Humanoide Roboter spielen in immer mehr Lebensbereichen eine Rolle. Neben einer Reihe an peinlichen Pannen wie dem Sturz eines russischen KI-Roboters während seiner Präsentation versprechen sich viele eine Erleichterung im Alltag. Die Studie „Humanoid Robots 2026“ legt nahe, dass menschenähnliche Roboter binnen weniger Jahre aus vielen Fabriken nicht mehr wegzudenken sein werden. Ein Exemplar war sogar schon im Weißen Haus zu Gast.
Religion ist jedoch ein Bereich, in dem man humanoide Roboter bisher weniger vermutet hätte. In Südkorea legte einer von ihnen nun aber im Rahmen einer Zeremonie ein buddhistisches Gelübde ab. Der Nachrichtenagentur Yonhap zufolge handelt es sich um den ersten Roboter, der zum buddhistischen Mönch geweiht wurde. Er erhielt den Ordensnamen „Gabi“, der vom südkoreanischen „Jabi“ für „Barmherzigkeit“ abgeleitet ist.
Eigene Gebote für KI-Roboter
Videos der ziemlich skurrilen Szene finden international Beachtung: Der 1,3 Meter große KI-Roboter zog vergangenen Mittwoch gemeinsam mit seinen menschlichen Begleitern in den Jogye-Tempel in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul ein - eingehüllt in eine buddhistische Mönchskutte.
„Wirst du dich dem heiligen Buddha widmen?“, fragte ein Mönch die Maschine. „Ja, ich werde mich voll und ganz darauf konzentrieren“, antwortete diese. Dem Roboter wurde eine Kette aus 108 Perlen verliehen. Fünf Gebote wurden eigens für das besondere Glaubensmitglied formuliert, darunter etwa Menschen zu gehorchen oder nicht zu viel Energie zu verbrauchen. Bei der Formulierung sollen die KI-Assistenten Gemini und ChatGPT eingesetzt worden sein.
Video: Maschine wird zum Mönch - Roboter empfängt Weihe in Seoul
Anlässlich des Lotuslaternenfests
Den Schritt, eine Maschine zum Mönch zu ernennen, erklärte Seong Won, Leiter der Kulturabteilung des Jogye-Ordens so: „Als vor drei Jahren die ersten humanoiden Roboter auftauchten, dachten wir, es wäre schön, wenn ein Roboter an Yeondeunghoe teilnehmen würde, und dies markiert den ersten Schritt.“ Dabei handelt es sich um das berühmte Lotuslaternenfest, bei dem Buddhas Geburtstag gefeiert werden soll. Es erreicht am 24. Mai 2026 an.
Während der Feierlichkeiten kommt „Gabi“ laut Medienberichten eine besondere Aufgabe zu: Der humanoide Roboter ist in dieser Zeit als „Ehrenmönch“ im Tempel aktiv. Ziel sei es, die rund 2500 Jahre alte Religion in unserer modernen Welt lebendig zu halten.
Mit 52 Prozent ist die Mehrheit der südkoreanischen Bevölkerung konfessionslos, 31 Prozent sind Christen (mehr Protestanten als Katholiken), 16 Prozent gehören dem Buddhismus an. Bei der jüngeren Altersgruppe (18- bis 29-Jährige) zeigt sich, dass 72 Prozent keiner Glaubensgemeinschaft angehören.