Wo früher maßgefertigte Möbel selbstverständlich beim örtlichen Tischler bestellt wurden, greifen heute viele Kunden zu industriell gefertigten Einrichtungen aus großen Möbelhäusern. Die Anforderungen an das Handwerk haben sich verändert, ebenso der Markt. Umso bemerkenswerter ist die Geschichte der Tischlerei Flath in Radenthein. Seit 120 Jahren besteht der Betrieb am selben Standort in St. Peter und wird mittlerweile bereits in vierter Generation geführt.

Seit 2008 liegt die Verantwortung bei Manfred Flath junior. Der 41-Jährige absolvierte zunächst die Fachschule für Tischlerei in Villach, arbeitete nach dem Bundesheer im elterlichen Betrieb mit und übernahm diesen schließlich mit dem Pensionsantritt seines Vaters. Während die Tischlerei unter Manfred Flath senior zeitweise bis zu sieben Mitarbeiter beschäftigte, führt sein Sohn den Betrieb heute bewusst als Ein-Mann-Unternehmen. „Die Tischlerarbeit wird nach wie vor sehr geschätzt. Die Leute geben gerne Geld für Qualität, Service und Beratung aus“, sagt Flath. Von einer Krise des Handwerks könne er deshalb aus eigener Erfahrung nicht sprechen. „Ich merke das nicht. Auch die Kollegen jammern eigentlich nicht.“

Breites Angebot statt Massenware

Gerade darin sieht der Tischler den Vorteil eines Familienbetriebes. Statt auf Serienproduktion setzt er auf individuelle Lösungen und persönliche Betreuung. Das Leistungsspektrum reicht von Reparaturen an Fenstern, Haustüren und Böden bis hin zu maßgefertigten Schlafzimmern, Bädern, Garderoben oder Möbeln aus Zirbenholz. Auch Innentüren oder Bodenverlegungen gehören zum Alltag des Radentheiners. Der persönliche Kontakt zu den Kunden spielt dabei eine zentrale Rolle. Flath: „Anders als beim Möbelhaus entstehen viele Projekte erst im gemeinsamen Gespräch, werden individuell geplant und exakt an die räumlichen Gegebenheiten angepasst.“ Dass sich der Betrieb über mehr als ein Jahrhundert behaupten konnte, führt Flath auf Werte zurück, die in seiner Familie seit Generationen gelebt werden. „Handschlagqualität, Service und Qualität – das macht unseren Betrieb aus“, sagt er.

Nicht nur im eigenen Betrieb setzt sich Flath für das Handwerk ein. Er engagiert sich außerdem als Bezirkslehrlingswart für die Tischler im Bezirk Spittal und ist Mitglied des Innungsausschusses der Kärntner Tischler. In dieser Funktion begleitet er Lehrlingswettbewerbe, bei denen angehende Tischler ihr Können anhand selbst gefertigter Werkstücke unter Beweis stellen. Auch wenn der Betrieb mittlerweile auf eine mehr als 120-jährige Geschichte zurückblickt, ist dessen Zukunft noch offen. Einen Nachfolger gibt es derzeit nicht. Dennoch konzentriert sich Flath auf das Hier und Jetzt und darauf, den Familienbetrieb mit derselben Sorgfalt weiterzuführen, wie es bereits seine Vorfahren getan haben.

Ein Klassentreffen voller Erinnerungen

Dass das Tischlerhandwerk die Familie Flath bis heute verbindet, zeigte sich erst vor wenigen Wochen. Manfred Flath senior organisierte anlässlich des 60. Jahrestages seiner Meisterprüfung ein Treffen seiner ehemaligen Meisterklasse. Neun frühere Klassenkollegen folgten seiner Einladung nach Villach. Gemeinsam besichtigten sie zunächst die HTL Villach, bevor es zum Mittagessen, weiter auf den Pyramidenkogel und schließlich zu Kaffee und Kuchen ging. Im Mittelpunkt standen dabei vor allem gemeinsame Erinnerungen an die Ausbildungszeit und an einen Beruf, der viele Jahrzehnte ihres Lebens geprägt hat. „Vor 60 Jahren habe ich gemeinsam mit meinen Klassenkollegen einen wichtigen Meilenstein erreicht. Dieses besondere Jubiläum nahmen wir zum Anlass, uns wiederzusehen, Erinnerungen auszutauschen und gemeinsam einen schönen Tag zu verbringen“, erzählt Flath senior.