Der klassische Landgasthof lebt durch die „Wirtshauskultur“ und den Ausflugsverkehr vom Sonntagsgeschäft. Die Gastronomie in kleineren Städten, so wie Völkermarkt, lebt eher von der werktäglichen Laufkundschaft. Viele Betriebe schließen am Wochenende, da Einheimische vor allem sonntags vermehrt zuhause kochen oder Ausflüge unternehmen. Warme Badeseen wie der Klopeiner See, die Nähe zu den Karawanken und vielfältige Outdoor-Angebote ziehen sowohl die Völkermarkter als auch Touristen gerade am Wochenende eher aufs Land. Denn dort ist meist werktags Ruhetag.
Nichtsdestotrotz haben sich sowohl einige Restaurants, als auch Bars und Cafés dazu entschieden, in der Stadt Völkermarkt sonntags ihre Türen für Kulinarikliebhaberinnen und -liebhaber zu öffnen. Für die Frühaufsteher öffnet das Lokal „Bäckerei Café Treff V1 - Bierbaumer“ in der Griffner Straße 16a um 7 Uhr morgens und lockt mit frischer Backware – entweder für das Frühstück daheim, oder direkt vor Ort. Im Café von Bäckermeister Harald Bierbaumer wird vom Frühstück über den Kaffee bis hin zur Mehlspeise alles, was das Herz zu dieser Uhrzeit begehrt, serviert. Sitzplatzmöglichkeiten gibt es sowohl draußen als auch drinnen.
Für die Langschläfer könnte der Tag mit einem Kaffee oder Frühstück beim „Caffe Latte“ am Herzog-Bernhard-Platz 8 starten. Um 10 Uhr öffnen Stefano Lacagnina und sein Team. Zum Frühstück gibt es hier unter anderem Croissants oder Tramezzini. „Wir hatten schon immer von Mitte April bis Oktober am Sonntag geöffnet. An diesem Tag sind wir fast das einzige Lokal, das in der Stadt offen hat, davon profitiert man auch. Es ist der umsatzstärkste Tag“, sagt Lacagnina. Neben dem normalen Tagescafé liegt an diesem Tag der Fokus vor allem auf dem Eisverkauf. Dabei können Gäste aus rund 20 Eissorten auswählen.
Für jene, die dann der Hunger zur Mittagszeit packt, sorgen ein paar Völkermarker Restaurants für Speis und Trank. Zwar nicht jeden Sonntag, aber immer, wenn Saison ist, öffnet auch die „Bär & Schaf Wirtschaft“ im Kulturgasthaus Prinz Johann in der 2.-Mai-Straße 18 ihre Holztüren. Von 12 bis 16 Uhr ist Platz für bis zu 25 Gäste. Aufgetischt wird ausschließlich regional und saisonal, kreiert von Martin Nuart, der die Wirtschaft zu zweit mit seinem Geschäftspartner Philipp Medved schmeißt. „Wir haben uns tatsächlich dazu entschieden, den Sonntag zu öffnen, weil es am Land speziell in der ersten Wochenhälfte schwieriger ist, Leute zu finden, die essen gehen, als von Donnerstag bis Sonntag“, sagt Nuart.
Auch wenn der Sonntag immer gut besucht ist – eine Reservierung wird empfohlen –, sieht Nuart trotz positiver Aspekte auch Nachteile, speziell für sich persönlich, aber auch für das Konzept des Restaurants: lustige, gemütliche Abende und gute Weine. „Wenn wir am Mittwoch gleich viel Geschäft lukrieren könnten, würden wir den Sonntag wahrscheinlich auch eher zulassen. Für mich als Vater wäre der Sonntag ein besserer Tag, um Zeit mit meinen Kindern zu verbringen.“ Nuart ergänzt: „Und weil natürlich unser Konzept abends besser funktioniert, weil die Gäste danach nichts mehr vorhaben und länger verweilen. Sonntag nach dem Mittagessen wollen die meisten noch etwas unternehmen. Und Sonntagabend geht niemand mehr ausgiebig essen, da am Montag wieder die Arbeitswoche beginnt.“ Start für die diesjährige Saison ist übrigens der 4. Juni.
