Trainer kommen, Trainer gehen. Jeder bringt seine eigene Idee vom Fußball mit: seine Rituale, Schlagwörter und Handschrift. Doch es gibt Menschen, die selten im Rampenlicht stehen – und aus einem Verein nicht wegzudenken sind. Hannes Jochum ist einer von ihnen. Aus dem Spieler, dessen Fußballreise in Oberdrauburg begann, wurde ein Vertrauter zahlreicher Trainergenerationen. Bis zu seinem 18. Lebensjahr kickte er für seinen Heimatverein, ehe ihn ein Probetraining bei Didi Constantini nach Innsbruck führte. Eingefädelt wurde dies von Kurt Messner – dem Vater des ehemaligen GAK-Coaches Gernot Messner, einem seiner „Buddys“. „Ich muss gestehen, dass ich nicht geglaubt habe, dass man von Oberdrauburg aus Fußballprofi werden kann“, erzählt der 49-Jährige mit einem Schmunzeln. 2012 beendete der ehemalige Innenverteidiger schließlich nach dem Bundesliga-Aufstieg seine Karriere, spielte noch ein Jahr für die Amateure und fungierte als Team-Manager unter Nenad Bjelica.

Seit 2013 gehört er dem Trainerstab an – und hat mittlerweile unter 15 Cheftrainern gearbeitet. Das reicht von Didi Kühbauer, Heimo Pfeifenberger, Christian Ilzer, Gerhard Struber, Ferdinand Feldhofer, Robin Dutt, Manfred Schmid, Peter Pacult bis zuletzt Thomas Silberberger – kaum jemand in Österreich hat so viele unterschiedliche Fußballphilosophien aus nächster Nähe erlebt. Trainer kamen mit Laptop oder Notizblock, mit Emotion oder Analyse, mit Pressing oder Ballbesitz.

Hannes Jochum mit Christian Ilzer, aktueller Coach bei Hoffenheim
Hannes Jochum mit Christian Ilzer, aktueller Coach bei Hoffenheim © GEPA

Dass Skepsis manchmal schnell verfliegt, zeigt seine Geschichte über Robin Dutt. „Ich gehe grundsätzlich unvoreingenommen an neue Trainer heran. Bei Robin dachte ich aber vorher, dass es schwierig werden könnte. Da kommt einer aus Deutschland, war beim DFB – ich habe sogar zu meiner Frau gesagt, ich bin gespannt, ob ich unter ihm auch so mitzittere. Doch schon am zweiten Tag habe ich alles über Bord geworfen. Diesen Mann musste man einfach gernhaben. Er war ein Sir, ein unglaublich feiner Mensch und akribischer Arbeiter.“

„In der Regionalliga wurde viel geschimpft“

Privat und Beruf trennt der zweifache Familienvater bewusst. Dennoch sind enge Freundschaften entstanden. „Mit Didi habe ich den meisten Kontakt – auch wenn das hier nicht jeder gerne hört. Wir kennen uns ewig.“ Vor allem Kühbauer und Silberberger hätten seinen Blick auf den Fußball geprägt. „Didi hat ein unglaubliches Auge. Er schaut hin und weiß sofort, was nicht passt. Das werde ich wahrscheinlich nie können – und viele andere wohl auch nicht.“

Nach dem Aufstieg in die Fußball-Bundesliga 2012: Gernot Messner mit Hannes Jochum
Nach dem Aufstieg in die Fußball-Bundesliga 2012: Gernot Messner mit Hannes Jochum © GEPA

Fast zwei Jahrzehnte beim WAC bedeuten, sämtliche Höhen und Tiefen miterlebt zu haben. „In der Regionalliga wurde viel geschimpft, viele waren froh, wenn wir verloren haben. Mit dem Aufstieg in die 2. Liga hat sich das geändert, in der Bundesliga gab es viel Applaus. Gleichzeitig sind aber die Erwartungen gestiegen.“ Dass der Klub diesen Weg gehen konnte, schreibt der gebürtige Oberkärntner auch Präsident Dietmar Riegler zu. „Er hat bei Spielern oft ein außergewöhnlich gutes Händchen bewiesen.“

Die schönsten Momente kommen ihm sofort in den Sinn. „Die Aufstiege – vor allem jener in die 2. Liga. Darauf mussten wir lange warten. Ich bin mir nicht sicher, ob der Präsident ohne diesen Erfolg weitergemacht hätte. Und natürlich der Cupsieg.“ In Erinnerung bleiben aber nicht nur Triumpfe, sondern auch Anekdoten. Etwa jene aus Moskau, als Zeugwart Torsten seinen Schlüsselbund vermisste. „Masseur Seppi Rainer hatte ihn gefunden und wollte sich einen Spaß erlauben – vergaß allerdings, die Schlüssel zurückzugeben. Torsten war völlig verzweifelt, weil er glaubte, im ganzen Stadion alle Schlösser tauschen zu müssen.“

„Thomas Silberberger war ein Glücksfall“

Ob ihn der Posten des Cheftrainers jemals gereizt habe? „Es gibt gute Einser- und gute Zweiertrainer. Ich fühle mich in meiner Rolle wohl. Aber man weiß nie, was noch kommt.“ Einen Satz fügt er noch an, der zeigt, wie wichtig Vertrauen ist: „Wenn Thomas nicht gekommen wäre, weiß ich nicht, ob wir den Klassenerhalt geschafft hätten. Dass er verpflichtet wurde, war ein Glücksfall.“

Und sportlich? Da geht‘s am Mittwoch nach Maria Alm ins Trainingscamp. Freitagvormittag wird gegen Mentalist Charkiw (10.30 Uhr) getestet.