Für viele Menschen ist der Gedanke an Sterben und Tod mit Unsicherheit verbunden. Für den 70-jährigen Lois Steiner aus Matrei ist genau das seit einigen Jahren Teil seines Ehrenamts. Als Hospizbegleiter der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft besucht er schwerkranke Menschen, hört zu und schenkt vor allem eines: Zeit.
Dass er diesen Weg einmal einschlagen würde, hätte Steiner selbst nie gedacht. Den Anstoß gab eine ehemalige Mitarbeiterin aus seiner Zeit als Stadtamtsdirektor in Wörgl. Sie erzählte ihm von ihrer Tätigkeit als Hospizbegleiterin. „Sie hat zu mir gesagt: ‚Lois, das wäre etwas für dich.‘ Ich habe mir damals nur gedacht: So etwas kommt für mich nie infrage.“
Menschlichkeit bis zum letzten Weg
Erst nach seiner Pensionierung besuchte Steiner eher zufällig eine Informationsveranstaltung der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft und entschied sich für die Ausbildung. Den entscheidenden Wendepunkt brachte ein Praktikum, wo er eine Woche lang einen sterbenden Mann begleitete. „Da habe ich mir gedacht: Das könnte ich eigentlich auch machen. Irgendwas Sinnvolles soll man in der Pension tun.“ Die Erfahrung veränderte nicht nur seinen Entschluss, sondern auch seinen Umgang mit dem Sterben.
Seit 2021 engagiert sich Steiner als Hospizbegleiter und betreut derzeit zwei Menschen. Einen Herrn im Pflegeheim besucht er seit drei Jahren regelmäßig, einen weiteren begleitet er zu Hause. Dort unterstützt er vor allem auch die Angehörigen. „Ich schaue darauf, dass die Betreuerinnen auch einmal für ein paar Stunden wegkommen.“ Wie belastend diese Situation sein kann, kennt Steiner aus eigener Erfahrung. „Nicht körperlich war es anstrengend, sondern psychisch. Man sollte eigentlich 24 Stunden da sein und kommt nie weg. Das war dann wirklich der Hauptgrund, warum ich dabeigeblieben bin.“
Abschied gehört dazu
Seine Aufgabe beschreibt Steiner schlicht: zuhören, da sein und Zeit schenken. „Die Menschen wollen oft jemandem etwas erzählen, was sie den Angehörigen nicht sagen. Sie wollen es einfach loswerden.“ Die Dankbarkeit sei dabei groß: „Ich habe noch keinen erlebt, der nicht dankbar gewesen wäre.“ Mit der Zeit entstehen auch persönliche Bindungen – Abschiede fallen deshalb nicht immer leicht. „Bei manchen habe ich weniger Probleme, bei zwei oder drei ist es mir schon schwerer gefallen.“ Unterstützung findet Steiner im regelmäßigen Austausch mit seinen Hospizkollegen und den hauptamtlichen Mitarbeiterinnen. Was es für dieses Ehrenamt braucht? Seine Antwort ist kurz: „Menschlichkeit.“