Im „Alten Brauhaus“ in der Bürgerlustgasse 2 wird empfohlen, am Sonntag zu reservieren. „Wir sind meistens voll, ab 12 Uhr kommen dann alle“, sagt Wirt Georg Riepl. Bei Schönwetter lockt vor allem der Sitzgarten – „wir müssen jedoch immer darauf achten, dass bei möglichem Regen genügend Kapazität im Innenbereich vorhanden ist“. Die Küche hat von 11 bis 14 Uhr geöffnet, bestellt werden kann à la carte. Was der Wirt vom Sonntagsgeschäft hält? „Ich finde es durchaus positiv, an diesem Tag geöffnet zu haben, da wir ja doch eines von wenigen sind.“ Auch mit den Mitarbeitern gäbe es keine Probleme. „Im Prinzip habe ich mein Team fürs Wochenende. Die sind auf die Arbeitszeiten eingestellt.“
Am Herzog-Bernhard-Platz 6 hat seit der Eröffnung vor 30 Jahren der „Bier Baron“ durchgehend geöffnet. Das Geschäft laufe unterschiedlich. „Im Winter ist es besser als im Sommer, da dort die Leute eher am See sind“, sagt Inhaber Martin Terbul. Für ihn sei es jedoch wichtig, dass es für die Völkermarkter auch am Sonntag eine Möglichkeit zum Verweilen in der Innenstadt gibt. „Wenn keiner mehr offen hat, dann ist die Stadt leer. Deswegen schauen wir, dass wir den Leuten auch an diesem Tag einen Ort bieten, um sich zu Treffen“, ergänzt Terbul. Herausfordernd sei es nach wie vor, Mitarbeiter zu finden, speziell am Sonntag.
Für italienisches Flair sorgen sowohl die Pizzeria „Caputo“ in der Hans-Wiegele-Straße 1 als auch die Pizzeria „Don Carlo“ am Herzog-Bernhard-Platz 8. Die Pizzeria „Don Carlo“, geführt von Gertraud und Calogero Calabro, steht für jahrelange Tradition in puncto italienischer Küche sowie junger, kreativer Kulinarik. Von 11 bis 22 Uhr gibt es hier Antipasti, Suppen, Pizza, italienische Nudelgerichte, Fisch und Dessert.
Bei Antonio Caputo, der die Pizzeria „Caputo“ in zweiter Generation führt, werden von 11 bis 22 Uhr neben der Pizza aus dem Holzofen auch Fleischgerichte, frische Pasta oder Fisch angeboten. Hinzu kommen die hausgemachten Eisspezialitäten, die vor allem an heißen Tagen für eine Erfrischung sorgen.
In der Johann-Heinrich-Pestalozzi-Straße 2 sorgt das China Restaurant „Guilin“ für ein zusätzliches, kulinarisches Erlebnis für all jene, die es an einem Sonntag nicht nach traditionell österreichische Küche gelüstet. Von Fleischgerichten mit Schwein, Rind, Huhn oder Ente werden im „Guilin“ auch Vorspeisen, Nudel-, Reis-, Suppen- und Gemüsegerichte angeboten. Sonntags hat das Chinarestaurant von 11 bis 14.30 Uhr und von 17 bis 20.30 Uhr geöffnet.
Beim „Café Plaza“ am Hauptplatz 20 kann sowohl der Nachmittag als auch der Abend am Sonntag genossen werden. Das Kaffeehaus bietet von 15 bis 22 Uhr Platz zum Kaffeetrinken, Essen oder Schmökern im Lieblingsbuch. „Am Nachmittag kehren bei uns viele besonders wegen des Speiseeises, des Kuchens oder der Torten ein“, so Inhaberin Michaela Höberl, die auch italienische Speisen anbietet. Auf der beheizten Terrasse kann auch an kühleren Tagen am Sonntagabend auf ein gelungenes Wochenende mit einem Getränk angestoßen werden.
Worin die Vorteile für einen Öffnungstag am Sonntag liegen, weiß auch Manuela Schnitzler, Bezirksstellengeschäftsführerin der Wirtschaftskammer Völkermarkt: „Eine Sonntagsöffnung kann für Gastronomiebetriebe eine wichtige zusätzliche Einnahmequelle darstellen – insbesondere in Innenstädten, Ausflugsregionen oder bei Veranstaltungen. Viele Gäste nutzen den Sonntag bewusst für Freizeitaktivitäten, Familienausflüge oder Cafébesuche.“
Doch auch Schnitzler sieht gewisse Herausforderungen. „Die größte Herausforderung bleibt aktuell der Personalmangel in der Gastronomie. Gerade an Sonn- und Feiertagen ausreichend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden, ist für viele Betriebe schwierig. Hinzu kommen steigende Personal- und Betriebskosten sowie die Herausforderung, wirtschaftlich rentable Öffnungszeiten anzubieten. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer müssen daher sehr genau abwägen, ob eine Sonntagsöffnung organisatorisch und wirtschaftlich sinnvoll umsetzbar ist“, erklärt Schnitzler. Laut ihr zeigt sich grundsätzlich jedoch, dass geöffnete Gastronomiebetriebe einen wichtigen Beitrag zur Attraktivität und Lebendigkeit eines Ortskerns leisten.