Es gibt diese Tage, an denen einfach alles zusammenpasst. Für Lukas Feurstein war es jener Märztag 2025, an dem er seinen ersten Weltcupsieg feierte – der Moment, von dem jeder Skirennläufer träumt. Doch der Spitzensport schreibt seine Geschichten selten geradlinig. Er kennt keine Garantien. Die darauffolgende Saison verlief alles andere als nach Wunsch und wurde für den Vorarlberger zur Geduldsprobe. „Es war ganz klar nicht das, was ich mir vorgenommen habe. Es war definitiv nicht einfach, so ehrlich muss ich sein. Aber so hart es auch ist: Solche Phasen gehören im Sport dazu. Ich habe gelernt, dass es von oben nach unten, aber auch von unten nach oben schnell gehen kann. Vielleicht schaut man als jüngerer Athlet auf Dinge, die gar nicht so wichtig sind.“

Der Mellauer, der sich 2021 zum Junioren-Weltmeister im Riesentorlauf krönte, spricht damit einen entscheidenden Punkt an. „Der Speed war da, ich hatte schnelle Teilzeiten, aber ich habe eindeutig zu viele Fehler gemacht. Fehler, die am Ende gute Resultate zunichtmachen. Ich habe während der Saison wenig geschlafen, vieles hinterfragt und lange darüber nachgedacht, warum es nicht funktioniert hat. Mittlerweile konnte ich das gut analysieren – jetzt gehört es der Vergangenheit an.“ Der Blick des gelernten Bauzeichners richtet sich längst wieder nach vorne. „Ich brauche mehr Konstanz, und genau daran werden wir ab dem ersten Schneetag arbeiten. Ich bin voll motiviert.“

„Ich möchte ganz vorne mitfahren“

Der Paradeathlet mit Vorliebe für Tattoos wird kommende Saison im Super-G und Riesentorlauf an den Start gehen. „Im Training werde ich sicher auch die Abfahrt mitnehmen. Das ist vor allem für den Super-G wichtig, aber rennmäßig sind aktuell keine Einsätze geplant“, erklärt der Vorarlberger, der sich selbst als „extrem ehrgeizig und mutig“ beschreibt. „Ich weiß genau, was ich will. Du brauchst Ziele, sonst wird es schwierig, jeden Tag so viel Arbeit zu investieren.“ Deshalb setzt sich der 25-Jährige die Messlatte bewusst hoch. „Ich möchte ganz vorne mitfahren und um Podestplätze kämpfen.“

Lukas Feurstein kann es auch mit dem Ball
Lukas Feurstein kann es auch mit dem Ball © GEPA

Rückschläge kennt der WM-Debütant von Saalbach allerdings nicht erst seit der vergangenen Saison. In jungen Jahren wurde sein Weg immer wieder von Rückenproblemen gebremst. „Das war lange meine Problemzone und hat mich lange verfolgt. Ich konnte oft nicht die Umfänge trainieren, die eigentlich notwendig gewesen wären. Inzwischen habe ich Wege und Leute gefunden, die mir richtig gut tun. Unser Sport ist extrem belastend für den Rücken, aber ich habe das mittlerweile gut im Griff.“

Abseits der Piste zeigt er sich von einer anderen Seite. Ruhig, zurückhaltend und alles andere als ein Selbstdarsteller. „Ich bin keiner, der große Töne spuckt.“ Nach seinen Macken gefragt, muss er schmunzeln. „Ich habe sicher welche – nur kennen wir Männer sie meistens selbst nicht so genau.“ Der leidenschaftliche Wakeboarder und Trialsportler gilt privat zudem nicht gerade als entscheidungsfreudig. Wenn es allerdings ums Abschalten geht, kennt Feurstein keine Zweifel: Die Akkus für die neue Saison lud er zuletzt bei einem reinen Männertrip an den Stränden Mexikos wieder auf.