Es war ein trauriges Ereignis, das Uwe Bauer-Schartner dazu bewogen hat, Medizin zu studieren. Er hat gerade die achte Klasse des Gymnasiums Knittelfeld besucht, war nicht sicher, was er studieren sollte. „Zu dieser Zeit ist mein Papa an Bauspeicheldrüsenkrebs erkrankt und leider verstorben. Damals war Peter Wilfinger unser Hausarzt. Er hat meinen Vater und uns Angehörige dermaßen menschlich und liebevoll betreut, dass ich den Entschluss gefasst habe: Ich werde Arzt.“

Neuer Hausarzt

Was er damals nicht ahnen konnte: Rund 30 Jahre nach diesem Entschluss sitzt er in genau jener Ordination in Seckau, die der inzwischen verstorbene Peter Wilfinger einst geführt hat.

Im Jahr 2010 übernahm Robert Missmann diese Kassenstelle, er ist mit Anfang Juli in Pension gegangen. Und nun ist eben der aus St. Marein-Feistritz gebürtige Uwe Bauer-Schartner der neue Hausarzt der Bevölkerung von Seckau und Umgebung.

Die Kleine Zeitung hat ihn und seinen Vorgänger Robert Missmann zu einem Gespräch in der Ordination getroffen. Dass sich die beiden blendend verstehen, ist auf den ersten Blick ersichtlich. „Tipps muss ich diesem erfahrenen Mediziner keine mehr geben“, schmunzelt Missmann.

Robert Missmann (67) freut sich über großen Zuspruch, den er in anlässlich seines Pensionsantritts erfahren hat
Robert Missmann (67) freut sich über großen Zuspruch, den er in anlässlich seines Pensionsantritts erfahren hat © KLZ / Josef Fröhlich

Immerhin war Bauer-Schartner (47) zehn Jahre praktischer Arzt im Raum Eisenerz. Zuvor arbeitete er in mehreren Spitälern. Der Vergleich macht ihn sicher, dass es richtig war, Landarzt zu werden: „Ich war im Krankenhaus unglücklich und hatte ständig das Gefühl, zu wenig Zeit zu haben. Patienten kommen und gehen, während man als Allgemeinmediziner den Menschen dahinter kennenlernt.“ Aus seiner Erfahrung in Eisenerz weiß er: „Man kennt mit der Zeit nicht nur die Patienten, sondern auch deren Familien- und Wohnverhältnisse, und das alles hilft, eine bessere Diagnose zu stellen.“

Vier Patienten am Tag

Robert Missmann erinnert sich an seine erste Ordination, die er 1991 in Kleinlobming eröffnet hat: „Damals hatte ich im Schnitt vier Patienten am Tag“, lacht er. Aber diese habe er umfassend betreuen können: „Das hat mir sehr geholfen, ein gutes Gefühl zu entwickeln.“ Beziehungen aufbauen, auf die eigene Intuition vertrauen und vor allem Gespräche führen seien neben körperlichen Untersuchungen die wichtigsten Geheimnisse eines guten Allgemeinmediziners.

Uwe Bauer-Schartner war zuletzt Allgemeinmediziner in Eisenerz und hat nun die Kassenstelle in Seckau übernommen
Uwe Bauer-Schartner war zuletzt Allgemeinmediziner in Eisenerz und hat nun die Kassenstelle in Seckau übernommen © KLZ / Josef Fröhlich

So sieht das auch sein Nachfolger, und fügt hinzu: „Ich habe es selber erlebt, wie mein Vater krank war. Da brauchst du jemanden, der dir zuhört, dir die Hand auf die Schulter legt und sagt: Ich bin für dich da.“

Bleibt genügend Zeit?

Aber wie ist das mit der Zeit für Patienten? Bleibt genug davon? Bauer-Schartner: „Ich schaue nicht so genau auf die Zeit. So lange, wie es dauert, dauert es. Aber natürlich musst du alles unter einen Hut bringen, ich habe eine Familie mit drei minderjährigen Kindern, möchte auch Zeit für mich selbst haben, etwa für Sport.“ Am Ende eines Arbeitstages wolle er sich aber immer in den Spiegel schauen können: „Wenn ich das Gefühl habe, ich habe jemanden schlecht behandelt, verfolgt mich das.“

KI als Hilfsmittel

Während Robert Missmann noch ohne Computer angefangen und den digitalen Wandel von Beginn an mitgemacht hat, war moderne Technik für Uwe Bauer-Schartner immer Normalität. Bis hin zur künstlichen Intelligenz, die er nicht scheut: „Ich sehe die KI als Hilfsmittel. Sie durchforstet für mich das Internet und hilft mir, Zeit zu sparen. Das Wissen in der Medizin ufert aus, du kannst nicht überall am neuesten Stand sein.“

Diagnosen von Doktor Google

Dass Patienten mit Diagnosen von „Doktor Google“ kommen, ist für Ärzte heutzutage normal: „Ich glaube aber, je mehr Vertrauen du als Hausarzt vermitteln kannst, desto weniger haben Patienten das Bedürfnis, selbst im Internet zu suchen“, glaubt Bauer-Schartner.

Zuspruch

Sein Vorgänger Robert Missmann gewöhnt sich in die Pension ein und freut sich über den enormen Zuspruch, den er zu seinem Abschied erhalten hat. Er lebt in Kobenz-Hautzenbichl, ist aber in Seckau aufgewachsen. Seine Eltern haben einst den Hofwirt geführt. Der 67-Jährige kennt die Seckauerinnen und Seckauer buchstäblich in- und auswendig, und er ist überzeugt, dass sie seinem Nachfolger das volle Vertrauen schenken werden.