Nach den ersten zwei Vierteln im ersten Spiel der „Best-of-five“-Finalserie in der Basketball-Superliga hat in der Sporthalle Walfersam in Kapfenberg wohl niemand kommen sehen, was in der zweiten Hälfte passieren sollte. „Ich glaube nicht, dass es in der Serie Spiele geben wird, in der sich ein Team absetzen wird können“, hatte Bulls-Manager Michael Schrittwieser zur Halbzeit, zu der man nach zwei ausgeglichenen Vierteln gegen Oberwart mit 36:39 zurücklag, noch gesagt. Doch dann drehten die Gunners auf und zogen auf und davon: Mit 34:14 ließen die Burgenländer den Steirern im dritten Viertel keine Chance. Während die Kapfenberger Oberwarts Ian Martinez Carrillo (27 Punkte) so überhaupt nicht in den Griff bekamen, stockte bei Bulls-Topscorer Andrew Jones (8) der Motor – auch, weil Jones, anders als Carrillo (11 getroffene Freiwürfe), nie zur Freiwurf-Linie gebeten wurde.
Bulls-Trainer Artamanov: „Das ist unmöglich!“
Insgesamt bekamen die Bulls nur 11 Freiwürfe zugesprochen – die Gunners deren 29. Die Foul-Statistik lautete 28:17. Ein Umstand, der Kapfenberg-Trainer Klym Artamanov die Zornesröte ins Gesicht trieb. „Beide Teams spielen physisch – das ist unmöglich! Ich habe nicht mehr zu sagen!“, meinte Artamanov aufgebracht. Auch Schrittwieser sah sein Team vom Schiedsrichtergespann „ganz klar“ benachteiligt. „Jeder, der etwas von Basketball versteht, weiß, was los ist. Es soll sich jeder selbst sein Bild machen“, sagte er, der meinte, schon im Vorfeld der Finalserie hinsichtlich der Unparteiischen Sorge gehabt zu haben. „Wir wollten eine Sitzung mit den Schiedsrichterverantwortlichen, das hat die Liga abgelehnt. Es kann nicht sein, wenn man ständig von Kommunikation spricht, dann nicht kommunizieren zu wollen.“
Die 1:0-Führung in der Serie war für Oberwart vor dem letzten Viertel jedenfalls nicht mehr zu nehmen – so dachte man. Doch es schien, als hätten die Teams auf der sprichwörtlich schiefen Ebene lediglich die Seite getauscht: Bei Oberwart ging gar nichts mehr – mit einem 22:4 aus Kapfenberger Sicht schrumpfte der zwischenzeitliche 25-Punkte-Rückstand der Bulls zwar auf fünf Zähler, das Wunder von Walfersam blieb aber aus – am Ende hieß es 72:77. „Wir haben zu spät Tempo aufgenommen – und waren zu früh foulbelastet“, sagte Schrittwieser, der meinte: „Im letzten Viertel haben wir gezeigt, was wir können. Das wollen wir am Montag im Auswärtsspiel auch.“ Da geht es für die Bulls zum zweiten Spiel der Serie nach Oberwart (18 Uhr, ORF Sport+ live).