Auf der Terrasse der Volkshochschule mit Rundblick über Graz trafen sich steirische SPÖ-Politiker am Montagabend zum Austausch. Ein paar Stockwerke tiefer war zuvor bei der Sitzung des Landesparteivorstandes niemand in Feierlaune. Das Debakel bei der Graz-Wahl, bei der die Roten auf 5,6 Prozent bzw. zwei Gemeinderäte abgestürzt sind, musste Konsequenzen haben. Spitzenkandidatin Doris Kampus war bereits vor einer Woche zurückgetreten. Am Montag wurde dann der Vorstand der Grazer SPÖ komplett aufgelöst. Die Landespartei übernimmt das Ruder, der Beschluss fiel einstimmig. „Eine harte Entscheidung, noch weiter konnten wir nicht gehen“, meint Lercher.
Landespartei
Hannes Schwarz, Klubobmann der Roten im Landtag, wird als „Sanierer“ die Partei neu aufstellen. An seiner Seite soll Ex-Flughafenchef Gerhard Widmann das Finanzielle ordnen, er ist ja auch Kassier der Landespartei. „Aber ich weiß, dass wir kein Geld haben“, so Schwarz. Auch das Parteilokal im Volksgarten steht in Frage.
Spitzenkandidatin
„Wir wollen nicht den zehnten Alibiprozess aufsetzen“, spricht Lercher von einer Neugründung der Stadtpartei. Im Herbst 2027 ist eine Bezirkskonferenz angesetzt. Bis dahin soll der oder die neue Spitze der Stadtpartei gefunden sein. Kampus behält derweil ihr Landtagsmandat. „Sie hat alles auf sich genommen, obwohl sie nicht alles verschuldet hat. Das war groß“, meinte Lercher. Außerdem könnte sie das Mandat nur von sich aus zurücklegen.
Gemeinderat
In den neuen Gemeinderat werden Daniela Schlüsselberger und Patrick Trabi, die Nummer 2 und 3 auf der SPÖ-Liste, einziehen. „Ich bin Technikerin, ich würde das Wahlergebnis gerne verstehen“, gibt Schlüsselberger das Debakel immer noch Rätsel auf. Künftig wird sie ohne Gemeinderatsklub, ohne Büro und Mitarbeiter auskommen müssen.
Warum erst im Herbst 2027 der Neustart erfolgen soll? „Wir wollen einen schonungslosen Neubeginn. Das dauert seine Zeit“, sagt Schwarz. Als Richtschnur dienen steirische Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, spricht Lercher Anwesende wie Matthäus Bachernegg (Kapfenberg), Tanja Fauland-Gratz (Gralla) oder Martin Weber (Tieschen) an. Wiewohl man in Graz andere Themen ansprechen wird (müssen).
Im Sommer wird man mit der „Help-Line“ und dem „Help-Bus“ in der Steiermark unterwegs sein, um niederschwellig die Steirerinnen und Steirer erreichen. „Stammwähler gibt es nicht mehr“, weiß Lercher.