Wie schaut angesichts der veränderten klimatischen Bedingungen der Wald der Zukunft aus? Welche Baumarten werden dominieren und welche werden verschwinden? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Klimaforscher, Meteorologen, Forstwirte und Waldökologen.
Der Wetterdienst Tauernwetter hat sich diesem Thema wissenschaftlich genähert und für eine Klimaanalyse des Mölltals die Messdaten zweier Wetterstationen ausgewertet: Jene von Mallnitz auf 1197 Meter Seehöhe und jene von Obervellach auf 688 Meter Seehöhe. Die mittlere Sommertemperatur (Juni bis August) - sie ist der entscheidende Faktor für die Dürrebelastung - ist in den letzten 55 Jahren an beiden Stationen deutlich gestiegen: In Obervellach um 0,64 Grad pro Dekade auf 18,8 Grad und in Mallnitz um 0,48 Grad pro Dekade auf 15,4 Grad. Die Niederschläge sind leicht positiv bzw. stabil.
Die sogenannte „Klimahülle“ einer Baumart beschreibt den Temperaturbereich, in dem sie natürlicherweise vorkommt. Die Fichte etwa verträgt ein Sommermittel von 19 Grad. „In Obervellach wandert das Klima aus dem Kernbereich der Fichte in den Bereich von Buche, Tanne, Bergahorn und Douglasie. In Döllach und Mallnitz liegt die Fichte noch im Optimum, aber die Temperaturen nähern sich auch hier zunehmend der Obergrenze. Die Lärche verliert auf allen Höhenstufen zunehmend ihren klassischen Temperaturvorteil. Der Bergahorn erweist sich als besonders klimarobuste Alternative – er passt auf allen drei Höhenstufen“, so die Analyse von David Kaufmann von Tauernwetter. In Mallnitz könnte das Sommermittel bis zum Jahr 2100 auf 19 Grad steigen, in Obervellach sogar auf 23 Grad.
Zur Risikobewertung werden auch Faktoren wie Borkenkäfer, Dürre, Windschäden und Schneebruch herangezogen. Unterm Strich sind die Risikofaktoren bei der Fichte in allen Kategorien hoch, die Klimazukunft schlecht. Die Tanne hat ein mittelgradiges Schneebruchrisiko, die Buche ist gegen Dürre und Hitze nicht optimal gerüstet. Ansonsten schneiden alle Baumarten in allen Kategorien „Gut“ oder „Sehr gut“ ab.
Elisabeth Schaschl, Forstdirektorin der Landwirtschaftskammer Kärnten, überrascht es nicht, dass die Fichte im Mölltal an die Belastungsgrenze stößt. „Betrachtet man alleine den Faktor Lufttemperatur, lassen sich die Auswirkungen geänderter Klimaverhältnisse folgendermaßen veranschaulichen: Falls tatsächlich eine Erwärmung um vier Grad stattfindet, entspräche das einer Verschiebung der gegenwärtigen Vegetationsgesellschaften um 600 Meter nach unten.“
Bei einer Klimaanalyse werde aber nicht berücksichtigt, wie schnell eine Baumart tatsächlich wandern und neue Areale erschließen kann. Außerdem werde jede Baumart für sich allein betrachtet ohne Berücksichtigung der Konkurrenz und allfälliger Synergien zwischen den Baumarten, so Schaschl. Der Einfluss von Schadorganismen auf Waldökosysteme unter geänderten Klimabedingungen stellt auch ein gewisses Fragezeichen dar.
„Durch geeignete waldbauliche Behandlungen können Baumarten auch außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsareales und damit im Hauptverbreitungsgebiet von anderen Baumarten erfolgreich bewirtschaftet werden, wenn die Konkurrenzverhältnisse entsprechend gesteuert werden“, sagt Schaschl. Sollte sich das Verbreitungsgebiet der Fichte tatsächlich verändern, seien wirtschaftliche Einbußen unvermeidlich, da mit anderen Baumarten nicht so erfolgreich gewirtschaftet werden kann.
Wie können Waldbesitzer auf veränderte klimatische Bedingungen reagieren? Schaschl: „Je ausgewogener und vielfältiger der Wald, desto besser kann er auftretende Schäden abfedern. Bei Aufforstungen muss beachtet werden, dass sich die bekannten Höhenstufen um einige hundert Meter nach oben verschieben werden. Mischbestände aus Nadel- und Laubholz entsprechen oft der naturnahen Vielfalt und minimieren außerdem das forstwirtschaftliche Risiko.“