Dass soziale Themen wie Obdachlosigkeit auch vor Villach keinen Halt machen, ist hinlänglich bekannt. Ein aktueller Fall in der Innenstadt sorgt ob seiner Sichtbarkeit dennoch für breite Irritation. Ein Lager wurde im Freien errichtet. Mit einem Zelt, Kleiderständern, Regenschirmen als Sicht- und Sonnenschutz und diversen Planen über Gegenständen hat sich hier für alle sichtbar jemand beinahe häuslich eingerichtet. „Was ist hier los?“, fragen sich gleich mehrere Leserinnen und Leser, die sich mit dieser Thematik an die Kleine Zeitung wandten.

Das Grunstück befindet sich in Privatbesitz, daher hat die Polizei keine Handhabe
Das Grunstück befindet sich in Privatbesitz, daher hat die Polizei keine Handhabe © KLZ/Julia Wiesflecker
Gerda Sandriesser ist Sozialreferentin in Villach
Gerda Sandriesser ist Sozialreferentin in Villach © KK/Kirchtagsverein

Angebote der Stadt wurden nicht angenommen

„Bei der Dame handelt es sich um eine gebürtige Inderin, sie zieht seit Jahren umher und lebt im Zelt. Nach Villach ist sie zum Beispiel aus Tirol gekommen. Das ist ihre Lebensweise, nichts anderes will sie. Egal ob Notschlafzimmer oder Housing First: Sie lehnt alle Wohnangebote der Stadt Villach ab. Eine Sozialarbeiterin der Stadt Villach schaut dennoch regelmäßig bei ihr vorbei, auch die Arge Sozial und die Westbahnhoffnung hatten mit ihr bereits Kontakt. Ihr Wohnkonzept kann freilich kein Dauerzustand sein, eine Anzeige ist bei der Polizei anhängig“, erklärt Vizebürgermeisterin und Sozialreferentin Gerda Sandriesser (SPÖ).

Polizeisprecher Werner Pucher erklärt auf Anfrage, dass der Fall seitens der Exekutive bekannt ist. Da es sich um ein Privatgrundstück handle, habe die Polizei hier allerdings keine Handhabe. „Wir können erst bei einer Räumungsklage einschreiten“, so Pucher.

Obdachlosigkeit als Thema in der Gemeinderatssitzung

Das Thema Obdachlosigkeit kommt in der Stadtpolitik immer wieder auf. Villach ist die einzige größere Stadt Österreichs, die über keine niederschwellige Notunterkunft verfügt. Die Stadt gehe mit Notschlafzimmern und Housing First einen anderen Weg, erklären die Verantwortlichen immer wieder. Auch in der jüngsten Gemeinderatssitzung kam das Thema wieder auf, da die Grünen einen Antrag zur Einrichtung von Wärmestuben einbrachten. Als zuständige Referentin sprach sich Sandriesser für eine Ablehnung des Antrags aus, da durch die Westbahnhoffnung und die Arge Sozial ein dahingehender Bedarf bereits abgedeckt sei. „Wir finden, das ist nicht genug“, so die Grüne Gemeinderätin Karin Herkner. „Dass die Versorgung von Obdachlosen oder prekär Wohnender in Villach ausbaufähig ist, zeigt sich immer wieder – zum Beispiel am Hans-Gasser-Platz“, sagte Gemeinderätin Manuela Dobernig (Erde). Sie fordert den Ausbau von Streetwork, da Beziehungsarbeit oft der erste Schritt sei, um die Annahme von Hilfe zu ermöglichen.

Susanne Claudia Boyneburg-Lengsfeld-Spendier, SPÖ-Gemeinderätin und gleichzeitig Obfrau der Arge Sozial, brachte sich ebenfalls in die Diskussion ein: „Wir haben noch Platz bei der Arge Sozial. Auch die Westbahnhoffnung erweitert sich gerade. Darüber hinaus gibt es keinen zusätzlichen Bedarf in Villach.“ Der Antrag wurde letztendlich abgelehnt.

Das Eggerheim in Klagenfurt, das immer wieder auch Wohnungslose aus Villach aufnimmt, beklagte zuletzt, aus allen Nähten zu platzen und betont immer wieder den Bedarf an weiteren niederschwelligen Einrichtungen in Kärnten.