Wie steht es um das Problem Borkenkäfer in Unterkärnten? „Insgesamt befinden sich die dokumentierten Borkenkäferschäden in Wolfsberg und Völkermarkt derzeit auf einem mittleren Niveau“, sagt Till Hallas vom Institut für Forstentomologie, Forstpathologie und Forstschutz der Universität für Bodenkultur Wien (Boku). „In beiden Bezirken sind sie 2024 deutlich angestiegen und 2025 wieder leicht zurückgegangen.“

Till Hallas, Forstwissenschaftler an der Boku Wien
Till Hallas, Forstwissenschaftler an der Boku Wien © KK/Hannes Tell

Ob sich die Situation heuer wieder verschärft, hänge vor allem von der Witterung ab. „Je nach Witterung könnten sie durch langanhaltende Trockenheit und hohe Temperaturen heuer wieder zunehmen“, erklärt Hallas. Dafür gebe es mehrere Gründe: Nach Sturmereignissen und den Borkenkäferschäden der vergangenen Jahre sei „eine gewisse Grundpopulation des Borkenkäfers vorhanden“. Zudem sei bereits das Jahr 2025 in Süd- und Ostkärnten „verhältnismäßig trocken“ gewesen. Durch Hitze und Trockenheit geschwächt, werden selbst gesunde Fichten anfällig für Borkenkäferbefall.

Aufgrund der aktuellen Wetterlage empfiehlt der Forstschutzexperte verstärkte Kontrollen. Die erste Borkenkäfergeneration sei „bereits in weiten Teilen Österreichs ausgeflogen, die zweite Generation entwickelt sich“. Gerade jetzt seien regelmäßige Kontrollen entscheidend, „damit frischer Befall frühzeitig erkannt und größere Ausbrüche verhindert werden“. Es sei „erhöhte Vorsicht geboten“, so Hallas. „Bei langanhaltenden Dürren und hohen Temperaturen wird es kritisch.“ Nachdem März und April sehr trocken gewesen seien, hätten Niederschläge im Mai und Anfang Juni die Lage vorübergehend entspannt. „Die Hitzewelle im Anschluss hat die Situation aber wieder verschärft.“

Schäden wie in Osttirol seien nach derzeitigem Datenstand nicht zu erwarten. „Diese bewegen sich in anderen Sphären“, betont Hallas. Wirtschaftlich spürbar seien die Borkenkäferschäden aber auch in den Bezirken Wolfsberg und Völkermarkt. Rund 85 Prozent der Schäden gehen auf den Buchdrucker zurück, die bedeutendste Borkenkäferart in heimischen Fichtenbeständen. Durch den Klimawandel seien auch höhere Lagen, wo die Fichte im Gegensatz zu den Tallagen natürlich vorkommt, längst nicht mehr sicher. Generell brauche es resilente Mischwälder statt Fichtenkulturen. „Durch den Klimawandel wird sich das Waldbild gravierend ändern“, prognostiziert Hallas.

Marian Tomažej, BH Völkermarkt, Forstwirtschaft
Marian Tomažej, BH Völkermarkt, Forstwirtschaft © LK

Die Situation vor Ort im Blick hat Marian Tomažej von der Abteilung für Forstwirtschaft der Bezirkshauptmannschaft Völkermarkt. Man verzeichne einen „schon eher sehr hohen Befallsdruck aufgrund der Wetterlage“. Sein Kollege Stefan Baumgartner ergänzt: „Die Vorzeichen sind schlecht. Zurzeit haben wir Stehendbefall: Die Bäume sind schon kaputt, aber noch nicht braun. Es ist davon auszugehen, dass das Ende Juli oder Anfang August sichtbar wird.“ Der Käfer habe „flächendeckend“ zugeschlagen, sagt Tomažej. „Schwerpunkt sind die Beckenlagen des Jaunfelds aber auch die Südhänge der Saualpe, weil dort die Hitzewirkung noch schlimmere Folgen hat.“

Zwar habe der Borkenkäfer natürliche Feinde wie Spechte oder den Ameisenbuntkäfer, „aber unter diesen Bedingungen haben die Antagonisten keine Chance“. Was also tun? „Das Holz sofort aus dem Wald verbringen, solange der Käfer noch unter der Rinde ist, irgendwohin, wo er danebenstehende Bäume nicht mehr befallen kann“, so Tomažej, denn das Insekt sei „kein besonders guter Flieger“. Vor der Verpuppung helfe auch schon das bloße Entrinden, da die Larven dann verenden oder gefressen werden. Längerfristig sei es „naheliegend, nicht mehr aktiv mit Fichte aufzuforsten“. Tomažej verweist auf Förderungen für Mischwaldaufforstungen.

„Möglichst viel Schadholz möglichst schnell entfernen“

„An sonnenexponierten Hängen und in den Tieflagen merken wir, dass der Druck durch den Borkenkäfer zunimmt“, berichtet Markus Riegler von der Abteilung für Forstwirtschaft der Bezirkshauptmannschaft Wolfsberg. „In Höhen- und Schattenlagen ist die Situation noch besser. In Tieflagen wird die Fichte daher zunehmend durch Mischwald ersetzt, aber auch in höheren Lagen gerät sie unter Druck.“ Alternativen gibt es etwa mit dem Bergahorn. „Auf 1000 bis 1300 Metern funktionieren Laubbäume ganz normal“, sagt Riegler. „Selbst auf 1600 Metern Seehöhe habe ich schon eine Buche als Naturverjüngung gefunden“ – also einen Baum, der sich dort ohne menschliches Zutun angesiedelt hat.

Markus Riegler, BH Wolfsberg, Forstwirtschaft
Markus Riegler, BH Wolfsberg, Forstwirtschaft © KK/Privat

Eine Explosion der Borkenkäferpopulation zeichnet sich für Riegler im Lavanttal nicht ab – „solange wir von größeren Kalamitäten wie dem Sturmtief Paula 2008 verschont bleiben“. Dennoch gelte: „Möglichst viel Schadholz möglichst schnell entfernen.“ Waldbesitzer, die „sehr bedacht sind auf ihren Wald“, würden das ohnehin eigenständig erledigen. In anderen Fällen mache die Forstaufsicht die Waldbesitzer auf Borkenkäferbefall aufmerksam.