Da sage noch einer, im eiskalten Profigeschäft gibt es keinen Platz für sentimentale Gedanken oder große Gefühle. Wer das behauptet, hat nicht gelesen, mit welchen Worten sich die Kollegen von David Alaba angesichts dessen Abgangs bei Real Madrid verabschiedeten.
„Du bist ein außergewöhnlicher Spieler und ein noch besserer Mensch. Du warst ein Rivale, dann bist du einer meiner besten Teamkollegen geworden und jetzt kann ich sagen, dass du ein Freund bist“, meinte Kylian Mbappe. Jude Bellingham schrieb über seinen Nachbarn in der Kabine und im Bus: „Es wird verdammt hart sein, nach links zu schauen, dich dort nicht mehr zu sehen und meinen Onkel Dave nicht mehr für jedes Problem oder jeden Witz an meiner Seite zu haben.“ Toni Kroos, einst bei Bayern und Real an der Seite von Alaba, würdigte den 112-fachen ÖFB-Internationalen: „Du bist ein absolutes Phänomen auf und neben dem Platz. Ich habe in meiner Karriere niemanden erlebt, der eine gesamte Kabine so verbindet und gleichzeitig alle auf dem Platz mitziehen kann. Kurz: Ein Leader.“
Der Adressat hat diese Huldigungen, und davon gab es zahlreiche weitere, sehr dankbar zur Kenntnis genommen: „Jede einzelne Nachricht von meinen Mitspielern hat mich berührt. Ich bin die Texte durchgegangen und habe mich wirklich sehr gefreut“, erklärt der 33-Jährige.
Welches neue Kapitel seine Erfolgskarriere nach den „Königlichen“ zu bieten hat, steht in den Sternen. Alabas Fokus gilt seinem WM-Traum mit Österreich: „Was in den nächsten Wochen passiert, kann ich nicht kontrollieren. Dementsprechend versuche ich zu 100 Prozent hier bei der Mannschaft zu sein und mich mental auf das Turnier vorzubereiten.“
Alabas Titelsammlung ist bekanntlich beeindruckend. Allen voran seine vier Triumphe in der Champions League, aber auch zwölf Meistertitel (zehn mit dem FC Bayern, zwei mit Real) sprechen für sich. Der Meilenstein Weltmeisterschaft fehlt ihm jedoch noch. „Das hat auf jeden Fall einen hohen Stellenwert. Ich freue mich riesig auf den Tag, wenn wir am 4. Juni alle in den Flieger steigen und rüberfliegen“, fiebert der Innenverteidiger bereits dem Start jener Reise entgegen, auf die er bis zum Herbst seiner Laufbahn warten musste: „Es ist etwas Besonderes, dass wir dieses Ziel erreicht haben. Ich versuche schon meine ganze Karriere hinweg eine WM zu spielen. Jetzt passiert es endlich.“
Der ÖFB-Kapitän kam in der abgelaufenen Saison auf 16 Pflichtspiele für Real. Dass er im Mai noch zwei Liga-Spiele von Anfang an bestritten hat, hatte für ihn einen großen Wert: „Sicher hätte ich lieber mehr gespielt, trotzdem haben die zwei Spiele ganz gut getan, um in den Rhythmus zu kommen.“ In Sachen Fitness plagen den Wiener ohnehin keine Sorgen: „Ich habe in den letzten Wochen und Monaten sehr gut und hart gearbeitet, immer wieder Extraschichten eingebaut. Ich habe jede Trainingseinheit sehr ernst genommen.“ In seinen Abschiedsvorstellungen für Real habe es ganz gut funktioniert. Im Test gegen Tunesien gibt es für Alaba die Gelegenheit, auch im ÖFB-Trikot zu demonstrieren, dass er gut in Schuss ist.