing‘, aber es wird jedes Wochenende besser. Bis wir auf dem Niveau des Vorgängers sind, wird es aber sicher noch einige Zeit dauern,“ meint er. Ziel sei es, die Gastrotradition der Engleitners weiterzuführen – unter anderem mit Fischdelikatessen aus eigener Produktion. Trotz der Pension steht Gottfried Engleitner ihnen auf diesem Weg weiterhin mit Rat und Tat zur Seite.