Die Rennanzüge waren kaum verstaut, da liefen hinter den Kulissen bereits die Vorbereitungen für den nächsten Winter auf Hochtouren. Während die Athleten nach Saisonende bei Materialtests den Grundstein für die kommende Saison legten oder sich mit einem Kurztrip eine wohlverdiente Auszeit gönnten, herrschte in der ÖSV-Zentrale Hochbetrieb. Kader mussten zusammengestellt, Trainerteams organisiert und unzählige Gespräche geführt werden.
Ist diese Phase vielleicht sogar stressiger als die eigentliche Wintersaison? „Ja, doch! Es ist quasi seit Olympia mit Verträgen, Anforderungsprofilen, neuen Gruppen und diversen Umstellungen voll dahingegangen. Da ist viel Komplexes dabei und die eine oder andere Zwickmühle. Uns ist es aber schnell gelungen, Stabilität und Kontinuität in die Staffs hineinzubekommen. Die Trainer müssen so früh wie möglich wissen, wie und in welcher Form es weitergeht. Da gibt es bis Mitte Juni enorm viel Gesprächsbedarf“, verdeutlicht Christian Mitter, sportlicher Leiter Alpin im ÖSV.
Auf seine größte persönliche Herausforderung angesprochen, muss der Steirer nicht lange überlegen: „Es tut weh, Athleten zu enttäuschen. Leider. Daran kommt man in diesem Job aber nicht vorbei. Wir sind nun einmal im Leistungssport. Neben allen Zahlen und Fakten sind das keine angenehmen Gespräche.“ Gleichzeitig betont der 46-Jährige, dass niemand vorschnell abgeschrieben werde: „Wir geben den Athleten die Chance, sich – auch wenn der Weg manchmal schmal ist – zurückzukämpfen. Sichtungen und Qualifikationsläufe sind dabei natürlich ein Thema. Leistungen werden honoriert und respektiert.“
„Jung bedeutet heute nicht automatisch Teenager“
Mit Blick auf die vergangene Saison spricht Mitter ebenfalls Klartext. „Wir hatten zu viele Schwankungen. Aber eines muss ich auch loswerden: Es kommen Athleten nach, auch wenn dieses Thema in Österreich oft kritisch gesehen wird.“ Für ihn habe sich vor allem die Wahrnehmung verändert. „Jung bedeutet heute nicht automatisch Teenager. Das Hochleistungsalter verschiebt sich immer weiter nach oben.“
Im „ganzen Spitzensportwahnsinn“ brauche es zwar klare Leitlinien, gleichzeitig müsse man aber offen für neue Wege bleiben. „Kritik kann berechtigt oder unberechtigt sein. Am Ende sind qualifizierte Meinungen gefragt. Unser Anspruch ist es, die Besten zu sein. Und wenn das nicht gelingt, ärgern wir uns selbst am meisten. In der Hitze des Gefechts versucht man zwar, ruhig zu bleiben, aber es ist nicht immer einfach, dann die Contenance zu wahren.“
Dass auch nach intensiven Wochen Zeit für positive Gedanken bleibt, zeigte sich beim Teamcamp am Wörthersee. Kärnten verbinde er mit vielen schönen Flashbacks. „Wir machen immer wieder Ausflüge hierher und ich habe sehr schöne Kindheitserinnerungen.“ Kein Wunder, schließlich sei Wasser ganz klar sein Element, „abgesehen von Wasserski und Pump Foiling. Aber ich war ja lange in Norwegen, und dort hat gefühlt jeder ein Boot.“