Kann man mit einer Mistgabel und einer Stute namens Frieda zum Social-Media-Star werden? Ja. Die 25-Jährige Michelle Moritz aus Lienz hat genau das geschafft. Als Influencerin gibt sie täglich humorvolle Einblicke in ihren Pferdestall in Lienz. Knapp 200.000 Menschen folgen ihr auf der Plattform TikTok, auf Instagram erreichen ihre Videos Millionen von Aufrufen. Auf Pferdemessen in Deutschland schreibt die Osttirolerin mittlerweile Autogramme und seit drei Jahren kann die gelernte Einzelhandelskauffrau mit ihren Beiträgen in Sozialen Medien Geld verdienen.
„Ich arbeite 25 Wochenstunden als Schulassistentin und habe zusätzlich ein freies Gewerbe als Content-Creatorin", sagt sie. „In letzter Zeit melden sich immer mehr Firmen bei mir, die bezahlen, damit ich Werbung für sie mache.“
Das ist ihr bisher meistgeklicktes Video:
Dabei hat alles „komplett hobbymäßig angefangen", wie sie berichtet. „Ich wollte meine Freunde auf Facebook nicht ständig mit Pferdebildern und Stallgeschichten nerven.“ Und so begann die junge Pferdebesitzerin aus Osttirol eigene Social-Media-Kanäle für Pferdeliebhaber zu betreiben. Michelle Moritz, zu der alle Elli sagen, nannte ihren Stall „Ellis Horseland“ und legte unter diesem Namen (ellis_horseland) los: Regelmäßig berichtete sie über ihre Haflingerstute Frieda und ihre Ponys Maddy und Flori, sie teilte ihre Erfahrungen beim Ausmisten, Reiten und der Pferdepflege. „Eigentlich wollte ich nur eine Art digitales Tagebuch führen. Und plötzlich hatte jedes Video, das ich gepostet habe, in der ersten Stunde schon 10.000 Aufrufe. Da habe ich mir gedacht, boah, das interessiert ja echt viele.“ Und so habe sie immer weiter gemacht.
6,2 Millionen Mal wurde ihr Video angesehen
Heute schauen der jungen Frau aus Lienz Millionen von Menschen bei der Stallarbeit und Pferdepflege zu. Ihr bekanntestes Video auf Instagram wurde öfter als 6,2 Millionen Mal angesehen. Hauptdarsteller sind immer die Frohnatur „Elli“ und ihre Pferde Frieda, Flori und Maddy. Der respektvolle Umgang mit den Tieren stehe immer im Mittelpunkt, betont die 25-Jährige.
Eines der größten Online-Portale rund um Pferdesport schrieb über die quirlige Osttirolerin: „Sie versteht ihre Rolle als Influencerin weniger als klassische Meinungsführerin, sondern vielmehr als Sprachrohr für den realen Pferdealltag. Statt Leistungsdruck oder Hochglanzbildern stehen Routine, Beziehung zum Tier und Ehrlichkeit im Vordergrund.“
Beinahe täglich liefert Moritz neue Videos und Inhalte aus dem Stall. Ihr Freund Fabian, ihre Schwester Sabrina, Mama Tanja und Papa Manfred helfen ihr dabei. „Ich habe mir alles selber gelernt, filmen, schneiden, fotografieren, vor der Kamera stehen.“ Anfangs sei sie oft belächelt worden für ihre Postings. „Nun kommen oft Leute zu mir und fragen mich, wie ich das mache.“
Von ihrem Erfolg ist sie selbst am meisten überrascht. „Nie hätte ich mir gedacht, dass man mit Pferden und Stall und Mist und Saubermachen so viel Reichweite bekommen kann. Ich denke, ich war einfach zur richtigen Zeit mit den richtigen Videos online", meint sie. Eine Vorreiterin im wahrsten Sinne des Wortes.
Life-Hack mit „Radelkrutte“ aus dem Stall:
Phasenweise ist die Osttirolerin jedes zweite Wochenende auf Fachmessen und Pferde-Events eingeladen. Dort kennt man sie. Zuletzt hat sie bei einer Veranstaltung von riesigen Plakatwänden gelacht. „Bei einer Messe gab es heuer das vierte Jahr in Folge Autogrammstunden mit mir. Es ist unbeschreiblich. Zuerst war mir das fast peinlich. Es hat mich so überfordert, dass ich Angst hatte, ich komme unsympathisch rüber.“ 80 Prozent ihrer Fans sind Mädchen. „Laut meiner Statistik habe ich jetzt aber auch immer Frauen um die 50 Jahre mit Kindern in meiner Community“.
Hass im Netz
Hasskommentare bekommt sie kaum. „Ich bin so froh, dass ich keinen Hass im Netz erlebe. Ich habe wirklich noch keine schlimmen Nachrichten bekommen, höchstens dass einmal jemand gepostet hat, meine Stute Frieda sei zu dick", erzählt sie.
In den vergangenen Jahren haben sich ihre Videos immer weiter entwickelt. „Ich mache jetzt hauptsächlich Comedy aus dem Pferdealltag.“ Dabei nimmt sie sich und die Reiterszene auf die Schaufel. Zusätzlich produziert sie Lifehacks aus dem Stall, also Videos mit cleveren, simplen Tricks, die die Arbeit erleichtern. „Ich zeige zum Beispiel, wie man mit zwei Radelkrutten gleichzeitig fährt.“ Radelkrutte ist das wunderbare Dialektwort für Schubkarre. Aber gesprochen wird bei den Alltagstrick-Videos sowieso nicht. „Ich darf da nur so wenig wie möglich reden.“ Warum? „Damit die Videos auch vom nicht-deutschsprachigen Publikum verstanden werden.“
Was kann sie uns noch verraten? „Kein Video darf länger als 20 bis 30 Sekunden dauern, sonst schaut es keiner an.“ Und wie viele Menschen haben ihre Beiträge schon angesehen? „Ich schätze alle Videos zusammen wurden wohl schon 25 Millionen Mal, eher 30 Millionen Mal gesehen."