Am Anfang stand eine Skizze – Visualisierung eines Glashauses, in dem buntes Gemüse wuchs – und ein Umtriebiger, der schon damals ob seiner Unkonventionalität den Beinamen „Obstrebell“ trug. Es war im Jahr 2012, als Manfred Hohensinner, Chef des steirischen Obst- und Gemüsevermarkters Frutura, erstmals öffentlich seine Idee beschrieb, in der Oststeiermark ganzjährig heimisches Gemüse anzubauen. Möglich machen sollte das Geothermie, also Wärme, die aus dem Erdreich kommt.

14 Jahre später stehen wir mit Manfred Hohensinner und seiner Tochter Katrin, die heute mit dem Vater an der operativen Firmenspitze steht, inmitten einer riesigen Glashauslandschaft. Nahe Bad Blumau erntet die Frutura auf rund 26 Hektar Tomaten, Paprika, Gurken oder Champignons. Mit dem Rad huschen die Beschäftigten von Kultur zu Kultur.

„Wir dachten, wir kommen mit der Idee und alle werden sagen: Super, genau das brauchen wir! So blauäugig waren wir“, erinnert sich Manfred Hohensinner. Tatsächlich baute sich kurz nach dem Bekanntwerden ein gewaltiger Widerstand auf. Die Landwirtschaftskammer sah die Gemüsebauernschaft nachhaltig gefährdet, eine Bürgerinitiative machte gegen die „Glashausfabrik in einer Tourismusregion“ mobil, die Grünen stellten sich politisch gegen das Projekt und die Therme Bad Blumau fürchtete um das Thermalwasser.

Ob man bei der Frutura immer an die Idee glaubte? „Die Gefahr, es als Frutura nicht durchzuziehen, gab es nicht“, sagt Hohensinner, der das Unternehmen 1999 mit Franz Städtler und Johann Schwarzenhofer gründete. „Die Gefahr, die es gab, war, persönlich zu scheitern“, erinnert sich der Unternehmer. „Und es war grenzwertig. Es war wirklich knapp, dass ich nicht persönlich gekippt wäre.“

Heute ist all das Geschichte. Vor exakt zehn Jahren wurde erstmals angepflanzt, mittlerweile verlassen Jahr für Jahr 9000 Tonnen Gemüse die Gewächshäuser. Das Gemüse sprießt im konventionellen – drei Viertel – und Bio-Anbau – ein Viertel –, aus dem größten Vermarkter von Obst und Gemüse in Österreich wurde auch ein Produzent. Die Nachfrage, so heißt es, wäre noch größer. Auch dank dem Handelsunternehmen Spar, das als exklusiver Abnehmer der Blumauer Produkte auftritt und der Frutura stets die Mauer machte.

„Mir war immer klar, dass an diesem Projekt die Zukunft unseres Unternehmens hängt“, erzählt Manfred Hohensinner. „Du brauchst eigene Produktion. Nur das sichert dir Glaubwürdigkeit.“ Dann erhebt sich die Stimme jenes Mannes, der früher selbst als Landwirt, später auch als Lkw-Fahrer, jobbte: „Der, der die Ware hat, wird auch den Markt haben. Zugleich wird der Anbau schwieriger und viele junge Leute wollen nicht mehr in die Betriebe rein. Man sah das schon vor zehn Jahren. Aber man wollte es nicht wahrhaben. Für uns gab es Widerstand ohne Ende, weil alle das alte System wollten. Viele wünschten uns das Scheitern.“

Die Ausrichtung der Anlage war von Beginn an nachhaltig. Für die Beheizung nutzt Frutura Thermalwasser aus 3500 Metern Tiefe. Dieses wird mit 125 Grad Celsius an die Oberfläche gepumpt, wärmt die Anbaufläche und gelangt abgekühlt wieder in die Tiefe. Mit Gas hätte man nur am Anfang zuheizen müssen, für die Bewässerung wird „ausschließlich Regenwasser“ verwendet.

Hochtechnologie findet sich mittlerweile auch in der Luft. Drohnen sollen präzise Ernteprognosen ermöglichen und frühzeitig Veränderungen im Pflanzenbestand sowie mögliche Krankheitsbilder erkennen. Schädlinge versucht man mit Nützlingen zu bekämpfen, für Letztere gibt es bei der Frutura eigene Vollzeitbeauftragte.

Ob der Anbau stets plangemäß lief, fragen wir. „Naja“, schmunzelt Katrin Hohensinner-Häupl, „wir bezahlten schon Lehrgeld“. Die Mengen blieben anfangs gering, auch bei den Sorten wurde nachgebessert. Außerdem fehlte zu Beginn Personal. Hohensinner: „Wir waren euphorisch, wollten viele Menschen aus der Region einstellen und stellten dann fest, dass der Gartenbau nur bedingt angesagt ist.“ Welche Pläne die Frutura am Standort hegt? „Wir haben Ideen, die Anlage etwas auszuweiten“, sagt Katrin Hohensinner. Betont defensiv. Man hat gelernt.