Man stelle sich vor, man ist bereits nach der Auslosung davon ausgegangen, dass Österreich Gruppenzweiter wird und somit in der Runde der letzten 32 in Los Angeles antreten wird. Erwin und Fritz haben bereits im Jänner die Reise nach Los Angeles gebucht, um das ÖFB-Team in genau diesem Spiel gegen Spanien zu unterstützen. Lange lief alles nach Plan, wenn da nicht die inzwischen berühmt-berüchtigte Nachspielzeit in Kansas City gewesen wäre.
„Diese Minute möchte ich nie mehr erleben“, stöhnt Fritz angesichts der nervlichen Belastung vor dem 3:3-Ausgleich durch Sasa Kalajdzic gegen Algerien. Beinahe hätte man die Nordafrikaner gegen den Europameister beobachten müssen. Aber diese Minute hat die Zuversicht durchaus gesteigert, dass auch gegen Spanien etwas möglich ist. „Die Spanier sind auch nur Menschen und irgendwann muss Österreich zeigen, was es kann. Wir haben uns zwei Spiele lang geschont“, meinen die beiden unisono und gehen von einem Weiterkommen Österreichs aus, und sei es im Elfmeterschießen.
Jetzt ist das Nationalteam bereit
Hört man sich vor dem Stadion-Tempel in der kalifornischen Metropole unter den ÖFB-Fans um, ist dies durchaus keine Einzelmeinung. „Jetzt sind sie aufgewacht, jetzt geht es los. Ab sofort sind sie bereit“, meint Andi, der das Spiel mit einem Sohn Elias verfolgt. Nachdem er schon gegen Jordanien in Santa Clara mit dabei war, wurde spontan noch einmal gebucht.
Für Werner und Hannes gibt es „nicht einmal eine Diskussion“, dass Österreich als Sieger vom Platz gehen und somit die Reise nach Dallas zum Achtelfinale antreten wird: „Wir sind da, um einen Sieg zu sehen.“ Mit Deutschland oder den Niederlanden seien schon zuvor große Nationen rausgeflogen.
Andere Außenseiter haben es auch geschafft
Die Leistungen anderer Underdogs sorgen auch bei Martin und Oliver aus Kumberg für Optimismus. „Es haben schon viele vermeintlich kleinere Mannschaften bei dieser WM gezeigt, dass etwas geht. Deswegen glaube ich, dass wir das auch schaffen“, ist Oliver motiviert, Zeuge einer Sensation zu werden. „Österreich spielt gegen stärkere Gegner besser“, ergänzt Martin. Auch die beiden glauben, dass die in Kansas City frei gewordenen Emotionen zusätzliche Kraft verleihen.
Man könnte den Eindruck gewinnen, seit Kansas City ist der Glaube an Wunder bei vielen österreichischen Fans zusätzlich gewachsen. „In dieser Minute ist eigentlich alles geschehen“, meint Christian, der ebenfalls schon länger in Besitz von Tickets für die Partie in Los Angeles war, „aus diesem letzten Spiel haben wir hoffentlich sehr viel Positives mitgenommen, zumindest aus der letzten Minute.“