Für die gerade einmal 26 Jahre, die Elias Götz auf dem geraden Buckel hat, schlug die berufliche Laufbahn des Südsteirers bereits bemerkenswerte Haken. „Ich bin am Hof aufgewachsen, hab natürlich auch mit dem Traktor gespielt. Aber wirklich interessiert hat mich die Landwirtschaft zunächst nicht“, erzählt er. Es sind eher die Zahlen, die ihm zusagen. An der renommierten Hochschule im Schweizer St. Gallen studiert Götz auch deswegen „Business, Management und Marketing“. Erfahrungswerte sammelt er bei Investmentgesellschaften.
Bald aber, die Corona-Krise dient als Beschleuniger, reift die Erkenntnis, dass „ein Tag vor der Excel-Liste ok ist, aber keine 80 Stunden“. Es folgt die Wendung, die Rückkehr. Zur Landwirtschaft und zum elterlichen Hof. Mit im Gepäck hat Götz wertvolle Erfahrungen, die er in Deutschland sammelt. Dort, am Helle-Hof, steht alles unter dem Motto einer „regenerativen Landwirtschaft“. Nicht nur das „Erhalten des Status quo“ wird als Ziel formuliert, sondern auch eine „verbesserte Bodenfruchtbarkeit, erhöhte Diversität und ein positiver Einfluss auf Klima- und Umweltschutz“.
Am Hütterberg, im südsteirischen St. Veit, wo die Familie Götz als Drei-Generationen-Betrieb Ackerbau, Schweinewirtschaft und einen Christbaumverkauf betreibt, ist dieser Gedanke, dieser ganzheitliche Ansatz, heute augenscheinlich. Nicht zuletzt mit Blick auf den Gemüsegarten, der in den letzten Jahren Schritt für Schritt angelegt wurde. Wuchs auf der Fläche früher einmal der Mais als Monokultur, ist es heute ein buntes Potpourri.
Salat steht neben Jungzwiebeln, Fenchel, Fisolen, Karotten, Petersilie oder roten Rüben. Artenvielfalt kultiviert Elias Götz, ein Gemüsetüftler, aber auch innerhalb der Pflanzenarten. 24 Paradeisersorten gedeihen, farblich reicht deren Palette von rot über neongelb bis hin zu violett. Selbst Pimientos de Padrón, die weltberühmte spanische Paprikasorte, schlagen hier steirische Wurzeln.
„Kleinstrukturiert, vielfältig, effizient, ökologisch betrieben“, beschreibt Elias Götz den theoretischen Überbau des eigenen Anbaus. Im Zentrum steht dabei stets ein gesunder Boden, die Basis für hohe Erträge und hochwertige Lebensmittel. Große Maschinen sind ein No-Go, einzig per Grabegabel wird dem Fundament beim Luftholen nachgeholfen.
80 Prozent des angebauten Gemüses liefert Götz in die Gastronomie, darunter auch Spezialitäten in bekannte Grazer Gaststätten wie El Gaucho, El Pescador oder das Tagescafé Freiblick. Der Rest wird an Private verkauft, entweder direkt am Hof oder per Pop-up-Laden am Planksee. Gar bei nahezu hundert Prozent liegt übrigens die Gastro-Quote bei den „Microgreens“, die am Hütterberg wachsen. Egal ob Kresse, Erbsen oder Zitronenmelisse.
Als „Marktgärtnerei“ bezeichnet man diese Form des Erwerbsbetriebs mit gartenähnlichen Strukturen. Auf kleinsten Flächen – meist pendeln sie zwischen 0,1 und 1 Hektar – werden große Mengen an Gemüse angebaut. Der Trend zur Marktgärtnerei sei grundsätzlich ein jüngeres Phänomen, erklärt Hemma Loibnegger, Leiterin des Gartenbaureferats der Landwirtschaftskammer Steiermark. Zwar hätten Pionierinnen, wie etwa Ulli Klein mit der „Kleine Farm“ in St. Nikolai im Sausal, die Prinzipien schon vor gut 15 Jahren in die Steiermark gebracht, größere Bewegung sei aber erst „in den letzten Jahren“ in die Szene gekommen, schildert Loibnegger.
In Netzwerktreffen tauschen sich die kleinstrukturierten Gemüsebaubetriebe heute regelmäßig aus. Geografische Grenzen werden gezielt verschoben, wie Michael Windberger zeigt, der in Schladming mit dem „Garten am Berg“ alpinen Biogemüseanbau betreibt.
So niederschwellig der Einstieg in diese Form der Landwirtschaft auch sein mag, so wichtig ist es, „Fachwissen“ zu haben, erklärt die Expertin: „Man braucht Erfahrung. Auch, weil man eine Vielfalt an Kulturen kennenlernen muss.“ Zugleich ist unternehmerisches Denken Voraussetzung. Hemma Loibnegger: „Wirtschaftlich sind die ersten Jahre für gewöhnlich am schwierigsten.“