Es ist nicht immer ganz einfach, als Torhüter Nummer drei in ein Turnier zu gehen. Wobei bei Eishockey-Weltmeisterschaften die Aussichten auf Einsätze schon ob des eng getakteten Turnierplans besser sind, als beispielsweise im Fußball. Und so blickt auch Florian Vorauer bereits auf seinen ersten Einsatz bei der diesjährigen A-WM in Zürich zurück. Rund 30 Minuten durfte, oder besser gesagt, musste der 26-jährige KAC-Keeper beim 0:9 gegen die Schweiz ran. Bitter: Gleich beim ersten Schuss auf seinen Kasten musste er den Puck passieren lassen, danach folgten noch zwei Schweizer Treffer.

Und dennoch war dieser Tag in der Zürcher Swiss Life Arena ein besonderer. Denn er stand auf dem Eis seinem Idol gegenüber: Schweiz-Keeper Leonardo Genoni, dem mit dem 13. Shutout bei einer WM ein neuer Weltrekord geglückt ist. Weshalb Vorauer auch die Initiative ergriff, nach dem Spiel Kontakt aufnahm. „Ich habe ihm zum Weltrekord gratuliert und ihn gefragt, ob ich einen Schläger von ihm haben könne. Er hat darauf freundlicherweise mit ‚Ja‘ geantwortet. Ich bin ein großer Fan von ihm“, erzählt Vorauer und fügt an: „Das Ergebnis war natürlich suboptimal, aber trotzdem war es ein persönliches Highlight vor 10.000 Zuschauern zu spielen. Ich versuche, das Positive mitzunehmen.“

Vorauer machte zuletzt nicht nur als zuverlässiger Backup von Sebastian Dahm beim KAC von sich reden, im Vorjahr gehörten die Lobeshymnen nach dem 1:5 gegen Kanada ihm. Denn Vorauer verbuchte gleichzeitig 50 Saves gegen die NHL-Stars. „Klar ist es schön, Lob zu hören. Das gibt hin und wieder Stärke. Aber ich versuche immer bei mir zu bleiben, nicht, dass die Brust zu schnell zu breit wird“, sieht er es pragmatisch, weil Vorauer auch weiß: „Ich bin noch nicht am Peak, habe noch einiges in mir drinnen.“ Was ihm auch Kollegen wie Dahm oder im Nationalteam David Kickert bescheinigen. Kickert: „Das Spiel gegen Kanada letztes Jahr hat mich extrem beeindruckt. Es ist ein bisschen ein Mixed Feeling: Einerseits will ich natürlich selbst spielen, andererseits sehe ich ihn auch gerne spielen. Er hat auf jeden Fall noch sehr viel vor sich.“

Verlässlicher Backup mit hohen Ansprüchen

Und selbst, wenn Vorauer hinter Atte Tolvanen und Kickert seine Rolle auch so interpretiert, „dass ich für Frohsinn in der Kabine sorgen will und dafür, dass sich die Jungs bestmöglich auf die Spiele fokussieren können“, sind die Ansprüche an ihn selbst hoch: „Ich will nicht überheblich werden, mich aber auch nicht klein machen. Ich weiß was ich kann und wer ich bin. Im Profibetrieb soll der Bessere spielen. Wenn ich konstant meine Leistung bringe, spiele ich auch sicher mehr.“ So ist Florian Vorauer ein Goalie, der bereits heute zeigt, dass ihm das morgen gehört.