Als Kapitän der Kapfenberg Bulls am Ende der „Best of Five“-Serie den Pokal des Meisters in die Höhe zu stemmen, ist der Traum von Nemanja Krstić. „2017 war Armin Woschank unser Kapitän und dass ich nach so vielen Jahren diese Chance habe, das motiviert mich noch mehr“, sagt der 33-Jährige mit seinen stattlichen 2,05 Metern. Er stellt sich auf eine Nervenschlacht in zwei Hallen ein, die beide für ihre stimmungsvolle Atmosphäre bekannt sind. Und in dieser energiegeladenen Serie wird eines besonders gefragt sein: der Kopf. Der erste Kracher steigt heute in Walfersam (18 Uhr). Für das erste Spiel wurde nicht das gesamte Kartenkontingent im Vorverkauf freigegeben. Somit gibt es an der Abendkasse noch die Möglichkeit, einen Platz in der Halle zu ergattern.

„Jetzt zählt nur noch der Kopf und der Wille. Das Team, das bereit ist, auf dem Feld wirklich alles zu geben und durch das Feuer zu gehen, wird den Titel holen. Wir sind bereit“, Krstić. Oberwart stellt sich den Bullen auf der Reise zu ihrem achten Titel in den Weg. 2017 war er in der Meistermannschaft, die noch von Michael Schrittwieser trainiert wurde. Danach ging er zurück in die Heimat und verpasste zwei Kapfenberger Titel. 2020 kam er zu den Bullen zurück: „Vier, fünf Jahre haben wir gebraucht, um die richtigen Spieler und Betreuer zu finden. Es fühlt sich verdammt gut an, wieder im Finale zu sein“ so Krstić,

Am 8. Juni 2017 holte Kapfenberg den Titel: Nemanjan Krstic und Michael Schrittwieser tanzten vor Freude
Am 8. Juni 2017 holte Kapfenberg den Titel: Nemanjan Krstic und Michael Schrittwieser tanzten vor Freude © GEPA

Seine Rolle hat sich in den Jahren langsam verändert. Vom Topscorer hin zum Führungsspieler, dessen Einfluss und Stärke nicht an Punkten gemessen wird. Er prägt das Team mit seiner Routine, führt seine Mitspieler mit Bedacht. „Manchmal sind es kleine Schrauben, die man auf dem Feld drehen muss. Wie redet man mit diesem Schiedsrichter? Was wird der Gegner tun? Ich habe die Erfahrung.“ Sich selbst etwas hinten anzustellen war ein Prozess, den auch der Trainer mit vielen intensiven Gesprächen begleitet hat. „Es geht einfach nicht darum, wie viel Punkte und welche Statistik ich am Ende habe, sondern nur darum, ob wir gewinnen.“ Krstić nimmt auch von der Bank aus großen Einfluss. „Es ist wichtig, dass man da ist, wenn man gebraucht wird. Im modernen Basketball spielt man aber ohnehin kaum mehr als 20 bis 25 Minuten.“

Ein großes Plus von Klym Artamonov ist es, dass er mehrere „Trainer-Sprachen“ spricht. „Er hat erst vor Kurzem aufgehört zu spielen und kennt sowohl die alte als auch die neue Basketballschule. Er weiß, was die Spieler brauchen und kann mit Druck sehr gut umgehen“, sagt Krstić. Doch der größte Wurf des Ukrainers war die Zusammenstellung des Teams, sagt sein Kapitän. „Jeder einzelne arbeitet hart, ist für den anderen da und keiner jammert. Alle haben sich zu 100 Prozent dem Team verschrieben.“

2017 schlugen die Bulls die Burgenländer in der Serie nach einer Auftaktniederlage in Oberwart klar 4:1. „Es war unglaublich, wie wir damals nach der ersten Niederlage zurückgekommen sind“, sagt der Serbe. Damals wurden Traiskirchen und Gmunden vom Tabellendritten des Grunddurchgangs auf dem Weg ins Finale geputzt. Oberwart hat sich seit 2017 stark gewandelt. „Sie haben jetzt viel bessere österreichische Spieler, die sich sehr gut auch aus dem Nationalteam kennen und zu 100 Prozent mit dem Verein identifizieren. Ich habe großen Respekt vor ihnen.“

Doch nicht nur die Rolle auf dem Feld hat sich verändert. „Früher habe ich gedacht, dass man einfach immer langsamer wird, wenn man älter ist.“ Dem ist aber nicht so, und darum fügt er mit einem Lachen an: „Wenn ich frisch bin, fühle ich mich noch immer wie 25 und kann auch so spielen. Aber damals ging es jeden Tag und jetzt brauche ich drei Tage zum Regenerieren.“