Monatelange Vorbereitungen und ein Budget von 220.000 Euro: Die Stadt Villach lässt sich die Sicherheit beim Kirchtag heuer einiges kosten. Mit der Erstellung des neuen Sicherheitskonzepts wurde der Sicherheitsmanager Herbert Wagner beauftragt, der seit Jahrzehnten für die Sicherheit der größten Veranstaltungen Österreichs verantwortlich ist. Mit bis zu einer halben Million Besucherinnen und Besucher zählt auch der Villacher Kirchtag zu den Veranstaltungen der „Oberliga“ wie das Donauinselfest, der Eurovision Song Contest oder das Nova Rock. Heuer soll in Sachen Sicherheit nichts dem Zufall überlassen werden.

Kern des Konzepts ist ein durchgehend besetzter Einsatzstab in den Räumlichkeiten des Stadtmarketings. Videomaterial von 15 Kameras, die das gesamte Stadtgebiet abdecken, wird live dorthin übertragen. Sogenanntes „Crowdmanagement“ ist für Veranstaltungen in der Größenordnung des Villacher Kirchtags längst Standard: Expertinnen und Experten beobachten die Bilder und reagieren in Echtzeit auf Überfüllung an bestimmten Orten. Securitys und Einsatzkräfte können bei Bedarf zielgenau dorthin gesteuert werden, wo sie gebraucht werden. Das Videomaterial wird standardmäßig 72 Stunden lang aufbewahrt und kann im Bedarfsfall für Ermittlungen nach Übertretungen herangezogen werden.

„Für den Kirchtag werden Kräfte aus ganz Kärnten zusammengezogen. Alles was die Polizei bieten kann, wird im Einsatz sein“, erklärt Stadtpolizeikommandant Erich Londer. Dazu zählen Polizisten in Zivil, Drohnen, Hubschrauber und ein Polizeiboot, das durchgängig besetzt und einsatzbereit sein wird.

Am 10. Juli wurde das neue Sicherheitskonzept für den Villacher Kirchtag präsentiert
Am 10. Juli wurde das neue Sicherheitskonzept für den Villacher Kirchtag präsentiert © KLZ/Julia Wiesflecker

Notstrom für die Sicherheitsbeleuchtung

„Wir wollen den Villacher Kirchtag dem Stand der Technik anpassen“, erläutert Wagner einen weiteren Punkt. Dazu gehören neben der Hightech-Kameras für das Crowd-Management auch eine flächendeckende Sicherheitsbeleuchtung inklusive netzunabhängiger Stromversorgung. Auch im Falle eines Stromausfalls möchte man vorbereitet sein und garantieren, dass Menschen sicher das Gelände verlassen können.

Schwer entflammbare Dekoherzen

Nach aktuellen Fällen wie dem verheerenden Brand in Crans-Montana, der 41 Menschenleben forderte, oder den Brand in einem Grazer Lokal, bei dem eine junge Frau starb, seien Behörden aktuell sehr genau bei der Kontrolle von Brandschutzmaßnahmen. „Wenn etwas passiert, wird man hellwach“, so Wagner. Daher wurde auch das Brandschutzkonzept für den Villacher Kirchtag genauestens begutachtet. Heuer gibt es für alle Wirtinnen und Wirte schwer entflammbares Dekomaterial in Form der Kirchtagsherzen, das im Stadtmarketing zum Selbstkostenpreis abgeholt werden kann. Anderes Dekomaterial muss von Fachleuten imprägniert werden.

„Uns ist wichtig: Sicherheit soll präsent sein, ohne die Stimmung zu beeinträchtigen“, erklärt Kirchtagsobfrau und Vizebürgermeisterin Gerda Sandriesser. Nicht alle der zahlreichen Maßnahmen sind neu, das bestehende Sicherheitskonzept aus dem Jahr 2015 wurde laut Wagner mitgedacht. So ändert sich beispielsweise beim Fahrverbot ab 16 Uhr, bei der Trinkgläser-Regelung in der Kernzone sowie beim Einsatz des AT-Alert zur Information bei drohenden Unwettern nur wenig. Auch zahlreiche Absperrungen von Gefahrenstellen soll es wieder geben – nach dem tödlichen Mauersturz im Jahr 2023, ist dies für Kirchtagsbesucher bereits ein gewohntes Bild.

„Es geht um Menschenleben“

Auf die Frage nach der Notwendigkeit des detailreichen Konzepts, nachdem es 80 Ausgaben des Villacher Kirchtags ohne ein solches gab, ist die Antwort des Sicherheitsexperten eindeutig: „Rahmenbedingungen und rechtliche Situationen verändern sich. Sicherheit kostet zwar Geld, aber es geht um Menschenleben, die man in Gefahr bringt, wenn man an der falschen Stelle spart.“

Der finanzielle Rahmen von 220.000 Euro wurde übrigens einstimmig im Stadtsenat beschlossen. Wie viel von diesem Budget tatsächlich ausgegeben wird, wird sich erst zeigen, wenn alle Maßnahmen umgesetzt wurden. Stadtmarketingchef Pierre Bechler, in seiner Rolle einer der Hauptverantwortlichen des Villacher Kirchtags, gab bei der Pressekonferenz kein Statement zum Sicherheitskonzept ab.